Aachen: Aus für Vegla-Glashaus im Frankenberger Viertel: Bagger können anrücken

Aachen : Aus für Vegla-Glashaus im Frankenberger Viertel: Bagger können anrücken

Im Glashaus sitzt kaum noch jemand, und deshalb können bald — nein, nicht die Steine fliegen, aber die Abrissbagger anrücken. Dem ehemaligen Vegla-Gebäude im Frankenberger Viertel geht es an den Kragen. Das ungewöhnliche Bauwerk aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit der charakteristischen grünen Glasfassade, das einst Stammsitz der Glashersteller Vegla und Saint Gobain war, soll Wohnungen, Geschäften und Büroraum weichen.

Dafür haben jetzt die Politik einerseits sowie die Verwaltung und der Investor andererseits die entscheidenden Weichen gestellt.

Im Rückspiegel: Die markante Glasfassade des ehemaligen Vegla-Hauses im Frankenberger Viertel ist bald Geschichte. Foto: Michael Jaspers

Denn kurz bevor die Politik im Planungsausschuss zusammenkam, um grünes Licht für den Bebauungsplan für das rund 9200 Quadratmeter große Areal an der Ecke Bismarckstraße/Viktoriaallee zu geben, wurde auch der städtebauliche Vertrag für das große Bauvorhaben in bester Wohnlage unterzeichnet.

Und das Ergebnis, das die Verwaltung mit dem Investor — einer Tochtergesellschaft der Aachener „Nesseler Projektidee“ — ausgehandelt und in diesem Papier fixiert hat, stieß unter den Politikern auf große Zustimmung. Denn: Wie mittlerweile bei vielen Wohnungsbauprojekten üblich, hat die Stadt auch in dieser begehrten Wohnlage dem Bauherrn das Zugeständnis abgerungen, eine Quote von 30 Prozent sozialem Wohnungsbau zu erfüllen.

Insgesamt plant der Investor den Bau von rund „generationsübergreifenden“ 200 Wohnungen im Frankenberger Viertel. 100 davon sollen Studentenappartments werden, die anderen 100 sowohl für junge Familien mit Kindern als auch für Senioren geeignet sein. Im Erdgeschoss des Neubaus sind große Flächen für Einzelhandel, voraussichtlich einen Supermarkt, vorgesehen.

Außerdem wird es Platz für Gewerbe, beispielsweise für Arztpraxen und Kanzleien geben. Und auch eine Kindertagesstätte sehen die Pläne des Düsseldorfer Architekturbüros Hentrich-Petschnigg und Partner (HPP) vor. Platz fürs Blech gibt es auch. Eine Tiefgarage soll rund 150 Stellplätze bieten, weitere Parkmöglichkeiten sollen im Innenbereich entstehen.

Nachdem er die markante Immobilie vor gut zwei Jahren gekauft hatte, hatte Hubertus Nesseler, geschäftsführender Gesellschafter der „Nesseler Projektidee“, zunächst noch offen gelassen, ob das Glashaus nicht vielleicht doch stehen bleibt. Doch dann stellte sich heraus, dass ein Gebäude mit solch riesigen Büroflächen an diesem Standort nicht mehr zeitgemäß ist.

Deshalb setzt man nun auf Wohnungsbau — und vorher auf den Abriss des riesigen Gebäudes, das 1978 fertiggestellt worden war. Bis zum Ende dieses Jahres, so die Pläne, sollen die Abrissbagger ganze Arbeit geleistet haben. Der danach entstehende Neubau soll sich harmonisch in sein Umfeld einpassen, indem zur Viktoriaallee und zur Bismarckstraße hin eine sogenannte Blockrandbebauung entsteht.

Auch was die Höhe angeht, soll sich der Baukomplex an der Nachbarschaft orientiert. Geplant sind sechs Geschosse, wobei das oberste als Staffelgeschoss etwas in den Hintergrund tritt, wodurch — wie es in der Verwaltungsvorlage heißt — „die Gebäude vom Straßenraum als fünfgeschossig wahrgenommen“ werden.

Nur die Linke stimmt dagegen

Dem Linken-Ratsherrn Marc Beus ist dies dennoch zu viel, weswegen er im Ausschuss als einziger gegen das Projekt stimmte — obgleich die Geschosshöhe nicht nur ein Entgegenkommen gegenüber einem an Profit orientierten Investor darstellt. Denn auch die Verwaltung weist darauf hin, dass es nicht sinnvoll wäre, auf eine Etage zu verzichten — ganz einfach, weil der angespannte Wohnungsmarkt dringend Wohnungen braucht.