Aachen: Aufschlag in Istanbul: Volleyballerinnen als Botschafterinnen

Aachen: Aufschlag in Istanbul: Volleyballerinnen als Botschafterinnen

Einziges Problem dürfte das limitierte Höchstgewicht fürs Gepäck werden. Denn in der Tat müssen die Volleyball-Damen von Alemannia Aachen das Rundumpaket an Kleidung einpacken: Anzüge fürs Training, Trikots für die Spiele und die Gala für den offiziellen Part.

Es ist keine alltägliche Reise, die das Team des Erstligisten seit Donnerstagmorgen unternimmt, im ständigen Wechsel zwischen Hallenboden und diplomatischem Parkett. Von der Hüls nach Istanbul-Sariyer führt der siebentägige Türkei-Trip in Sporthallen, auf Basare und Straßen, in Moscheen, zu Kulturdenkmälern und nicht zuletzt in die Rathäuser Istanbuls.

In gewisser Weise dokumentiert die Reise den gestiegenen Stellenwert der Volleyball-Damen. Denn in der Türkei folgt die Sportart hinter Fußball auf Platz 2. Und da passte es wie Aufschlag und Ass, dass der Kontakt zum Gastgeber Sariyer Belediyesispor in einen konkreten Besuch mündete. Für die Spielerinnen um Trainer Stefan Falter stellt die Reise mit Trainingseinheiten und drei Turnierspielen die vorletzte Standortbestimmung dar, bevor es zu einem Turnier in Dresden und dann am 20. Oktober gegen Hamburg um Bundesliga-Punkte geht.

Erstmal aber Istanbul. Die Stadt der Basare, der Hagia Sophia und und der Gastfreundschaft. Auf das alles freuen sich die Sportlerinnen. „Die Spannung ist riesengroß - die Freude noch größer”, hat Mittelblockerin Anke Borowikow kurz vor der Abreise noch erzählt. Man merkt ihr an, dass die aktuelle Reise eine besondere Qualität hat. Am Freitag geht es gegen die bulgarische Mannschaft Kazanlak, am Samstag gegen Thessaloniki und am Sonntag gegen Gastgeber Sariyer Belediyesispor. Dann wird noch trainiert, vor allem aber die Stadt erkundet. Bereits im Vorfeld bekamen die Damen einen Beweis der türkischen Gastfreundschaft. Es wurde ein Besuchsprogramm erarbeitet, und die Kosten wurden von Belediyesispor und Mäzenen übernommen. Sonst bliebe die Reise schlicht ein unerfüllter Traum.

Auf Anke Borowikow kommt eine besondere Rolle zu. Mit Koordinator Reinhard Strauch ist sie am Tag der Deutschen Einheit ins Generalkonsulat eingeladen. Bereits Sonntag ist die ganze Mannschaft Gast des Bürgermeisters von Sariyer, einem Stadtteil Istanbuls mit immerhin 400 000 Einwohnern. Die offiziellen Termine beleuchten den außerordentlichen und politischen Stellenwert der Reise.

Schließlich ist erst vor wenigen Tagen eine Aachener Delegation aus Wirtschaft und Verwaltung aus Sariyer zurückgekehrt, der es um die Vertiefung von Geschäftskontakten ging und gemeinsame Projekte ging. Dem fügen die Volleyballerinnen einen menschlichen Baustein hinzu. Denn natürlich geht es der Mannschaft darum, Stadt und Menschen kennen zu lernen. In der Sporthalle genauso wie bei den Exkursionen, Besichtigungen, Empfängen und Essen. Und angesichts der Shopping-Perspektiven in der Stadt könnten mancher Einkaufsbummel zur ungewollten Konditionseinheit avancieren.

„Wir stehen vor einer großen Überraschungskiste”, kleiden Trainer und Spielerin ihre Erwartung in Worte. Die elf Spielerinnen aus neun Ländern lassen sich mit Freuden darauf ein. „Wir sind im Ganzen eher von der lebhaften Sorte”, schmunzelt Anke Borowikow. „Jede Spielerin soll jeden Tag einen türkischen Satz lernen - und auch im Alltag anwenden. Lustige Missverständnisse inklusive”, verspricht die 25-jährige Blondine.

Die Leute in ihrer Landessprache zu begrüßen, sei selbstverständlich. „Wir sind uns der Dimension unserer Reise bewusst”, sagt Stefan Falter dann ganz ernst. Er weiß, dass es auch um die Interessen der Stadt Aachen geht, um kulturelle, politische und zwischenmenschliche Belange.

Doch auch das lässt ihn ganz gelassen bleiben. Irgendwann, so spekuliert er dann wieder ganz als Trainer, irgendwann könne man ja vielleicht dann in Aachen die erste türkische Spielerin im schwarz-gelben Trikot begrüßen. Dann auf Deutsch und auf Türkisch. In sportlicher wie städtepartnerschaftlicher Beziehung.