Aufführung von "Momentum" in der Kammer des Theaters Aachen

Neue Inszenierung im Theater Aachen : Politiker und ihr schweres Amt

Ebba stärkt ihrem Mann stets den Rücken, aber der ist dann schließlich so ausgelaugt, dass er den schwierigen Herausforderungen, die die Politik an ihn stellt, nicht mehr gewachsen ist.

Meinrad Hofman, erfolgreicher Politiker auf höchster Ebene, gerät ins Straucheln und braucht einmal mehr die Unterstützung vor allem auch seiner Frau. Doch die kommt schließlich auf den Gedanken, die gemeinsamen politischen Visionen selbstständig zu verwirklichen. Würde auch ihr Mann sie dabei unterstützen? „Momentum“ von der niederländischen Autorin Lot Vekemans plädiert für einen grundlegenden politischen Wandel und nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise, bei der zunächst nicht so ganz klar ist, in welche Richtung sie geht. Die Premiere des Stücks „Momentum“ ist am Freitag, 11. Januar, um 20 Uhr in der Kammer, Theater Aachen.

Soll Meinrad Hofmann seine Depressionen und die Einnahme von Antidepressiva, Tranquilizer und Aufputschmittel öffentlich eingestehen und seinen Rücktritt bekanntgeben? „Keineswegs“, meinen sein persönlicher Berater und auch seine Frau. Beide versuchen mit allen Mitteln, die Fassade aufrecht zu erhalten. Doch dann meldet sich ganz ungefragt Ebbas ungeborenes Kind (Duk) zu Wort und zwingt sie, ihre Vergangenheit immer wieder neu zu betrachten. „Hättest du mich geliebt, wenn ich geboren worden wäre?“, fragt das ungeborene Kind und bringt genau die Dinge zur Sprache, die so gern unausgesprochen bleiben. „Warum hast du mich verschwiegen“, will es wissen.

Ungeborener Quälgeist

„Das ungeborene Kind ist ein Quälgeist, der als neutrale Figur immer wieder Fragen stellt und damit auch die Struktur des Stückes auflöst“, sagt Dramaturgin Vivica Bocks. Und das „ungeborene Kind“ kommuniziert auch mit dem Publikum. Laut Regisseurin Jenke Nordalm steht es als Figur außerhalb von Zeit und Raum und die Kostümierung entspreche diesem Gedanken. Mehr verrät sie nicht.

Sie hat nun zum zweiten Mal ein Stück der niederländischen Autorin Lot Vekemans ausgewählt, um es auf die Bühne zu bringen. „Mich fasziniert vor allem ihre Sprache“, sagt Nordalm. Die sei reich, schön und ein Geschenk für jeden Schauspieler. Das Stück an sich begreifen die beiden Theaterfrauen als „Psychodrama, das sich ganz langsam entspinnt“. Die Figuren werden dabei gleichsam entblättert und in ihrem eigentlichen Wesen gezeigt. Und immer wieder steht die Frage im Mittelpunkt, wie lange man eine Fassade aufrechterhalten kann.

Ebba Hofman jedenfalls traut sich das hohe Amt zu und steht bereit: Würde ihr Ehemann sie unterstützen, so wie sie ihn all die Jahre unterstützt hat? Darauf gibt es laut Jenke Nordalm keine klare Antwort. Insgesamt fünf Figuren bestreiten das Stück. Es ist eine Stunde und 40 Minuten lang und wird ohne Pause gespielt.

Das Ensemble

Auf der Bühne stehen Jonas Eckert als Meinrad Hofman, Stefanie Rösner als Ebba Hofman, Thorsten Borm als Dieter Seeger, Hofmans engster Berater und „Spin Doctor“, und Tommy Wiesner als junger Dichter Ekram Lindner. Das ungeborene Kind (Duk) wird von Elisabeth Ebeling gespielt.

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