Aachen: Ausstellung: Als aus einem Schüler ein Soldat wurde

Aachen: Ausstellung: Als aus einem Schüler ein Soldat wurde

Er galt als fleißiger und aufmerksamer Schüler, er wollte Priester werden und hatte bereits sein Theologiestudium in Bonn aufgenommen. Doch gut ein Jahr, nachdem Peter Wamich am 30. März 1914 sein Abitur am Kaiser-Karl-Gymnasium (KKG) bestanden hatte, zerfetzte ihn eine Granate an der Front im französischen Somme-Py in der Champagne.

Sein Schicksal haben Schüler des KKG unter der Leitung vom stellvertretenden Schulleiter Jürgen Bertram in der Ausstellung dokumentiert, die jetzt im Eingangsbereich des Gymnasiums zu sehen ist.

Vor 100 Jahren: Schautafeln informierten die Schüler über ihre Schule und ihre Heimatstadt in einer anderen Zeit. Foto: Andreas Steindl

Angeregt hatte das Projekt die Großnichte von Peter Wamich, Birgit Schumacher. Sie stellte Briefe und persönliche Gegenstände für die Ausstellung zur Verfügung. „Die Briefe sind seit 33 Jahren in meinem Besitz und ich habe immer gedacht, dass etwas damit geschehen müsste“, erzählt sie. Sie und Ehemann Frank waren zur Eröffnung der Ausstellung am Dienstag an das KKG gekommen, ebenso wie Vertreter des Zeitungsmuseums. Das Gymnasium plant eine Kooperation mit dem Museum, um weitere Schicksale von Schülern aus dieser Zeit aufzuarbeiten.

In zwei Vorträgen führten Bertram und sein Kollege Thomas Pelnar in das Thema ein. 32 Schautafeln erzählen vom Leben des Peter Wamich, der 1895 als Sohn eines Weinhändlers in Aachen geboren wird. Das Kaiser-Karls-Gymnasium besuchte er ab 1905, in der damaligen Gymnasiumskirche St. Katharina, heute Aula Carolina, feierte er heilige Kommunion und Firmung. Unterricht stand von Montag bis Samstag auf dem Stundenplan, die Schulstunden waren noch 60 Minuten lang. Der Besuch der Messe zweimal die Woche war ebenso verpflichtend wie der Turnunterricht an zwei Nachmittagen. Fächer wie Altgriechisch und Latein spielten eine wesentlich wichtigere Rolle als heute.

Eingebettet wird die Geschichte Wamichs in ergänzenden Tafeln, die die politische Entwicklung bis zum Kriegsausbruch zeigen. Aachen spielte bei der Mobilmachung der deutschen Soldaten eine wichtige Rolle. Von hier aus setzten sich die Truppen in Bewegung, die im August am Überfall auf Lüttich beteiligt waren. Aus heutiger Sicht nahezu unverständlich ist die Begeisterung, mit der ein Großteil der Bevölkerung auf den Kriegsausbruch reagierte. Wie ein „reinigendes Gewitter“ nach der nervenaufreibenden Spannung sei die Nachricht, dass es zum Krieg kommen werde, kommentierte beispielsweise die Tageszeitung „Echo der Gegenwart“.

Diese Euphorie ergriff auch das KKG: Allein 1914 melden sich elf Lehrer und 59 Schüler freiwillig für die Front. Peter Wamich teilte diese Euphorie wohl nicht. In einem Schreiben hoffte er, nicht eingezogen zu werden, weil er an einem starken Husten litt. Im Sommer 1915 wurde er jedoch in das fünfte rheinische Infanterie-Regiment Nr. 65 kommandiert, das bald darauf in die Champagne ausrückte. Von dort kehrte Wamich nie zurück.

Nach Kriegsende waren vier Lehrer und 76 Schüler gefallen, allein aus Wamichs Abitur-Jahrgang waren es zwölf. Ihre Namen finden sich auf fünf Gedenktafeln, die Teil eines Mahnmals bildeten, das die Schule in Gedenken an die Gefallenen bis 1937 aufgestellt hatte. Sie sind erhalten geblieben und Teil der Ausstellung, ebenso wie die Abiturientenmütze von Peter Wamich und die Todesnachricht an seine Familie.

„Peter ist an seine Schule zurückgekehrt“, sagt Birgit Schumacher. Die 16-jährige Lina Ross ist „beeindruckt“ von der Ausstellung. „Es ist spannend, auf diese Weise einen persönlichen Eindruck von einer Person zu bekommen, die an derselben Schule war, mit denselben Zielen, in einer anderen Zeit. Und es ist wichtig, dass daran erinnert wird, was damals passiert ist.“

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