Kampf gegen Kinderlähmung: Auch kurz vor dem Ziel bleibt viel Arbeit

Kampf gegen Kinderlähmung : Auch kurz vor dem Ziel bleibt viel Arbeit

Im Kampf gegen die Krankheit Kinderlähmung Polio wurde eine neue große Spendensäule für die neun Rotary-Clubs der Region aufgestellt. Mehrere Millionen Euro werden noch benötigt, um die Kinderlähmung endgültig zu besiegen und genügend Impfstoffe bereitzustellen.

„End polio now“ – mit diesem Vorsatz startete Rotary International gemeinsam der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Kinderhilfswerk Unicef und der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC (Centers for disease control and prevention) vor über 30 Jahren eine Initiative, um den Kampf gegen die Krankheit Kinderlähmung (Poliomyelitis, kurz Polio) aufzunehmen. 1988 waren noch 125 Länder mit 350.000 Neuinfektionen von der Virus-Erkrankung betroffen. Viel hat sich seitdem getan.

Mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar haben die Rotary-Clubs in dieser Zeit gespendet, mehr als 2,5 Milliarden Kinder wurden in 122 Ländern geimpft. Doch noch immer gibt es Länder, in denen Neuerkrankungen registriert werden. „Wir sind kurz vor dem Ziel, aber das Ziel schiebt sich immer weiter weg“, resümieren Thomas Basten, Reinhard Goethe und Franz-Leo Drucks im Mutterhaus der Mayerschen Buchhandlung an der Buchkremerstraße.

Große Spendensäule

Hier haben sie für die neun Rotary-Clubs der Region eine Spendensäule aufgestellt, die das Ziel der Initiative, Kinderlähmung weltweit endgültig zu besiegen, ein Stück näher bringen soll. In zwei Ländern, Pakistan und Afghanistan, wurden noch Erkrankungen an Kinderlähmung registriert. „Leider ist es hier zu einem dramatischen Anstieg der Infektionen gekommen“, erläutert Basten. Denn Kriege und Krisen in den betroffenen Ländern behindern die Arbeit der Impfteams vor Ort. Zuletzt hatte man in Nigeria einen Durchbruch errungen. Auch in diesem Land waren Menschen bis 2016 akut durch Polio-Viren bedroht. Umfangreiche Impfkampagnen in Nigeria und in den Nachbarländern Tschad, Niger, Kamerun und der Zentralafrikanischen Republik haben dazu beigetragen, dass in der Region seit drei Jahren keine neuen Infektionen aufgetreten sind.

„Damit kann der Endemie-Status von der WHO gestrichen werden. Das gilt für ganz Afrika“, unterstreicht Basten, der von 2015 bis 2016 Polio-Beauftragter des Rotary-Distriktes Aachen war. Dass hierzulande diese heimtückische Krankheit weitgehend aus den Köpfen verschwunden ist, hat nicht zuletzt auch mit der Erfolgsgeschichte eines Impfstoffes zu tun. Der US-amerikanische Bakteriologe Jonas Salk entwickelte den ersten wirksamen Impfstoff gegen die Kinderlähmung. Daran wird am Welt-Polio-Tag erinnert, der international am 28. Oktober, dem Geburtstag Salks, stattfindet und in Deutschland am 24. Oktober begangen wird.

Rund 50 Cent kostet eine Impfdosis, jeder Spendendollar wird um 100 Prozent von der Rotary-Foundation aufgestockt. Seit einigen Jahren unterstützt die „Bill and Melissa Gates Foundation“ die Polio-Initiative. Sie legen noch einmal 200 Prozent auf den Spendenbetrag drauf.

In der Region Aachen hat die Spendensäule in vier Jahren an 14 Standorten rund 5000 Euro eingespielt. Sehr erfolgreich waren dabei die Aktionen in der Mayerschen Buchhandlung vor zwei Jahren sowie die Aktionen am Stolberger Bethlehem-Krankenhaus und am St. Marienhospital in Düren-Birkesdorf. Dies sei wohl der Tatsache geschuldet, dass beide Häuser über eine Kinderkrankenstation verfügten. Dort sei man besonders sensibilisiert.

5,5 Milliarden fehlen

Rund 5,5 Milliarden Dollar werden noch benötigt, um die Kinderlähmung endgültig zu besiegen und genügend Impfstoffe bereitzustellen. Gelingt das, wäre die Kinderlähmung nach den Pocken die zweite Krankheit, die endgültig vom Erdboden verschwunden wäre. Bis Ende des Jahres soll die Säule in der Mayerschen Buchhandlung stehen bleiben.

Mehr von Aachener Zeitung