Aachen: Aus für Kinderkulturprogramm in der Barockfabrik

Aachen : Aus für Kinderkulturprogramm in der Barockfabrik

Nach jahrelangen Gerüchten um die Nutzung der Barockfabrik besteht nun Gewissheit: Mit dem Kinderkulturangebot ist zum 30. Juni Schluss. Das bestätigte Olaf Müller, Leiter des Kulturbetriebs, am Dienstag auf AZ-Anfrage.

Zuvor hatte die Barockfabrik auf ihrer Internetseite das Ende des Kinderkulturbetriebs in den Räumen am Löhergraben angekündigt. Eine offizielle Mitteilung der Stadt gibt es dazu bislang nicht.

Damit setzt die Stadt einen Beschluss des Kulturausschusses um, der bereits im Februar 2013 gefasst worden war. Damals hatte die schwarz-grüne Mehrheit — gegen die Stimmen von SPD, FDP und Linken — die Verwaltung damit beauftragt, ein neues Konzept für Kinder- und Jugendkultur zu prüfen und das Angebot dezentral in andere Häuser auszulagern.

Begründet wurde dies unter anderem damit, dass die alten Fabrikräume für die Kulturarbeit mit Kindern ungeeignet seien. Ausweichmöglichkeiten bestehen laut Müller in Aachen genug: zum Beispiel im Internationalen Zeitungsmuseum, in der Nadelfabrik, im Centre Charlemagne, im Grashaus und im Depot Talstraße.

Aufgrund der knappen Personalsituation mit gerade mal anderthalb Stellen sei das Angebot für Kinder und Jugendliche in der Barockfabrik in der Vergangenheit ohnehin schon „eingeschränkt“ gewesen, sagte Kulturdezernentin Susanne Schwier. „Sobald eine Person krankheitsbedingt ausfiel, konnten die Angebote nicht betreut werden.“ Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, versicherte Schwier. Den beiden Mitarbeitern sei selbstverständlich auch über den 30. Juni hinaus eine Tätigkeit im Kunst- und Kulturbetrieb der Stadt angeboten worden — nur eben an anderer Wirkungsstätte.

Nicht von der Änderungen betroffen seien Veranstaltungen im Roten Saal, teilte Susanne Schwier mit. Somit werde die Puppenbühne des Öcher Schängche auch weiterhin mit Mundart-Theaterstücken in die Barockfabrik locken. Auch die Kinderliteraturtage und andere Theateraufführungen sollen weiter im Roten Saal stattfinden. Wie die Räume der Barockfabrik darüber hinaus ab Juli genutzt werden, konnte seitens der Stadt hingegen nicht beantwortet werden. „Die Gesamtsituation des Gebäudes ist noch offen“, sagte Olaf Müller auf Anfrage.

Konkrete Auskünfte über die Zukunft der Barockfabrik erwartet hingegen die Linke. Sie stellte am Dienstag einen Antrag an die Vorsitzende des Kulturausschusses, Margrethe Schmeer, einen entsprechenden Bericht auf die Tagesordnung der Sitzung am 22. Juni zu setzen. „Auf der Website der Barockfabrik mussten wir erfahren, dass das Kinderkulturangebot zum 30. Juni 2017 in den entsprechenden Räumlichkeiten beendet ist“, heißt es in der Begründung der Linken. Nun wolle man erfahren, wie es mit der Kinderkulturarbeit in Aachen, den Mitarbeitern und dem Gebäude weitergehen soll.

In einer Stellungnahme zeigte sich die Fraktion über das Aus des Kinderkulturbetriebs in der Barockfabrik entsetzt. Trotz „mehrfacher Nachfrage“ sei die Fraktion im Kulturausschuss nicht über die Absicht, den Kinderkulturbetrieb zum 30. Juni in der Barockfabrik zu schließen, informiert worden. „Dass jetzt ohne Ankündigung Nägel mit Köpfen gemacht werden sollen, erbost uns schon sehr“, sagte Ellen Begolli, Geschäftsführerin der Linke-Fraktion in Aachen, am Dienstag.

Kulturdezernentin Susanne Schwier schwächt diese Darstellung jedoch ab. Im nicht-öffentlichen Teil des Kulturausschusses sei über Pläne, den Kinderkulturbetrieb in der Barockfabrik einzustellen, informiert worden.