Aachen: Aus der Börse am besten direkt in den Job

Aachen : Aus der Börse am besten direkt in den Job

Jenny Plum weiß genau, was sie will: „Ich möchte meinen Realschulabschluss machen, dann mein Fachabi und dann eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten machen.“ Die 15-Jährige hat in dem Bereich auch schon Erfahrungen gesammelt. Einmal hat sie ein Praktikum bei der Stadt Würselen gemacht, ein anderes Mal war sie in der Verwaltung bei Galeria Kaufhof.

Worauf ihr Zukünftiger Arbeitgeber achten müsste: Sie braucht Platz und die Wege müssen barrierefrei sein, denn Jenny Plum benutzt einen Rollstuhl. Auf einem Job-Speed-Dating in ihrer Schule, der Viktor-Frankl-Schule, Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung, schaut sie sich nach dem passenden Unternehmen um.

Ein bisschen aufgeregt

Das tun auch Rebekka Pauls (16) und Noah Bein (15). Drei Unternehmen hat sich Noah auf seine Liste gesetzt, zwei davon haben etwas mit Holz zu tun: „Das möchte ich am liebsten machen, später in den Handwerks- oder Kunsthandwerksbereich gehen“, erzählt er. Ein bisschen aufgeregt ist er vor dem Gespräch, aber er hat sich vorbereitet, auch ein paarmal ein Bewerbungsgespräch geübt. Rebekka schaut sich einmal breit um, obwohl sie schon sicher weiß, dass sie später in die Altenpflege möchte: „Das war immer mein Traum.“

Zum zweiten Mal richtet die Viktor-Frankl-Schule ein solches Job-Speed-Dating aus. Auch Schüler von anderen Förderschulen der Region sind dafür hierher gekommen. Insgesamt stellen sich 70 bis 90 Schülerinnen und Schüler bei rund zehn Unternehmen vor. Die Jobbörse ist Teil des landesweiten Programms „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAOA).

Darin eingebunden ist das sogenannte STAR-Programm (Schule trifft Arbeitswelt), bei dem die Landschaftsverbände Rheinland (auch der Träger der Viktor-Frankl-Schule) und Westfalen-Lippe mit der Agentur für Arbeit und den Landesministerien für Schule und Bildung sowie für Arbeit, Gesundheit und Soziales miteinander kooperieren. Ziel des Projektes ist es, alle Jugendliche möglichst nahtlos von der Schule in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Dafür setzt man früh in dem Programm an. Ab der 8. Klasse beginnen die Angebote, die unter anderem Potenzialanalyse, Berufswahlorientierung und Praktika beinhalten. „Die Wirtschaft ist aufmerksam auf die Zielgruppe junger Menschen mit Behinderung geworden“, weiß Angela Gouders vom Integrationsfachdienst Aachen-Heinsberg.

Viele Unternehmen wollen verstärkt die Richtlinien zur Inklusion umsetzen, betont auch Helmut Gerosa, Großkundenberater in der Region West bei der Bundesagentur für Arbeit. „Wir bekommen von unseren Kunden auch immer wieder gespiegelt, dass sich die Jugendlichen der Förderschulen gut vorbereitet haben und das sehr ernst nehmen.“

Positive Erfahrungen hat man auch bei „Dinea“, dem Restaurant von „Galeria Kaufhof“, mit Praktikanten mit Behinderung gemacht. „In Siegen, Kassel und Köln haben wir solche Stellen bereits eingerichtet“, erzählt Natalie Ließ. Für die besonderen Anforderungen suche man Standorte, die einen Einsatz zulassen. Außerdem werden die Praktikanten begleitet.

Die Kurzbewerbungen sind ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Praktikum oder gar zu einem Ausbildungsplatz. Doch setze man die Zahl der Schüler und Unternehmen in Relation zu Jobbörsen wie ZAB mit rund 100 Unternehmen und einigen Hundert Schülern, seien die zwei bis drei Stellen, die sich hier am Ende ergäben, ein großer Erfolg, rechnet Helmut Gerosa.

Früher viel Frust erlebt

Und ein nachhaltiger. Schulleiterin Beate Jahn erzählt, wie sie an der Viktor-Frankl-Schule begann und den Frust einiger ehemaliger Schüler erlebte, die nach ihrem Abschluss keine Ausbildung gefunden hatten, trotz gutem Realschulabschluss. Projekte wie „Kaoastar“ helfen Arbeitgebern wie Schülern, sich gegenseitig kennenzulernen und die Potenziale zu erkennen, die die Schüler mitbringen.

Gerne erzählt sie von einem ehemaligen Schüler, der über die Jobbörse ein Praktikum bei einem Möbelhersteller bekommen hatte. Jetzt macht er dort eine Ausbildung und führt bei der Jobbörse auf der Arbeitgeberseite die Bewerbungsgespräche mit zahlreichen Schülern.

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