Aachen: Argumente für und gegen die Campusbahn

Aachen: Argumente für und gegen die Campusbahn

Das entscheidende Ja oder Nein in Sachen Campusbahn steht kurz bevor. Gerade hat sich die CDU-Ratsfraktion zur Zustimmung für den Bau entschieden. Am 19. Dezember steht die Entscheidung im Rat an. Rund 400 Menschen sind am Dienstagabend der Einladung des Fördervereins „aachen fenster - raum für bauen und kultur“, der Aachener Stiftung Kathy Beys und der Initiative Aachen ins Super C am Templergraben gefolgt, um Argumente für und gegen die Campusbahn zu hören — und selber vorzubringen.

Die drei Institutionen hatten damit die Plattform für einen unabhängigen Dialog schaffen wollen, ehrenamtlich und frei von Lobbyismus oder wirtschaftlichen Verstrickungen zu dem Mammutprojekt, das ab 2019 die Hauptlast des öffentlichen Nahverkehrs in Aachen übernehmen soll. Richtig eng wurde es in den beiden Sälen unter dem Dach. Via Leinwand waren die Protagonisten samt Aussagen überall zu sehen und zu hören.

Projekt Campusbahn, Veranstaltung des Fördervereins "aachen_fenster - raum für bauen und kultur", die Initiative AC und die AC Stiftung Kathy Beys, im Super C, Templergraben.

AZ-Redakteur Stephan Mohne ließ als Moderator auf dem Podium Gegner und Befürworter zu Wort kommen, ehe in einer offenen und bisweilen emotional geführten Debatte das Publikum seine Meinung einbringen konnte. Vorneweg skizzierte Professor Heiner Monheim die Chancen und Potenziale von Stadtbahnen, und lieferte die Geschichte der alten Aachener Straßenbahn gleich mit. Der Verkehrswissenschaftler forderte gleichzeitig und passend zum Rahmen einen konstruktiven Dialog vor dem möglichen Bürgerentscheid, der bis zum 19. März stattfinden müsste: „Man darf die Strategien nicht gegeneinander ausspielen“, lautete seine Friedensbotschaft in Zeiten kollidierender Meinungen. „Die Akzeptanz der Bahn hängt von relevanten Kleinigkeiten ab“, so seine Überzeugung. Regina Poth als Geschäftsführerin der Campusbahn GmbH warb anschließend mit Zahlen und Fakten für Wirtschaftlichkeit und Notwendigkeit.

Projekt Campusbahn, Veranstaltung des Fördervereins "aachen_fenster - raum für bauen und kultur", die Initiative AC und die AC Stiftung Kathy Beys, im Super C, Templergraben.

Maximilian Slawinski vertrat gewohnt entschieden die Seite der Bahngegner. „Die Bürger treffen eine wichtige Entscheidung“, lautete seine allgemeine wie zutreffende Aussage, ehe er die „wirklich brennenden Aachen-Probleme“ umriss: saubere Stadt, Sozialpolitik, Bildung und Erziehung seien Themen, die es statt eines solchen Mammutprojekts nachhaltig anzupacken gelte. Handfeste Alternativen in Sachen zukunftsträchtige ÖPNV-Planung waren ihm auf mehrfache Nachfrage aus dem Publikum kaum zu entlocken, er verließ sich auf nachvollziehbare Gegenargumente: „Finanzieller Spielraum ist wichtig bei einem Projekt dieser Größenordnung, und den sehen wir nicht.“

Projekt Campusbahn, Veranstaltung des Fördervereins "aachen_fenster - raum für bauen und kultur", die Initiative AC und die AC Stiftung Kathy Beys, im Super C, Templergraben.

Eine Aussage in Richtung Planungsdezernentin Gisela Nacken, mit der Befürchtung, das städtische Investitionsvolumen von 132,5 Millionen könne nicht das Ende vom Lied sein. Dass die Finanzierung der Campusbahn einer vernünftigen Perspektive für junge Familien im Wege steht, war an diesem Abend allein Slawinskis Meinung. Stimmen von Jugendlichen und Studenten gingen klar in die Pro-Richtung. Auch die immer streitbare Caroline Reinartz outete sich vehement als Befürworterin.

Projekt Campusbahn, Veranstaltung des Fördervereins "aachen_fenster - raum für bauen und kultur", die Initiative AC und die AC Stiftung Kathy Beys, im Super C, Templergraben.

Auf dem Podium teilte Erhard Möller als einziger Slawinskis Meinung, im Publikum meldeten sich dagegen etliche Bahngegner zu Wort. Der Ex-CDU-Ratsherr steht mit seiner Meinung in der eigenen Partei ziemlich allein. Deren Votum pro Bahn kommentierte Möller mit einem Lächeln: „Einen Koalitionspartner, der in der Sache absolut eingeschworen ist, können sie nicht so leicht vom Standpunkt abbringen.“ Aseag-Chef Michael Carmincke ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass sein Unternehmen die Bahn als Platzhirsch zu betreiben gedenke: „An uns führt sicher kein Weg vorbei.“

Projekt Campusbahn, Veranstaltung des Fördervereins "aachen_fenster - raum für bauen und kultur", die Initiative AC und die AC Stiftung Kathy Beys, im Super C, Templergraben.

In der offenen Diskussion zeigten sich die Brisanz und die konträren Meinungen, mit denen die Bürger der Campusbahn begegnen. So gab es reihenweise engagierte Beiträge für und gegen das Vorhaben, oft sachlich und immer wieder emotional vorgebracht. Die Finanzierung, eine unerprobte Technik, mögliche Alternativen — was die Protagonisten auf dem Podium beschäftigte, brannte auch den Besuchern auf den Nägeln.

Projekt Campusbahn, Veranstaltung des Fördervereins "aachen_fenster - raum für bauen und kultur", die Initiative AC und die AC Stiftung Kathy Beys, im Super C, Templergraben.

Auch ein Thema: eine mögliche Ausbauperspektive der Campusbahn, die durch den geplanten Streckenverlauf bis nach Brand viel mehr den Charakter einer Stadtbahn erhält. Einige träumten gleich von einem Netz wie anno dazumal. Dem schoben die Offiziellen einen Riegel vor: „Was nach 2019 ist, weiß niemand. Aber es wird nie mehr so wie früher“, lautete die knappe Absage von Gisela Nacken an alle Tram-Nostalgiker.

Projekt Campusbahn, Veranstaltung des Fördervereins "aachen_fenster - raum für bauen und kultur", die Initiative AC und die AC Stiftung Kathy Beys, im Super C, Templergraben.
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