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Noch keine Lösung: Auch die Aseag klagt über erheblichen Personalmangel

Noch keine Lösung : Auch die Aseag klagt über erheblichen Personalmangel

Das Problem ist akuter denn je: Wegen Personalmangels fallen täglich viele Fahrten der Aseag aus. Darüber informierte das Verkehrsunternehmen jetzt die Aachener Politikerinnen und Politiker.

Für den verhinderten Vorstandschef der Aseag, Michael Carmincke, berichtete Abteilungsleiter Heiko Hansen im Mobilitätsausschuss der Stadt Aachen über ein heikles und mittlerweile beinahe existenzielles Problem der roten Flotte: Fahrtausfälle von Bussen im gesamten Streckengebiet sind an der Tagesordnung.

Bereits im Juli dieses Jahres berichtete unsere Zeitung, dass täglich „oft 100 und mehr“ Fahrten ausfallen – und es ist kurzfristig kein Ende der Personalkrise abzusehen, wie Heiko Hansen am jetzt dem Ausschuss vortrug. „Wir haben momentan eine außergewöhnliche Situation“, sagte Hansen.

Waren im Juli noch Krankheit und Urlaub die Hauptgründe, die die Ausfälle befeuerten, ist inzwischen die Einsicht gewachsen, dass der Fahrer(innen)mangel ein strukturelles Problem des Unternehmens ist.

Die allgemeine Situation auf dem Arbeitsmarkt, dem insbesondere Fachkräfte fehlen, macht die Aufgabe für die Ausbilder in der roten Flotte zu einer Herkulesaufgabe. Zwar seien in der jüngeren Vergangenheit durchaus neue Fahrer und Fahrerinnen ausgebildet worden, so Hansen, doch so richtig nachhaltig scheint das nicht gewesen zu sein.

Denn: Viele, so berichtete Hansen weiter, hätten angesichts steigender Stressfaktoren bei den Fahrten durch die City ihren Fahrerjob wieder an den Nagel gehängt. Auch würden Beschäftigte noch vor Erreichen der Altersgrenze in Ruhestand gehen.

Gründe für das mangelnde Interesse an diesem Beruf vermutet die Aseag unter anderem in Aspekten der Work-Life-Balance“. „Wir hatten einige Kollegen, die einfach nicht mehr in der Spätschicht oder am Wochenende fahren wollten“, so Hansen. Auch sei der Stressfaktor für Fahrerinnen und Fahrer im jetzt wieder voll ausgelasteten ÖPNV nicht von der Hand zu weisen.

Aus dem Ausschuss kamen genau dazu Fragen, etwa durch den Linken-Vertreter Andreas Nositschka oder Fragen nach einer gezielten Werbung für Quereinsteiger, die der Grüne Burkhard Fahl formulierte. Der Linienstress sei möglicherweise auch durch die Zusatzaufgaben des Fahrkartenverkaufs in den Wagen verursacht, vermutete man im Ausschuss. Joachim Adler von der Aseag berichtete über Erfahrungen aus den Niederlanden, die „das Bargeldgeschäft“ völlig zugunsten von Handy-Apps oder Kartenzahlung abgeschafft hätten.

Das Problem ist: Ein Ausbau des ÖPNV ohne ausreichendes Personal ist schwer zu stemmen. Auf Dauer, so die Aseag, könne es auch keine Lösung sein, Mitarbeiter quasi vom Schreibtisch ans Steuer zu setzen, um die personellen Engpässe im Fahrbetrieb zumindest zum Teil zu beseitigen.