Aachen: Auf geht‘s: Laufend ein Zeichen setzen

Aachen: Auf geht‘s: Laufend ein Zeichen setzen

Es ist ein Mammutprojekt. Ein Lauf, der in Sarajevo startet, über die Alpen geht und in Aachen endet. Der Friedenslauf „Flame for Peace“, der vom Friedenstheaterprojekt „Bina Mira — Bühne des Friedens“ des Aachener Netzwerks für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit organisiert wird, ist aber weitaus mehr als ein sportliches Ereignis.

Es geht darum, ein Zeichen für den Frieden in Europa zu setzen. Die Zivilgesellschaft soll gestärkt und die interkulturelle Kompetenz von jungen Menschen gefördert werden. Dabei sind sowohl der Start- und Zieltermin als auch der Streckenverlauf nicht willkürlich gewählt. Der Startschuss erfolgt genau 100 Jahre nach der Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien und am Zieltermin, dem 21. September 2014, feiert die UNO den Weltfriedenstag. Das Entzünden der Friedensflamme beim Start in Sarajevo soll ein deutliches Zeichen des Friedenswillens sein, der die Jugend Europas verbindet. Dabei geht die rund 3000 Kilometer lange Strecke quer durch Europa. Der Start Richtung Osten führt die Läuferinnen und Läufer von Bosnien und Herzegowina nach Serbien und verbindet damit ehemalige Kriegsgegner. Gerade dort soll der Friedenslauf ein Zeichen setzen.

Schreckliches gesehen

„Ich war im Krieg in den 90er Jahren selber mehrmals vor Ort und habe Schreckliches mitansehen müssen. Dieser außergewöhnliche Lauf soll Frieden stiften, die Jugendlichen verbinden und ein Zeichen setzen“, beschreibt Heinz Jussen, erster Vorsitzender und Projektleiter von Bina Mira. Der Friedenslauf mündet nach fast zwei Monaten nahtlos in einem europäischen Friedenstheaterfestival, das bis zum 25. Juli 2014 in Aachen stattfindet. Beim Lauf wird ein Kern von rund 25 Männern und Frauen auf der gesamten Strecke abwechselnd in Staffeln unterwegs sein. „Vor jeder Stadt sollen uns aber Sportvereine, Schule und weitere Jogger in Empfang nehmen und in die Stadt begleiten“, so Jussen.

Kroatin und Serbin

Am Friedenslauf „Flame for Peace“ sind auch ein Bosnier, eine Kroatin und eine Serbin beteiligt — in produktiver und friedlicher Eintracht. „Wir verstehen uns alle sehr gut. Das hat mit der Nationalität nichts zu tun. Aber das verstehen leider einige wenige noch immer nicht“, sagt Mujo Kohlu.

Der Sportlehrer fühle sich geehrt, an der Organisation des Laufes und damit auch aktiv an der Friedensarbeit beteiligt zu sein. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal bei der Organisation eines Laufes von Sarajevo bis Aachen beteiligt wäre. Das ist großartig“, fügt der Bosnier hinzu. Seine Kollegin aus Kroatien, Giana Haass, freut sich ebenfalls auf den Lauf: „Ich glaube an eine friedliche Zukunft und möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass dieser Traum Wirklichkeit wird. ‚Flame for Peace‘ soll zur Versöhnung zwischen den Völkern beitragen.“

Die 15-köpfige Gruppe um Heinz Jussen hat sich viel vorgenommen. „Wir benötigen für die Planung, Organisation und Durchführung des Friedenslaufs dringend Helferinnen und Helfer sowie Sponsoren. Auch aktive Läufer, die uns über die ganze Strecke oder nur Etappenweise begleiten wollen sind gerne gesehen“, sagt Jussen. Damit die Friedensfackel durch Europa bis nach Aachen getragen und ein eindrucksvolles Zeichen gegen Krieg und Gewalt gesetzt wird.

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