Aachen: Auschwitz: Besondere Schüler besuchen speziellen Ort

Aachen : Auschwitz: Besondere Schüler besuchen speziellen Ort

Spanien, Berlin, Toskana? Nichts von dem erwartete Diana Khalil, Zimka Sulejman und Marcel Paetschka aus der 10d der Heinrich-Heine-Gesamtschule bei ihrer Abschlussfahrt vor wenigen Wochen. Die drei und ihre Mitschüler haben gemeinsam mit Lehrer Leo Gielkens das ehemalige Konzen-trationslager Auschwitz-Birkenau besucht, in dem etwa 1,1 Millionen Menschen — darunter 900.000 Juden — umgebracht wurden.

Ausgrenzung, Verfolgung, Terror und Massenmord — all das symbolisiert der grausame Ort in Polen. Den Gesamtschülern bot sich ein bedrückender Blick in die Vergangenheit. Doch auch heute noch werden Menschen verfolgt, leiden unter Krieg und Gewalt. Menschen, die Diana Khalil sehr am Herzen liegen.

Einige Schüler haben die Abschlussfahrt der 10d der Heinrich-Heine-Gesamtschule fotografisch dokumentiert.

Die syrische Schülerin hat viele Familienmitglieder, die im vom Syrien-Krieg zerstörten Aleppo leben. Immer wieder scheitern die Versuche von Diana und ihren Eltern, sie telefonisch zu erreichen. In solchen Momenten wachsen bei ihr in Aachen die Sorgen über den Verbleib der Lieben in der syrischen Heimat. „Meine Verwandten würden am liebsten in die Türkei flüchten“, erzählt sie. Doch die Grenzen sind dicht. Das Leben in der syrischen Stadt ist lebensgefährlich. „Man sieht dort, wie Menschen unwürdig behandelt, wie Unschuldige erschossen werden“, sagt die 16-Jährige.

So sieht Verfolgung und Mord im 21. Jahrhundert aus. Beim Gang durch das Tor in Auschwitz, über dem in großen Lettern die zynische NS-Parole „Arbeit macht frei“ prangt, wurde den Schülern bewusst, was für ein Schrecken von dem KZ-Lager ausgeht. „Jeder von uns war ruhig, einige hatten Tränen in den Augen.“

Es entsprach nicht meinen Erwartungen, es war noch viel schlimmer. Ich konnte gar nicht nachvollziehen, wie man sowas machen konnte“, berichtet Marcel Paetschka. Wie Zimka Sulejman ist er Sinti und Roma mazedonischer Abstammung, und gehört zu einem Volk, das gleichfalls stark unter dem Nazi-Terror im Dritten Reich gelitten hat.

Die Schüler sprachen vor Ort auch mit einem polnischen Zeitzeugen. Der 88-jährige Jude berichtete den Aachener Jugendlichen, wie er — abgemagert auf gerade mal 39 Kilo — fliehen und so dem Tod entrinnen konnte. Dieses Schicksal und das dokumentierte vieler anderer Opfer aus den Lagern Auschwitz und Birkenau haben die Gesamtschüler zum Nachdenken gebracht.

Auch wenn nicht jeder ganz glücklich damit war, als es im Vorfeld hieß: Die Klassenfahrt geht zu einem Konzentrationslager. Doch nach der Rückkehr bestätigen viele, dass sie eine ganze Menge an (Lebens-)Erfahrung mitgenommen haben von dieser besonderen Fahrt an einen besonderen Ort. Lehrer Gielkens war der Besuch mit den Jugendlichen ein wichtiges Anliegen. Das sei, so der Pädagoge, abseits der Kompetenzvermittlung a la Pisa ein wichtiges Stück „Herzensbildung“.

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