Aachen: Archäologen entdecken beheizbaren Pool unter dem Markt

Aachen : Archäologen entdecken beheizbaren Pool unter dem Markt

Der Laie rümpft die Nase, der Fachmann jubiliert. Exakt da, wo jetzt eklige Exkremente aus Klospülungen durch einen Kanal schwimmen, badeten früher genussvoll Römer. Archäologen haben in Aachen eine ungewöhnliche Wellness-Oase mit «beheiztem Pool” entdeckt.

Der ist rund 1900 Jahre alt und liegt zwei Meter unter dem Markt. „Im Unterschied zu den bekannten römischen Bädern unter dem Dom, am Münsterplatz und in Burtscheid, wurde an der Jakobstraße aber kein Thermalwasser genutzt”, erklärt Stadtarchäologe Andreas Schaub. Die Gebäudemauern - errichtet etwa im Jahr 100 n. Chr. - ergeben fünf Meter Raumlänge. Was für eine öffentliche Badeanstalt spricht.

Und die war selbstverständlich über ein Luft-Zirkulationssystem namens „Hypokaustum” unter dem Terrazzo-Fußboden beheizt - denn der Römer mochte es nach zuweilen kaltherzigen Feldzügen in seiner Aachener Herberge gerne mollig warm. 2000 bis 3000 Menschen lebten damals rund um Dom und Rathaus, die freilich erst Hunderte Jahre später errichtet wurden.

Und genau darum geht es den Archäologen jetzt: „An dieser Stelle des Marktes haben wir noch nie gegraben. Erstmals können wir nun im wahrsten Wortsinn ergründen, warum der Platz heute teils bis zu sechs Meter höher liegt als vor knapp 2000 Jahren - und was genau dazwischen passiert ist”, erklärt Schaub.

Bevor wieder alles zugeschüttet wird, will man noch mindestens 1,50 Meter tiefer ins so bewegte Erdreich. Welches damals reichlich Blut gesehen haben dürfte. Wahrscheinlich hat eine Horde Germanen der Badeanstalt zwischen 270 und 275 n. Chr. den Garaus gemacht. „Wir wissen aus anderen Quellen, dass die Germanen damals linksrheinisch geplündert und gebrandschatzt haben”, sagt der Stadtarchäologe.

Zudem fand man im Schutt des niedergerissenen Badehauses neben Dachziegeln ein halbes Dutzend Bronzemünzen. Deren Prägung - etwa von Kaiser Philippus Arabs (238-244 n. Chr.) - weise auf das Zerstörungsdatum hin. Abreißen, draufbauen, zertrümmern, erneut Neues errichten. Diesen jahrhundertelangen Zyklus durchleuchten die Archäologen erstmals unter dem westlichen Markt. Möglich wurde das zufällig, weil ein Abwasserkanal saniert wird. Was genauso in die Stadtgeschichte einfließt.

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