Archival des Monats September: Aachener Stadtarchiv widmet sich Bienen

Archival des Monats September : Bienen sind nicht erst im 21. Jahrhundert ein Thema

Das Stadtarchiv zeigt aus seinen Magazinen regelmäßig Stücke als Archival des Monats. Der September widmet sich einer Seite des Buches „Bienenkatechismus für das Landvolk“ – Ein Ratgeber aus dem Jahr 1784 von Johann Ludwig Christ.

Der in manchen Bereichen kritische Zustand unserer Pflanzen- und Insektenwelt hat in der letzten Zeit zu vielen Initiativen geführt, um unsere heimischen Bienen zu schützen und bei der Erfüllung ihrer natürlichen Aufgaben wieder besser zu unterstützen. Der Wert der Bienen, von Bienenwachs und Bienenhonig, ist aber nicht erst im 21. Jahrhundert zu einem viel beachteten, große Teile der Bevölkerung interessierenden Thema geworden. Dies zeigt ein Neuzugang der Archivbibliothek, der als Schenkung aus privater Hand in das Stadtarchiv gekommen ist: Im Jahr 1784 veröffentlichte der aus dem hessischen Rodheim vor der Höhe stammende evangelisch-lutherische Pfarrer Johann Ludwig Christ, Mitglied der Königlichen Churfürstlichen Landwirtschaftsgesellschaft zu Zelle, seinen „Bienenkatechismus für das Landvolk“. Eines dieser Bücher wurde nach Weyenberg bei Uebach verkauft und fand über verschiedene Hände in diesem Jahr den Weg ins Stadtarchiv.

Bedeutender Pomologe

Christ, Jahrgang 1739, hatte großes Interesse an landwirtschaftlichen Themen und verstand es, sein erworbenes Wissen so aufzubereiten, dass auch andere davon in ganz praktischer Weise profitieren konnten. Er war ein bedeutender Pomologe, also Obstbaukundler; so veröffentlichte er Bestimmungsbücher, in denen Obstsorten systematisiert und beschrieben wurden. Aber auch praktisch machte er von sich reden: In Kronberg im Taunus, wo er ab 1786 eine Pfarrstelle innehatte, betrieb Johann Ludwig Christ neben seinem Beruf große Baumschulen und förderte durch Schulungen der Kleinbauern bedeutende Obstpflanzungen rund um Kronberg.

Die Verbindung aus Theorie und Praxis hatte das Ziel, die Einkommen der Kleinbauern und ihre Lebensumstände dadurch zu verbessern, dass er ihnen fundierte, verlässliche Kenntnisse über Pflanzen und Bienen zur Verfügung stellte. Christ sah sich selbst als Lehrer. Sein Wissen erwarb er durch eigene Studien, aber auch durch den regen Austausch mit anderen Forschern.

Von 1780 bis zu seinem Tod 1813 veröffentlichte er mehr als 20 Bücher in ständig erweiterten und ergänzten Ausgaben. Seine Werke waren wegen seines lebendigen und anschaulichen Schreibstils populär und wurden bis in das 20. Jahrhundert nachgedruckt. Christ hatte einen eigenen Ansatz, sein Wissen festzuhalten und zu vermitteln: Einem Grundlagenwerk stellte er oft ein leicht verständliches Handbuch zur Seite. So hielt er es auch bei der Bienenzucht: Seine „Anweisungen für die Bienenzucht“ von 1780 wurden ergänzt durch den „Bienenkatechismus für das Landvolk“ von 1784. Dieses Handbuch enthält u. a. Kapitel über die „Sorgfalt der Bienen“, „Von der Honig- und Wachsärnte“ und „Vom Bienenstand“. Das in Frankfurt/Main und Leipzig bei Johann Georg Fleischer gedruckte Buch umfasst 172 Seiten.

Überlieferung als Glücksfall

Die Überlieferung des „Bienenkatechismus“ ist ein seltener Glücksfall, denn bei Christs Werken handelt es sich um viel gelesene „Verbrauchsliteratur“, die damals in der Regel nicht in Bibliotheken gesammelt wurde, weshalb die heute noch erhaltenen Exemplare selten und kostbar sind. In den nordrhein-westfälischen Bibliothekskatalogen ist nur ein einziges weiteres Exemplar zu finden.

Das Archival des Monats zeigt den einzigen Kupferstich des Buches, der die wesentliche Ausrüstung zur Unterhaltung eines Bienenstocks darstellt: Figur 1 zeigt den „Magazinstock“, Figur 2 zeigt ein einzelnes Element des Bienenstocks, Figur 3 eine Wachspresse, Figur 4 ein dazugehöriges Pressbrett und Figur 5 ein krummgebogenes Bienenmesser. Solche Ausstattungslisten finden sich auch in modernen Ratgebern, die das Trendthema Bienenzucht, das ja auch in den Städten eine immer größere Rolle spielt, aufgreifen und praktisches Wissen an alle Interessierten weitergeben, um die Natur im direkten Lebensumfeld zu unterstützen.

(red)
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