Ausstellung „Punkt. Linie. Fläche. Raum“ zum Thema Bauhaus in Aachen

Ausstellung „Punkt. Linie. Fläche. Raum“ : Die Freiheit, Regeln zu brechen

Punkt. Linie. Fläche. Raum. Es sind ganz grundlegende Elemente, mit denen sich jeder Künstler auseinandersetzt und die von der Schule des Staatlichen Bauhaus ganz neu gedacht wurden. In einem Jahr, in dem diese Denkschule und Kunstform ihr 100-jähriges Bestehen feiert, widmet auch das Atelierhaus Aachen dem Thema eine eigene Ausstellung - eben mit dem Titel „Punkt. Linie. Fläche. Raum“.

Jubiläen wie dieses böten die Möglichkeit, die Frage zu stellen, welche Relevanz diese Kunstschule heute noch habe, sagte Ana Sous, Geschäftsführerin des Atelierhaus Aachen, bei der Ausstellungseröffnung. Ferner laden solche Meilensteine dazu ein, selbst kritisch Position zu beziehen und diese auch kritisch zu hinterfragen.

Das Staatliche Bauhaus, unterstrich Benjamin Dodenhoff, Projektleiter der „Plattform Aachen“ am Ludwig Forum, sei im Ursprung weder ein Stil noch eine Kunstform, sondern zuallererst eine Schule gewesen, die ein Regelwerk für ihre Schüler geschaffen habe. Dies sei die Grundlage jedes Künstlers – eigene Regeln schaffen, um ein Thema künstlerisch umzusetzen. Ähnlich wie bei einem Spiel, in dem der Spieler gefordert ist, innerhalb des Regelwerks einen kreativen Lösungsweg zu finden.

Zugleich gab das Bauhaus seinen Schülern die Freiheit, die Regeln jederzeit zu brechen. So haben es auch die 12 Künstlerinnen und Künstler gesehen, die mit ihren Arbeiten eine zeitgenössische, kritische Position zum Staatlichen Bauhaus beziehen. Ästhetische, formale Ideen sind ebenso zu sehen wie Konzepte, die architektonische Ideen des Bauhaus weiterführen zu Überlegungen gesellschaftlicher Vielfalt. Sichtbar sind ebenfalls feministische Perspektiven, die sich mit der Rolle der Frau im Bauhaus auseinandersetzen und diese hinterfragen.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mehrerer Kunsthäuser und deren Künstler, aus Köln wirken das Kunsthaus Rhenania, das Quartier am Hafen und das Atelierhaus Altenburger Wall mit, der Weerkplaats K aus Kerkrade ist ebenfalls mit im Boot. Aus dem Atelierhaus Aachen wirken sechs Künstlerinnen und Künstler mit: Hella Frowein-Hagenah und Janice Orth stellen jeweils ihre formalen, grafischen Arbeiten aus. Mo Mokhtar fotografierte in Skandinavien Architektur.

Claus Dieter Geissler schuf eine Installation, in der er den Grundgedanken der Ausstellung – Punkt, Linie, Fläche und Raum – durchdekliniert. Monika Radhoff-Troll und Lisa McCarty stellen ihre Arbeiten zu ihrem fotografischen Austauschprojekt aus.

Damit schlägt die Ausstellung sogar eine Verbindung zur Partnerstadt Arlington in den USA. Tanja Rauschtenberger befasste sich in ihren Arbeiten mit dem Thema Nachhaltigkeit und feministischen Fragen zu den Bauhaus-Weberinnen. Eine Ebenfalls feministische Perspektive greift Lissy Winterhoff in ihrer didaktischen Arbeit auf, die die feministische Perspektive des Bauhaus beleuchtet.

Mit Architektur und räumlichen Fragestellungen beschäftigte sich Ulla Bönnen in ihren fotografischen Collagen. Gregor Zootsky befasste sich mit Farbstudien. Dazu schuf er eine Truhe, in der er architektonische Bausteine deponierte. Gregor Weber greift in einer Performance auf diese Bausteine zu, um mit ihnen den Raum zu erschließen.

Auch Besucher sind in der Folge eingeladen, selbst mit den Bausteinen zu experimentieren. Sabine Jacobs schuf eine raumbezogene Installation, die im Sinne des Bauhaus klar strukturiert und durchlässig ist und Bezüge zu den einzelnen Ausstellungsstücken herstellt.

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