Aachen: „Ausfälle” auch in Aachener Kaserne

Aachen: „Ausfälle” auch in Aachener Kaserne

Kritisch wird in diesen Tagen jeder Schritt der Bundeswehr verfolgt. Verfehlungen von Soldaten haben für Schlagzeilen gesorgt.

Der Aachener Brigadegeneral Walter Jakob Ohm ging auf dem Neujahrsempfang in der Kaserne am Kornelimünsterweg bemerkenswert offen mit diesem Problem um, ging sozusagen in die Offensive.

Auch am Standort Aachen habe es „Ausfälle” und Verfehlungen gegeben, erklärte Ohm, sprach von Einzelfällen. Er sagte aber auch: „Jeder davon ist jedoch einer zuviel.”

Es sind vor allem alkoholhaltige Rituale, die der General anprangerte. Sogenannte Biertaufen etwa. „Wenn ich Respekt für mich als General einfordere, dann verdient auch derjenige Respekt, der sich im Grundwehrdienst befindet, der Gefreite, der Unteroffizier, der Feldwebel und die untergebenen Offiziere”, sagte er und fügte hinzu: „Wir müssen anständig miteinander umgehen.”

Der Neujahrsempfang hatte aber auch seine launigen Seiten. Ohm, dessen Dienstbezeichnung „Kommandeur der technischen Schule des Heeres für Technik und Fachschule des Heeres für Technik” lautet, präsentierte dabei Impressionen aus der täglichen Arbeit, aber auch ungewöhnliche Höhepunkte, wie die „Grundausbildung” für die Fußballprofis der Alemannia. Dabei hatten sich die Zweitligakicker vor der Saison in einem Outdoor-Programm abhärten lassen. Begrüßt hatte Oberst Günter Selbert beim traditionellen Neujahrsempfang wieder mal viele Vertreter aus Politik, Verwaltung, Gesellschaft und Kirche. „Pflege der Beziehungen am Standort Aachen” nennt das die Bundeswehr.

Der Standortälteste hieß außerdem Vertreter der niederländischen Schwesterschule sowie internationale Schulungsteilnehmer willkommen, die derzeit an der Heereslogistik-Schule ausgebildet werden: Militärs aus Mali, Tunesien, Tansania oder Afghanistan profitieren aktuell vor Ort vom Know-how der Bundeswehr. Unter den Gästen war, nicht zum ersten Mal, auch Aachens Dompropst Helmut Poqué: „Der Neujahrsempfang hat Tradition. Es herrscht ein reger Austausch zwischen den Institutionen”. Darauf angesprochen, wie er als Kirchenmann es mit der Armee halte, bemerkt er ernst: „Es gibt hier nicht wenige Männer und Frauen, die Seelsorge nach traumatischen Erlebnissen benötigen”. Schwere Zeiten für die Bundeswehr.

Mehr von Aachener Zeitung