Aachen: Auf dem Öcher Bend sprengen Bräute alle Grenzen

Aachen: Auf dem Öcher Bend sprengen Bräute alle Grenzen

Der Braut blieb keine Wahl. Ihre Freundinnen entführten sie zum Junggesellinnen-Abschied auf den Bend und setzten sie kurzerhand ins „No Limit“. „Sie hat sich aber auch gar nicht groß gewehrt“, beteuert ihre Freundin Martina augenzwinkernd. Während die Braut hoch oben Kopf steht, reiben sich die Jungesellinnen unten vor Freude die Hände.

„Der Bend ist nur eine Zwischenstation“, erklärt die 23-jährige Martina. Anschließend gehe es weiter zum Grillen. Ganz offensichtlich erfüllt die Öcher Kirmes eben ganz unterschiedliche Bedürfnisse, „und gerade das macht den besonderen Reiz aus“, finden die Besucher.

Ob hoch hinaus, mittendrin oder im Sturzflug: Nicht nur im nassen Element kommen am sommerlichen ersten Wochenende wieder alle Bendbesucher auf ihre Kosten. Im reichlich turbulenten Ambiente ist diesmal (kleines Bild links) sogar ein Junggesellinnen-Abschied für Katharina Schmitt angesagt. Foto: Andreas Steindl

„Hier kommt die ganze Familie auf ihre Kosten“, schwärmt auch Schausteller Rolf Lentzen. Er kennt den Bend von Kindesbeinen an und erinnert sich noch an die schwarze Asche, die den Platz in den Anfängen bedeckt habe. „Der Bend ist etwas ganz Besonderes, ein Juwel“, schwärmt er. Hier könne die Oma mit dem Enkel über den Platz schlendern, und wer kein Geld ausgeben wolle, könne sich einfach vom kunterbunten Kirmesambiente verzaubern lassen.

Die Schaustellerfamilie Lentzen betreibt neben dem Bierkarussell eine Mandelbrennerei und den Autoscooter für die Kleineren. Und auch wenn Rolf Lentzen als Schausteller in ganz Deutschland unterwegs ist, steht für ihn fest: „Der Bend ist das doppelte Highlight des Jahres.“

Jeder Spritzer ist willkommen

Die 15-jährige Defne kommt gerade aus der Wildwasserbahn und reibt sich die Schulter. Irgendwie ist sie während der Fahrt mit ihrem kleinen Begleiter, der „jetzt einen nassen Popo“ hat, zusammengestoßen. „Es war trotzdem toll“, sagt sie, und dass sie ein bisschen nass geworden sind, macht den beiden nichts aus. Bei dem sonnigen Wetter kann eine kleine Erfrischung nicht schaden, und so kommt jeder Wasserspritzer gelegen.

Diese Erfahrung hat auch Daniela Ahrend vom „Crazy Island“ gemacht. „Die Leute lieben es, sich mit Wasser zu bespritzen“, sagt sie und ergänzt: „Die Wasserspiele draußen kommen wirklich gut an.“ Drinnen suchen sich die Besucher derweil ihren Weg durch den Hindernisparcours. Daniela Ahrend schätzt den Bend vor allem auch, weil „er so sauber und gepflegt“ ist. Und außerdem gefällt ihr Aachen sehr gut.

Überall auf dem Bend finden sich Familien mit kleinen Kindern, die ihren Sprösslingen eine Freude bereiten wollen. Entenangeln ist da ebenso angesagt wie nach Geschenktüten zu fischen. Die kleine Marlina war dabei höchst erfolgreich, hat jetzt aber sichtlich Mühe, sich für einen Preis zu entscheiden.

Ihre Eltern und ihre Großtante helfen geduldig bei der Auswahl und weisen mit den Fingern immer wieder auf andere bunte Plüschtiere oder sonstige Preise. „Wir sind nur wegen unserer Tochter hier“, sagt die Mutter und lobt den Bend als Familienkirmes. Dem kann sich Nicci Fiebus vom Hexenhof nur anschließen. „Hier hat die ganze Familie ihren Spaß, und gut essen und trinken kann man auch.“

Auch wenn Defne dies nur bestätigen kann, kommt sie besonders gern zu später Stunde. „Die Lichter sind so schön. Sie lassen die Karussells erst so richtig groß erscheinen, das ist toll“, schwärmt sie. Sie ist eine von denen, die gerade die wildesten und höchsten Karussells mögen.

„Ich bin froh, dass wir dabei sein können“, sagt auch Schausteller Teno Breuer. Er sitzt im Kassenhäuschen und wartet auf kleine Gäste, die bei ihm mitreisen wollen. „Es ist gerade nicht viel los“, räumt er ein, vertraut aber darauf, dass sich der Bend wenig später deutlich beleben wird. Ein einzelner kleiner Passagier hat sich gerade in einen der Waggons gesetzt, und für ihn allein startet das Kinderkarussell jetzt seine Fahrt. „Das ist eben Familienfreundlichkeit“, meint Breuer mit einem Augenzwinkern.

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