Aseag in Aachen nimmt neue Elektrobusse in Betrieb

Aseag-Busflotte : Das lange Warten auf die E-Busse hat ein Ende

Neue Elektrobusse für die Flotte der Aseag

Den Start ins E-Mobilitätszeitalter hat die Aseag schon so oft angekündigt, dass man den Neuigkeitswert der Nachricht glatt übersehen könnte: Seit Dienstag sind sieben batteriebetriebene Elektrobusse Teil der städtischen Busflotte, die messbare Effekte für die Luftqualität in Aachen erbringen sollen.

Das lange Warten auf die emissionsfreien Fahrzeuge hat damit ein Ende. Weniger Abgase, weniger Lärm und einen angenehmeren Fahrkomfort verspricht sich auch Oberbürgermeister Marcel Philipp von den neuen E-Bussen, die von Mittwoch an vor allem auf Linien innerhalb der besonders belasteten Innenstadt eingesetzt werden sollen. Von deren Qualität konnte er sich gemeinsam mit Mobilitätspolitikern und Medienvertretern anlässlich der offiziellen Übergabe der Busse überzeugen.

Die Probefahrt durch die Stadt ist für viele allerdings weniger spektakulär ausgefallen als erwartet. Umgewöhnen müssen sich weder Fahrgäste noch Busfahrer, wie Michael Reis erläuterte, der beim Lieferanten Mercedes für den Technischen Vertrieb zuständig ist. Fahrerplatz, Bedienelemente und Innenausstattung entsprechen exakt den altbekannten Citaro-Modellen, von denen Mercedes bereits mehr als eine halbe Million ausgeliefert hat – ausgerüstet bislang allerdings noch vorwiegend mit Dieselmotoren.

Das soll sich angesichts der großen Luftprobleme in den Städten bekanntlich ändern, und so laufen die Neuentwicklungen für saubere Antriebsarten allenthalben auf Hochtouren. Im Falle der E-Busse war das mit vielen Schwierigkeiten verbunden, wie auch die Aseag leidvoll erfahren musste. Eigentlich wollte sie die ersten batteriebetriebenen Fahrzeuge schon vor drei Jahren in Betrieb nehmen. Doch mehr als Prototypen konnte sie bis heute nicht vorweisen.

„Wir hatten die absurde Situation, dass zwar überall in Deutschland Fahrzeuge vorgestellt wurden, die dann aber nie in Betrieb gegangen sind“, blickte Philipp auf die vergangenen drei Jahre zurück. Umso zufriedener präsentierte er nun gemeinsam mit Aseag-Vorstand Michael Carmincke „eine echte Flottenerneuerung“.

Weitere fünf Busse im kommenden Jahr

Rund 22 Millionen Euro gibt das städtische Busunternehmen mit Hilfe diverser Bundes-Förderprogramme in diesem und im nächsten Jahr aus – für „die umweltfreundlichste Busflotte der Aseag, die es je gegeben hat“, wie Carmincke schwärmt. Dazu gehören dann knapp 100 auf Euro-6-Niveau umgerüstete ältere Busse, 48 neue Euro-6-Dieselbusse und zwölf E-Busse. Zu den sieben jetzt gelieferten sollen weitere fünf Anfang des kommenden Jahres hinzukommen.

Und das soll noch nicht das Ende sein. Die Aseag habe eine Option auf 15 weitere batteriebetriebene Gelenkbusse, die bis 2021 geliefert werden können. Anders als die jetzt gelieferten Solobusse sollen diese mit neuen Festkörperbatterien ausgestattet werden, die zwar langsamer laden, dafür aber eine stärkere Leistung haben und länger halten, wie Reis erläutert.

Mit den aktuellen Modellen wird die Aseag allerdings auch schon mindestens 150 Kilometer am Stück zurücklegen können. „Bei normalem Wetter sind auch 240 Kilometer kein Problem“, versichert Reis. An kalten Tagen werde aber viel Energie fürs Heizen benötigt, was dann zulasten der Fahrleistung gehe. Eben deshalb werden die E-Busse, die jeweils über Nacht auf dem Aseag-Gelände an der Neuköllner Straße aufgeladen werden, schwerpunktmäßig in Aachen eingesetzt. Einige Fahrten sollen laut Pressesprecher Paul Heesel jedoch auch nach Herzogenrath, Würselen und Stolberg und durch Eschweiler führen.

Zu erkennen sind die neuen Busse bislang nicht nur an einem satten Weiß, sondern auch an einer überarbeiteten Frontansicht und dem erhöhten Dachaufbau. Dort sind acht der insgesamt zwölf Batteriemodule untergebracht, vier weitere stecken etwas platzraubend im Heck. Gemeinsam sorgen sie für eine auffallend gleichmäßige und ruckelfreie Beschleunigung der Busse. Man habe den Antrieb etwas drosseln müssen, damit die Fahrgäste nicht stürzen, sagt Aseag-Technikleiter Heiko Hansen. Schließlich sollen die Busse nicht nur umweltfreundlich, sondern auch kundenfreundlich sein.

Und ein Detail, das Leben retten soll, wurde in den neuen Bussen ebenfalls eingebaut: Ein Abbiegeassistent überwacht die fahrerabgewandte Seite und warnt vor Radfahrern oder Fußgängern neben dem Bus.

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