Aachen: Auf der Suche nach jeckem Nachwuchs

Aachen: Auf der Suche nach jeckem Nachwuchs

Um das Brauchtum des Aachener Karnevals zu fördern und neue Talente zu entdecken, regte der AKV vor gut zweieinhalb Jahren an, in Zusammenarbeit mit anderen Karnevalsvereinen Workshops zur Jugendförderung einzurichten. Ziel war es, Büttenredner- und Musikernachwuchs auszubilden. Im Dezember 2010 schlossen sich AAK, AKV, Prinzengarde, Stadtgarde Oecher Penn, Stadtwache Oecher Börjerwehr sowie Rathausgarde Öcher Duemjroefe zusammen und gründeten das Carnevals College.

Wenig später kamen auch die Regio Aachen und die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens hinzu. Zwei Absolventen haben bereits die Bühnen im Fastelovvend erobert: Der 17-jährige Nicolas Meessen aus Kelmis (B) rockte als temperamentvoller, junger Sänger sogar bereits den Aachener Bäckerball und Trompeter Jürgen Breuer ist unter seinem Künstlernamen „Et Tröetche“ ebenfalls längst ein Begriff.

Lag die College-Leitung bisher in den Händen des selbständigen Kultur- und Veranstaltungsmanagers Christian Mourad, so gab es jetzt einen Stabwechsel. Neuer Leiter wurde Winfried Wüst, stadtbekannt als leidenschaftlicher Karnevalist in den Reihen der Öcher Penn. „Für den Karneval ist es untypisch, dass dieser Wechsel ohne Knatsch abgelaufen ist“, erklärte Mourad lachend. Doch seine private und berufliche Lebensplanung gestatte langfristig nicht mehr diese zusätzliche Aufgabe.

Mit ganzem Herzen danke er seinem Nachfolger, der ein „absoluter Karnevalist“ sei, dass er diese Aufgabe übernimmt. „Nach sieben Jahren Abstinenz bin ich wieder da“, stellte sich Wüst vor. Der 57-jährige Kaufmann im Außendienst arbeitet seit 35 Jahren für die chemische Industrie, ist verheiratet, hat einen Sohn (34) und eine Tochter (27). Mit 17 Jahren war er Penn-Soldat geworden, wirkte vier Jahre als Quartiermeister in der Penn-Kommandantur und war bis 2006 zehn Jahre lang Penn-Kommandant. Sein Nachfolger im Amt, Jürgen Brammertz, habe ihn dann auf der Penn-Wies’n gefragt, ob er beim Carnevals College die Leitung übernehmen würde.

Die Idee der drei Säulen

Nach längerer Überlegung sagte er zu und legte nun bereits ein detailliertes Konzept vor. „Meine Idee sind drei Säulen“, sagte Wüst. Die erste sei er selbst und für alles verantwortlich: für die Wirtschaftlichkeit, Castings, Vorstellabende und Organisation. Ein rotes T-Shirt mit dem Aufdruck „Die zweite Säule“ sein ein Außendienst-Team, das kontinuierlich die unterschiedlichsten Veranstaltungen besucht, um Talente zu entdecken. Zum Team gehören er selbst, Otto Weißhaupt und Ralf Dehez. Ein rotes T-Shirt mit dem Aufdruck „Bühnenreif? Wir coachen Dein Talent!“ ist dabei ihr Passport. Die dritte Säule schließlich sei der ebenfalls ehrenamtliche Lehrkörper sowie ein Koordinator, der das alles dirigiert. „In einem Jahr muss jeder Öcher das Carnevals College kennen“, so Wüsts Ziel.

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