Aachen: Ausstellung „Besatzung statt Bomben“: Bautechnische Spuren des Ersten Weltkriegs

Aachen : Ausstellung „Besatzung statt Bomben“: Bautechnische Spuren des Ersten Weltkriegs

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „100 Jahre Erster Weltkrieg“ des Geschichtsnetzwerkes Euregio Maas-Rhein thematisiert die Ausstellung „Besatzung statt Bomben“ im Haus Löwenstein am Markt 39 noch bis zum 9. November die Auswirkungen des Krieges auf die bauliche Gestalt Aachens.

Das „Aachen-Fenster Raum für Bauen + Kultur“, eine Initiative Aachener Architekten und Ingenieure, Stadt- und Landschaftsplaner und das Aachener Unternehmen Synthese, Visuelle Kommunikation für Architektur und Kultur zeigen, dass Aachen als westliche Großstadt wie kaum eine andere Stadt mit dem Krieg in Berührung kam. „Der Krieg war unendlich wichtig für das Bauen in Aachen“, betonte Diplom-Ingenieur Björn Schötten, Vorstand des Vereins und Inhaber von „Synthese“ bei der Ausstellungseröffnung. „Auf Grund ihrer Lage wurde die städtebauliche Planung ganz für einen Sieg nach dem 1. Weltkrieg ausgerichtet.“

Die unmittelbaren Auswirkungen des verlorenen Krieges und die damit verbundenen Gebietsverluste und die Besatzung veränderten das Bild Aachens nachhaltig und bis heute. Auch große Lazarette, die bereits vor dem Krieg vorhandenen Kasernen, oder der Ausbau der Eisenbahnanlagen (wie das Moresneter Viadukt oder die kürzlich abgerissene Eisenbahnbrücke in Preuswald) bestimmten das Städtebild Aachens nach Kriegsende.

Ein Großteil der in den 20er Jahren entstandenen Wohnungsbau- und Siedlungsprojekte hat ihre unmittelbare Ursache in der extremen Wohnungsnot, ausgelöst durch die großen Flüchtlingsströme sowie die Okkupation vieler Wohnungen durch die belgischen Besatzer. Bedeutend für diese Epoche Aachener Architekturgeschichte ist vor allem die hochkarätige gestalterische Umsetzung, die — ganz anders als nach dem Zweiten Weltkrieg — zu bis heute wegweisenden Bauten und Anlagen geführt hat.

Die Ausstellung dokumentiert anhand von Schautafeln und einem Stadtmodell die historische und aktuelle Stadtentwicklung Aachens. Zudem können die Besucher auch einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Kaiserstadt werfen — auf dem Boden des Ausstellungsraumes wurde eine Luftaufnahme von großen Teilen des Stadtgebietes aufgebracht. Bis zum 9. November ist die Ausstellung dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Am 26. Oktober und 8. November ist Schötten selbst vor Ort.

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