Eiffelturm in Aachen: Aufbau zum CHIO mit gigantischen Dimensionen

Eiffelturm in Aachen : Aufbau zum CHIO mit gigantischen Dimensionen

Der Eiffelturm stammt aus Viersen. Jetzt ragt er auf dem Reitturniergelände in der Aachener Soers empor. Nicht ganz 324 Meter hoch wie das Original in Paris, aber immerhin mit 13 Metern einen halben Meter höher als der imposante Richterturm des Springstadions.

Ulrich Fischer und sein bis zu 70-köpfiges Aufbauteam machen das Gelände des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) seit Wochen „turnierfein“, wie er sagt. Am 14. Juli ist Soerser Sonntag. Dann schnuppern zehntausende Reitsportfans erste CHIO-Luft. Bis zum darauffolgenden Sonntag, 21. Juli, werden wieder über 360.000 Besucher erwartet. 100.000 Menschen mehr als Aachen Einwohner zählt. Und für alle wird vieles selbstverständlich wie immer aussehen – mal abgesehen von dem Eiffelturm, der neben dem Stadion erstmals das diesjährige Partnerland Frankreich symbolisiert.

Dabei reicht die Dimension der Aufbauarbeiten an den Umzug einer Kleinstadt heran. 158 Sattelzüge karren tausende Tonnen Material auf das Gelände. Quadratkilometer Holzboden, 46.000 Teller und Schüsseln, 21 Tonnen Würfeleis und vieles mehr. „Alles muss angeliefert werden“, sagt Fischer. Überall wird geschraubt, gehämmert, geschreinert und gehisst. Zum Beispiel die Nationalflaggen auf jedem einzelnen der 220 eigens aufgebauten Zelte des CHIO-Village, der weißen Shoppinglandschaft. Inklusive VIP-Bereich, dem zweistöckigen „Champions Circle“, verbauen die Arbeiter 22.500 Quadratmeter Zeltplanen.

Herausragend unter tausenden Tonnen Ausrüstung: CHIO-Aufbauchef Ulrich Fischer errichtet auf dem Reitturnierareal einen Eiffelturm. Foto: ZVA/Harald Krömer

Darun­ter könnte man drei ausgewachsene Fußballfelder unterbringen. Beim CHIO ist eben alles etwas größer. Die Planen würden reichen, um den kompletten Rasenplatz zu bedecken, den in wenigen Tagen Ludger Beerbaum, Marcus Ehning & Co. in Beschlag nehmen. Der wird vor Fischers Augen mittels Riesenrasenmäher gerade auf drei Zentimeter Grashalmlänge getrimmt. „Vieles muss jetzt parallel über die Bühne gehen, wir holen Zeit auf, die wir durch die extreme Hitze verloren haben“, erklärt er. Bei fast 40 Grad Celsius im Schatten und noch ein paar Grad mehr in der prallen Sonne konnte das gewohnte Arbeitstempo kaum gehalten werden. Kaum zu glauben: „Regen wäre uns da lieber gewesen. Dann sehen wir zumindest direkt, ob noch undichte Stellen in Zeltplanen zu flicken sind“, lächelt Fischer. Und dirigiert den nächsten Gabelstapler ums Eck. Den Paddock, eine eingezäunte Koppel für französische Pferde, will er heute noch neben dem stählernen Eiffelturm fertigstellen. „Die Franzosen haben sich einiges einfallen lassen, was sie in der Turnierwoche entlang einer speziellen ,Rue France’ präsentieren möchten“, erklärt der Aufbauchef.

Turnierdirektor Frank Kemperman blickt derweil schon voraus. 340 aktive Reiter aus 30 Nationen, 594 Turnierpferde und 392 Show­pferde reisen an. Es geht um große Ehren; aber eben auch um die Gesamtdotierung, 2,7 Millionen Euro streichen die bestplatzierten Reitsportler ein. „Dabei freuen wir uns aber nicht nur auf die klassischen Höhepunkte der Turnierwoche wie den Nationenpreis oder den Großen Preis am Finalsonntag“, sagt Kemperman.

Besondere Freude bereiten ihm mitreißend stimmungsvolle Prüfungen, die aus dem 40.000 Menschen fassenden Hauptstadion einen extralauten Hexenkessel machen. „Die gelöste, oft enthusiastische Teilnahme unseres Publikums an den Prüfungen, auch abends bei Flutlicht, ist absolut einzigartig. Das ist große Show und Spitzensport par excellence“, strahlt der Turnierchef. Selbstredend drückt er dieses Jahr den Franzosen besonders die Daumen – schon als galanter Gastgeber für die Grande Nation. Was
übrigens sehr passend ist: CHIO ist eine französische Abkürzung und steht für Concours Hippique International Officiel; auch wenn der
Aachener schlicht liebevoll vom Tschio spricht.

Der Grund für „La Tour Eiffel“ aus Viersen ist indes typisch deutsch. Zwar hätten die Franzosen auch ein stattliches Exemplar importieren können. Doch zum Aufbau des tonnenschweren Exemplars braucht man eine deutsche Statikprüfung. So will es hiesiges Baurecht. Auch das gilt als herausragend.