Aachen: Auf nostalgischer London-Tour mitten in der Filmstadt Aachen

Aachen: Auf nostalgischer London-Tour mitten in der Filmstadt Aachen

Im Schatten des Marschiertors ist quasi Bewohnerparken der anderen Art angesagt. Fürs alltägliche Blech Öcher Bauart ist die obere Franzstraße am Montag tabu. Stattdessen glitzern dort ein paar gediegene britische Oldtimer um die Wette, darunter ein pechschwarzes Original-Taxi aus London. Geschäftige Gentlemen mit Hüten und langen Mänteln eilen herbei und eine Dame mit einem Kinderwagen aus Uromas Tagen.

Denn die britische Metropole liegt einmal mehr mitten in Aachen, und wir schreiben das Jahr 1955 — besser gesagt: nicht wir, sondern die Drehbuchautoren des brandneuen Kino-Coups „Saphirblau“. Bis Donnerstag setzt ein etwa 80-köpfiges Team rund um den Hauptbahnhof nämlich den zweiten Teil der erfolgreichen Roman-Trilogie „Liebe geht durch alle Zeiten“ von Kerstin Gier in Szene.

Das Fantasy-Spektakel erzählt von den buchstäblich epochalen Abenteuern einer obskuren englischen Sippe; die junge Heldin Gwendolyn, gespielt von Maria Ehrich, ist eine von wenigen Familienmitgliedern, die durch ein spezielles Gen in die Lage versetzt werden, durch die Zeit zu reisen. Diesmal hat es sie mitten ins 20. Jahrhundert verschlagen, in einem Café trifft sie ihren Großvater. Der (noch) junge Mann hat sich dort zum Rendezvous mit Gwendolyns (potenzieller) Oma verabredet - wenn das mal gut geht...

Jedenfalls hat Gwendolyn ihre liebe Mühe, mit ihrem charmanten Begleiter Gideon (Jannis Niewöhner) einer Blutspur anderer Art zu folgen: Die beiden fahnden nach einer seltsamen Zeitmaschine, die nur mit dem Lebenssaft der Eingeweihten funktioniert.

Ob sie ausgerechnet in Aachen fündig werden, bleibt in der Hektik der Dreharbeiten freilich offen. Mit tatkräftiger Unterstützung durch Harald Beckers vom Presseamt hat Regisseur Felix Fuchssteiner indessen immerhin knapp 50 Statisten aus der Region engagieren und im Stil der Fünfziger ausstaffieren können, damit die Straßenszenen authentisch herüberkommen. Selbstverständlich sind auch Schilder und das eine oder andere Geschäft im Umfeld entsprechend „präpariert“. Ebenso wie das „Café Franz“, welches das zentrale „Set“ beherbergt — Achtung Aufnahme: Zutritt für neugierige Presseleute aus dem 21. Jahrhundert daher nicht möglich.

Also schwärmt Szenenbildner Ralf Schreck vor der Tür vom Fünfziger-Jahre-Flair der kleinen Kaffeestube im Haus des Deutschen Ostens. Kerstin, Anja und Jennifer kredenzen derweil ebenfalls Kuchen, ebenfalls auf der Straße, selbstgebacken, versteht sich, mit besten Grüßen von den Fans. Und schaffen es, ein paar Worte mit Hauptdarstellerin Maria Ehrich zu wechseln, die gerade vorbei spurtet.

Von der Filmstadt Aachen wird die 20-Jährige wohl kaum mehr zu sehen kriegen als das Marschiertor nebst „Londoner“ Nachbarschaft. Macht nix: Zumindest den Dom kennt sie ja bereits. Vor rund anderthalb Jahren wurde der erste Teil der sogenannten Edelstein-Trilogie, „Rubinrot“, unter anderem auch mit Veronica Ferres im Schatten des Münsters gedreht. Bis Donnerstag ist das Filmteam diesmal im Bereich Wall- und Franzstraße unterwegs, in der Zollernstraße wird von Mittwoch bis Samstag gedreht, am Samstag wird das „Set“ zudem in der Borngasse aufgebaut.

Anschließend bringen Fuchssteiner und Co. diverse Szenen in Kornelimünster vor die Kameras. Und wenn der Zeitplan der Produzenten auch ohne Blutspenden der „Edelstein“-Stars funktioniert, soll der mit rund 5,5 Millionen Euro veranschlagte zweite Streich der turbulenten Leinwand-Stafette ab 7. August die Kinos erobern.

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