Aachen: Archiv: Personalpläne im politischen Sperrfeuer

Aachen: Archiv: Personalpläne im politischen Sperrfeuer

Die Lkw-Kolonnen zum Abtransport von insgesamt fast 13 Regalkilometern an Akten, Chroniken, Urkunden sind noch nicht angerollt - da steckt das Stadtarchiv längst tief im berühmt-berüchtigten Investitionsstau.

Alles andere als begeistert zeigten sich die Politiker im Kulturausschuss angesichts des jüngsten „Aktionsplans” zum Millionenprojekt namens Umzug. Die Kostenaufstellung für den aufwändigen Transfer des „städtischen Gedächtnisses” vom Grashaus ins „Haus der Identität und Integration” am Reichsweg sorgte für ziemlich rabiate Verbalscharmützel.

Aufstockung postuliert

Auch die Kämmerin hatte den Vorstoß der Verwaltungskollegen bereits am 20. September mit einer eindeutigen Stellungnahme abgeschmettert. Wie berichtet, hatte Archiv-Leiter Dr. Thomas Kraus unter anderem eine erhebliche personelle Aufstockung seines Hauses als unverzichtbar postuliert - was durch die politischen Bänke, vor allem aber bei den Grünen, heftiges Kopfschütteln auslöste. Angesichts krasser Kassennöte sei die Einstellung zusätzlicher hochqualifizierter Kräfte schlechterdings nicht machbar.

Da verhalf auch der Vorschlag, das logistische Großprojekt unter anderem aus den Rücklagen des Kulturbetriebs zu finanzieren, nicht gerade zur Entspannung. Insgesamt soll der Umzug mit 1,087 Millionen Euro zu Buche schlagen. Allerdings beschlossen die Fraktionen am Ende einstimmig, die ungedeckten Mehrkosten von 262.000 Euro nicht aus der Reserve des Eigenbetriebs zu entnehmen, sondern dessen Wirtschaftsplan entsprechend zu erweitern.

Der Bildungauftrag

In punkto Personal freilich biss Kulturdezernent Wolfgang Rombey auf Granit. „Schöne neue Räume im Ostviertel allein nutzen wenig”, appellierte er an die Politiker, „wir haben eines der bedeutendsten und größten Stadtarchive in Deutschland. Wenn wir dem gerecht werden wollen, müssen wir auch schauen, wie wir das finanzieren. Ich weiß nicht, wie das gelingen soll, ohne Rücklagen anzutasten.” Schließlich gelte es, dem Bildungsauftrag des Hauses nachhaltig gerecht zu werden - und nicht zuletzt dem gesetzlich verbrieften Anspruch der Bürger auf Information Rechnung zu tragen.

Dem Einwand der Grünen, im Hinblick auf Ausstattung und Stellen „Augenmaß zu wahren” und „bitte nicht immer alles vom Feinsten” zu fordern, begegnete Kraus derweil mit einem eher lakonischen Rapport zum Ist-Zustand - von wegen Investitionsstau. Kurzum: Mobiliar und technisches Instrumentarium des Hauses seien völlig veraltet und im Prinzip nicht mehr zumutbar.

Dennoch: Vor allem in punkto Neueinstellungen zeigte sich der Ausschuss kompromisslos. Jetzt soll immerhin geprüft werden, ob mittelfristig Mitarbeiter aus dem flexiblen „Personalpool” der Verwaltung Richtung Reichsweg entsandt werden können.