Aachen: Ausstellung „Bier und wir“ im Centre Charlemagne wird eröffnet

Aachen: Ausstellung „Bier und wir“ im Centre Charlemagne wird eröffnet

Tief in die Aachener Stadt-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte taucht die neue Wechselausstellung im Aachener Stadtmuseum Centre Charlemagne ein, die ab dem kommenden Samstag zu sehen ist. Denn es geht um des Deutschen liebstes Getränk, ums Bier.

„Bier und wir“ heißt die Ausstellung, die einen wahren Rundumschlag um das Thema bietet, von der Kulturgeschichte über die Brauereitechnik bis hin zur legendären Aachener Kneipenkultur.

Mit dem Thema habe man einen Nerv der Aachener getroffen, da ist sich Aachens Kulturdezernentin Susanne Schwier sicher. Und auch Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne bestätigt, das Interesse der Aachener an diesem Aspekt der Geschichte sei groß. Ein „überraschend reiches Thema“ sei es, bei dem das Museum im Vorfeld förmlich mit Bierdeckeln und Biergläsern überschwemmt worden sei. Allein 147 Zapfhähne aus der Degraa-Brauerei umfasse die Sammlung des Museums inzwischen. Einige davon haben auch den Eingang in die Ausstellung gefunden.

Die 220 Quadratmeter, die im Ausstellungsraum zur Verfügung stehen, haben die Kuratoren Myriam Kroll und Holger Hermannsen gut genutzt. Eine Zeitleiste im Foyer führt in die Jahrtausende alte Kulturgeschichte des Bieres ein, bevor es mit der Aachener Biergeschichte losgeht. Die Ausstellung kann in einem Rundgang angesehen werden, die Themenblöcke lassen sich aber auch unabhängig voneinander erschließen.

Da gibt es zum einen eine Einführung in die Brauereitechnik, in Miniatur ist eine Kesselanlage aufgebaut. Man erfährt etwas über die Ursprünge der ersten Brauereien und über die Rolle der Frauen im Brauereiwesen — Bier war in seinen Ursprüngen wohl ein Zufallsprodukt beim Brotbacken. Thematisch gestaltete Tische bieten Einblicke und Antworten auf Fragen wie den Unterschied zwischen Alt und Kölsch oder der Bierkultur in den Nachbarländern Niederlanden und Belgien.

Ein weiterer großer Themenkomplex lädt zu einer Tour durch Aachens bekannteste und inzwischen zum Teil verschwundene Kneipen ein, die Fassaden wurden liebevoll mit Pappe oder dünnem Holzfurnier originalgetreu hergestellt. Es gibt unter anderem ein Wiedersehen mit „Charlys Leierkasten“ oder dem Malteserkeller. Hier sammelten die Ausstellungsmacher auch Kneipengeschichten der Aachener, die in kurzen Zitaten sichtbar gemacht werden.

Auch Ton- und Bildaufnahmen, unter anderem ein Interview mit dem Wirt Hans Georg Schumacher alias Charly, lassen die alten Zeiten wieder lebendig werden. Dass Alkohol nicht nur positive Seiten hat, verdeutlicht ein weiterer Bereich der Ausstellung. Ein schmaler Flur thematisiert die Auswirkungen der Alkohlabhängigkeit, die Nöte und Ängste der Betroffenen werden hinter verschlossenen Türen dargestellt, ähnlich der gesellschaftlichen Situation, wie Holger Hermannsen erläutert: „Man wollte verbergen und nicht auffallen.“

Über 150 Exponate, von Teilen einer Brauanlage bis hin zum Bierdeckel, sind in der Ausstellung zu sehen, die eine oder andere Kuriosität ist dabei auch zu finden. Die Ausstellung werde noch einmal andere Zielgruppen anziehen als die üblichen Museumsbesucher, ist Frank Pohle überzeugt: „Je näher das Thema an der eigenen Lebensgeschichte dran ist, desto eher ist ein direkter historische Diskurs möglich. Das ist der besondere Wert eines solchen Themas.“