Ausstellung „Schwarz ist der Ozean“ in der Citykirche in Aachen

Ausstellung in der Citykirche : Vom Kolonialismus zum Flüchtlingsboot auf dem Meer

Was haben Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer mit der Geschichte von Sklavenhandel und Kolonialismus zu tun? Die Ausstellung „Schwarz ist der Ozean“ des Autors Serge Palasie versucht, darauf eine Antwort zu geben.

Derzeit ist sie in der Citykirche St. Nikolaus in der Aachener Fußgängerzone zu sehen. Wer die sechs Roll-ups studiert, stellt fest, das eine hat mit dem anderen eine ganze Menge zu tun.

Als die Europäer Mitte des 15. Jahrhunderts begannen, die Ozeane zu erobern und neue Kontinente zu erschließen, veränderte das nicht nur die Weltordnung, in der nun der „weiße Mann“ eine entscheidende Rolle spielte. Die „Ware Mensch“ aus Schwarzafrika wurde ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, der Amerika und Europa zum wirtschaftlichen Aufschwung verhalf, den afrikanischen Kontinent in weiten Teilen erheblich schwächte.

Pfarrerin Sylvia Engels, die mit Pfarrer Timotheus Eller das ökumenische Seelsorge-Team der Citykirche leitet und den Kontinent aus einem Entwicklungsprojekt in Namibia ein wenig kennt, sieht in dieser Geschichte eine moralische Verantwortung: „Wir schulden es den Menschen, sie auszubilden und eine Perspektive zu eröffnen.“ Für Pfarrer Timotheus Eller eröffnet die Ausstellung einen neuen Blickwinkel: „Es wird deutlich, dass die Migrationsbewegungen nicht aus einem luftleeren Raum entstanden sind, sondern eine Geschichte haben, die Europa zum Teil im negativen Sinn mitgeschrieben und mitgestaltet hat.“

Wer aus Afrika flieht, dem eilt schnell der Ruf eines „Wirtschaftsflüchtlings“ voraus. Doch wie sehr die Folgen der Kolonialisierung nachwirken, wird dabei oft übersehen. Das oft negative Afrikabild korrigieren möchten die Veranstalter Cityseelsorge, Katholikenrat des Bistums Aachen und Anmesty International auch mit einem Informations- und Diskussionsabend am 4. Juli. Neben Serge Palasie werden Anna Bartz von der Organisation „Jugend rettet“ und der Rechtsanwalt Jens Dieckmann den Bogen in die Gegenwart schlagen. Denn auch heute ist die globale Wertschöpfung zu oft zu Ungunsten Afrikas verteilt: Seltene Erden, wie Koltan für Smartphones, werden dort abgeschöpft, korrupte Eliten werden gedultet, damit dieser Transfer funktioniert. Freihandelsabkommen übervorteilen die lokalen Märkte und zerstören sie langfristig. „In diesen Punkten haben wir nichts dazugelernt“, resümiert Ingeborg Heck-Böckler, Amnesty International.

Es sind diese Entwicklungen, die oft auch auf ein Flüchtlingsboot führen, das vor den Küsten Europas im Mittelmeer treibt. Wenn sie Glück haben, treffen die Menschen dann auf Menschen wie Anna Bartz. Die Medizinstudentin hat mit „Jugend rettet“ Menschen vor der lybischen Küste vor dem Ertrinken bewahrt. Für Martin Pier vom Katholikenrat des Bistums Aachen ist es ein gutes Zeichen, Menschen wie Anna Bartz dabei zu haben: „Es zeigt, wir können als Gesellschaft etwas bewegen, aktiv etwas tun und nicht nur über das Vergangene lamentieren.“

Doch die private Seenotrettung wird zunehmend kriminalisiert. Den Organisationen wird seitens der europäischen Behörden vorgeworfen, das Schlepperwesen zu unterstützen. Für Heck-Böckler ist das kaum erträglich: „Regelmäßig wird Völkerrecht gebrochen, weil durch die Push-back-Aktionen die Boote wieder zurück in lybische Hoheitsgewässer verbracht werden. Die unmenschlichen Zustände dort in den Flüchtlingsunterkünften sind selbst unter den europäischen Diplomaten kein Geheimnis.“ Die rechtlichen Rahmenbedingungen der Seenotrettung beleuchtet Jens Dieckmann, der unter anderem auch das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen in Flüchtlingsfragen berät. Doch die Veranstalter möchten auch den Blick nach vorn wagen. Besucher der Veranstaltung sind herzlich dazu eingeladen.

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