Ausbau der B 258: Der Streit geht weiter

Aachen : Krach um Ausbau der Monschauer Straße ungebremst

Der Streit ist schon so alt, dass darüber mittlerweile Millionen Tonnen Blech ins Land gerollt sind. Und zwar buchstäblich. Seit rund 20 Jahren wird nämlich darüber diskutiert, ob und wie die Monschauer Straße zwischen Autobahn und Himmelsleiter ausgebaut werden kann, soll oder muss.

Insbesondere die Pendler, die täglich mit dem Auto nach Aachen zur Arbeit und abends wieder zurück in die Eifel fahren, wären über einen solchen Ausbau überaus glücklich. Denn morgens und nachmittags zur „Rush Hour“ staut es sich auf der viel befahrenen Bundesstraße 258.

Wirft der Stadt Blockadehaltung vor: Landtagsabgeordneter Stefan Kämmerling (SPD) aus Eschweiler. Foto: Peter Stollenwerk

Dies wiederum insbesondere zwischen Autobahnanschluss Lichtenbusch und Pascalstraße. Die Meinungen, was dort nötig und sinnvoll ist, prallen seit jeher frontal aufeinander — und das ist aktuell nicht anders als wie vor 20 Jahren.

Anfrage im Landtag

Der alte Streit — über dessen gesamte Dauer hinweg noch nicht ein Bagger an der B258 angerückt ist — nimmt gerade wieder Fahrt auf. Einmal mehr drückt nämlich der Sozialdemokrat Stefan Kämmerling aufs Gas. Der Landtagsabgeordnete aus Eschweiler setzt sich seit Jahren für einen — vierspurigen — Ausbau im Sinne der Pendler ein und hatte nun eine „Kleine Anfrage“ an die Landesregierung gestellt, warum es bei dem Thema einmal mehr nicht vorangehe. 2016 hatte er einen runden Tisch einberufen, bei dem auch der zuständige Landesbetrieb „Straßen. NRW“ zugegen war. Im Ergebnis sollte damals eine Vorplanung beginnen, deren Fertigstellung bis 2018 avisiert wurde. Was bisher aber nicht geschehen ist.

Laut Kämmerling hat die Landesregierung geantwortet, dass dies deswegen so sei, weil mit der Stadt Aachen — auf deren Gebiet die Staße liegt — kein Einvernehmen über die Art des Ausbaus habe erzielt werden können. Und so sei der Vorentwurf eben nicht fertiggestellt worden. Kämmerling ist sauer: „Die Antwort der Landesregierung auf meine Anfrage bringt nochmal ganz klar zum Ausdruck, dass der Ausbau der B258 von der Stadt Aachen blockiert wird.“ Dabei sei er überzeugt, dass mit Ausnahme Aachens „sämtliche Parteien in der Städteregion einen mehrspurigen Ausbau wollen und ihn auch nicht behindern“.

2015 hatte indes Straßen.NRW eine grobe Vorplanung in der Bezirksvertretung Kornelimünster vorgstellt. Sie sah einen vierspurigen Ausbau zwischen Autobahn und Pascalstraße inklusive hoher Lärmschutzwände zum Schutz der dortigen Anwohner vor. Zwischen Pascalstraße und Kalkhäuschen sollte es wechselweise dreispurig werden und dann ein kurzes Stück vierspurig.

Auch OB Marcel Philipp, Städteregionsrat Helmut Etschenberg sowie damalige CDU-Mandatsträger in Bund und Land hatten diese Lösung für gut befunden. Aber nicht nur die Grünen, die von jeher gegen den vierspurigen Ausbau sind, hatten seinerzeit zur Gegenattacke geblasen. Auch die CDU-Ratsfraktion ging auf Kollisionskurs zu den Parteifreunden. Auch jetzt hat Fraktionschef Harald Baal eine klare Meinung dazu.

Untersuchungen der Stadt hätten längst zutage gebracht, dass es eines solch aufwendigen Ausbaus inklusive aller Nachteile für die Anwohner nicht bedürfe. Die Stauprobleme könnten mit einer dritten Spur stadteinwärts zwischen Pascalstraße und Autobahn sowie stadtauswärts mit einer lediglich veränderten Ampelschaltung im Bereich Lichtenbusch einfach gelöst werden. Stefan Kämmerling hingegen führt an, dass sich die Verkehrssituation in den kommenden Jahren nochmals erheblich verschärfen werde. Nach Berechnungen von Straßen.NRW sei bis 2025 dort mit 25.000 Fahrzeugen bei einem Schwerlastanteil von zehn Prozent zu rechnen.

Die Stadt ist verwundert über Kämmerlings Kritik. Man warte seit längerem darauf, dass der Landesbetrieb eine Planung vorlege. „Wir können nicht verstehen, warum das so ist. Aus unserer Sicht hätte schon längst mit den machbaren Verbesserungen, über die man einig ist, begonnen werden können. Das wäre für die Südraumpendler sehr bedeutsam. Einigkeit gibt es zum Beispiel über eine zusätzliche Spur stadteinwärts von der Pascalstraße bis zur Oberforstbacher Straße“, so Harald Beckers vom Presseamt. Außerdem habe die Stadt bei der Verdopplung der Schnellbusfahrten in die Eifel „einen wichtigen finanziellen Beitrag“ geleistet.

CDU-Fraktionschef Harald Baal bleibt unterdessen entschlossen, keinen „Großausbau“ zu akzeptieren: „Straßen.NRW ist bockig und hat sich bis heute die städtischen Vorschläge nicht einmal richtig angeschaut. Wenn man dort auf dem Standpunkt steht, dass es entweder eine große Lösung oder keine gibt, dann gibt es eben keine.“ Und: „Wir sollen vier Fahrbahnen durch Schutzgebiete ziehen, und jenseits der Himmelsleiter in Roetgen kommen dann Tempo 30 und Blumenkübel in der Fahrbahn. Das kann es ja wohl nicht sein.“

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