Arbeitnehmer in Aachen und Düren häufiger krank als der Landesschnitt

Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK : Suchtkranke fehlen häufiger bei der Arbeit

Egal ob Rückenschmerzen, Atemwegserkrankungen oder psychische Probleme: Die Arbeitnehmer in unserer Region sind häufig krankgeschrieben - sogar häufiger als im NRW-Durchschnitt.

Rückenschmerzen, Atemwegserkrankungen oder psychische Probleme: Die Liste der Krankheiten, die Menschen in der Region vom Arbeiten abhalten, ist lang. Und die Liste der Erkrankten ist es auch, sogar höher als anderswo. Die arbeitende Bevölkerung in der Städteregion Aachen und in Düren ist häufiger krankgeschrieben als der NRW-Landesdurchschnitt: Der Krankenstand liegt bei 4,5 Prozent, in Gesamt-NRW bei 4,3 Prozent.

Das ergibt eine aktuelle Studie der Krankenkasse DAK, die am Freitag in Aachen vorgestellt wurde. Begleitet wurde die Präsentation von Prof. Michael Grözinger, Oberarzt der Privatambulanz, der Poliklinik und der Psychoonkologie der Klinik für Psychiatrie am Uniklinikum. Erstmals hat die Kasse, bei der nach eigenen Angaben etwa 30.000 Menschen in der Region krankenversichert sind, ein besonderes Augenmerk auf Suchterkrankungen gelegt. Das Ergebnis: Menschen, die an einer Suchterkrankung leiden – egal um welche es sich handelt – fehlen deutlich häufiger bei der Arbeit als ihre Kolleginnen und Kollegen.

Auffällig bei psychischen Leiden

Auf ganz Nordrhein-Westfalen bezogen haben Beschäftigte mit einer sogenannten „Substanzstörung“, also Suchterkrankung, einen Krankenstand von 7,7 Prozent. „Das ist mehr als doppelt so viel wie bei den Kollegen ohne auffällige Probleme“, sagt Michael Engels, Chef der DAK Aachen, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Studie habe ergeben, dass sie nicht nur wegen der eigentlichen Suchterkrankung fehlten, sondern dass bei Menschen mit Sucht auch alle anderen Erkrankungen häufiger als Grund angegeben würden für das Fehlen am Arbeitsplatz. „Besonders deutlich wird dieser Unterschied bei den psychischen Leiden“, sagt Engels. Hier seien es mehr als dreimal so viele Fehltage.

Wenn man sich die unterschiedlichen Suchterkrankungen anschaut, ist die Nikotinsucht immer noch die am weitesten verbreitete: „In der Städteregion und in Düren rauchen rund 135.000 Beschäftigte“, rechnet Michael Engels vor. Auch wenn die Kasse diese Art von Erhebung erstmals vorgenommen hat, so ist doch zu erkennen, dass ältere und jüngere Beschäftigte unterschiedlich ticken: „Die jungen Beschäftigten rauchen deutlich weniger als ältere Beschäftigte“, erklärt Michael Engels das Ergebnis der Studie, sie nehmen sich also auch weniger Zeit für zusätzliche Raucherpausen während der Arbeitszeit und haben weniger Beschwerden, die im Zusammenhang mit dem Genuss von Tabak stehen. Dafür kommen neue Probleme hinzu: „Alkohol gehört auch für jüngere Beschäftigte zum guten Ton“, sagt Engels. 83 Prozent aller Beschäftigten trinken laut DAK mehr oder weniger regelmäßig Alkohol. In der Region Aachen/Düren seien das 83.000 Menschen. Dabei gilt es unter Fachleuten bereits als riskanter Alkoholkonsum, wenn Männer an fünf Abenden in der Woche zwei Flaschen (0,33l) Bier trinken, bei Frauen sogar schon ab einer Flasche an fünf Abenden pro Woche. Wer zu viel trinkt, leidet oft an den Folgen eines Katers. „Die Menschen haben angegeben, unkonzentriert oder abgelenkt bei der Arbeit zu sein“, so Engels.

Ein Thema, das den Kassen und Ärzten, aber auch den Arbeitgebern und natürlich den Betroffenen selbst immer häufiger Schwierigkeiten macht, ist das Spielen von Computerspielen: 9000 Beschäftigte in der Region zocken mehr, als gut für sie ist, erklärt die DAK, die mit Aufklärungskampagnen auf die Probleme aufmerksam machen möchte.

„Die Menschheit hatte immer schon mit Suchterkrankungen zu kämpfen. Sie komplett zu eliminieren, ist utopisch. Aber man kann sie behandeln“, kommentiert Prof. Michael Grözinger.

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