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Arbeiterwohlfahrt Aachen feiert runden Geburtstag im Westpark

Jubiläum der Arbeiterwohlfahrt Aachen : 100 Jahre alt und kein bisschen müde

Es begann mit der Linderung akuter materieller Notstände von Aachener Familien: Wer Geld oder Essen brauchte, ging ab 1919 zur Arbeiterwohlfahrt (AWO). Das war vor einhundert Jahren. Heute hat der Kreisverband 1398 Mitglieder – und feiert seinen runden Geburtstag mit einem großen Fest.

„Es ist schön, dass ein Verband wie der unsere 100 Jahre alt wird“, sagt Özgür Kalkan, Geschäftsführer der Aachener AWO. Nach wie vor stelle sich der Verband auch heute die Frage nach den Werten, die wichtig seien. „Damals wie heute sind es die Frauenrechte, die uns ein Anliegen sind.“ Zur Zeit der Gründung der AWO war es vor allem das Frauenwahlrecht, ebenfalls eingeführt im Jahre 1919. „Das war damals untrennbar mit der Gründerin der Arbeiterwohlfahrt in Deutschland verbunden, Marie Juchacz“, sagt Kalkan. Die Frauenrechtlerin Marie Juchacz war nicht nur Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, sondern auch Sozialdemokratin und die erste Rednerin in der Weimarer Nationalversammlung.

Darum spielt das Thema Frauenrechte auch in der Festwoche der Aachener AWO ab Mittwoch, 8. Mai, eine große Rolle (siehe Infobox). Doch das Thema Frauen in der Gesellschaft ist nur eines, das bei der Festwoche eine Rolle spielt – und in der Welt der Aachener Arbeiterwohlfahrt. Sieben Kindertagesstätten betreibt der Verband in der Stadt, alle werden eingebunden sein in das Festprogramm. „Gemeinsam mit dem Zirkus Lollipop werden die Kinder Kunststücke einstudieren und auch Akrobatik einstudieren.“ An die Freunde und Familien dieser Kinder hat die AWO Eintrittskarten für die Zirkusvorführungen kostenlos verteilt. „Von diesen Familien soll keine aufs Geld gucken müssen, wenn sie zu uns kommen“, sagt Kalkan. Die Idee ist eingeschlagen: Beide Vorführungen sind schon jetzt ausgebucht.

Jahrmarkt wie vor 100 Jahren

Doch auch für Kurzentschlossene lohnt sich ein Besuch des großen AWO-Fests am 11. Mai: „Unser Festkomitee hat sich überlegt, einen Jahrmarkt aufzubauen“, erzählt Kalkan. Es gibt Spiele wie vor 100 Jahren, unter anderem kann man sich in einer Fotobox in alten Kostümen ablichten lassen. Bühnenprogramm, Essen und Getränke sowie Kinderunterhaltung runden das Fest ab.

Die Sozialdemokratin Marie Juchacz war Frauenrechtlerin und Gründerin der Arbeiterwohlfahrt. Foto: --/AdsD/Friedrich-Ebert-Stiftung/--

Doch bei der AWO wird selbstverständlich auch im Jubiläumsjahr nicht nur gefeiert. „Das Motto lautet ‚Wir machen weiter’“, betont Karl Schultheis, Vorsitzender der Aachener AWO und Landtagsabgeordneter für die SPD. „Nur, weil wir so alt sind, heißt das nicht, dass wir keine Zukunft haben“, betont er. „Einen historischen Wert zu haben, das ist schön. Aber wir wollen mehr: Wir wollen neue Erfahrungen machen und die Menschen einladen, mitzumachen.“

Auch wenn sich am Grundgedanken, der Wohlfahrt, nicht viel geändert hat, so sehen die Aufgaben des Verbands ganz anders aus als vor 100 Jahren. Neben der Trägerschaft von Kindertagesstätten engagiert sich die AWO mit ihren 220 Mitarbeitern in der Kinder- und Jugendhilfe, mit Sozialen Diensten, im Offenen Ganztag von mehreren Grundschulen und im Betrieb von momentan 170 sozial geförderten Wohnungen. Und man will noch mehr: „Wir haben viel Energie in die Reorganisation unserer Struktur gesteckt“, sagt Geschäftsführer Kalkan. Das Thema Altenpflege, das man vor einiger Zeit komplett an den Bezirksverband abgegeben hatte, spielt auch für den Kreisverband wieder verstärkt eine Rolle. Kalkan bringt die Tagespflege im Wohnquartier Guter Freund als Beispiel. Eine weitere Pflegeeinrichtung soll in Richterich entstehen.

Wie kommen Aachener in Zukunft von ihrer Wohnung zum Einkaufen oder zum Arzt? Die Mobilität in den Stadtteilen wird derzeit ebenfalls durch die AWO untersucht, beispielsweise in Burtscheid. „Wir haben von den Bürgern gehört, dass die teils steilen Straßen im Viertel ein Problem bei eingeschränkter Mobilität sein können“, sagt Kalkan. Jetzt soll mit Fördermitteln des Landes ein entsprechendes Mobilitätskonzept für das Quartier entstehen.

Und auch für die Geschäftsstelle an der Gartenstraße gibt es Pläne, die allerdings noch mit der Aachener Kommunalpolitik besprochen werden müssen. Die AWO möchte gerne in unmittelbarer Nähe zum Westpark eine neue Geschäftsstelle, eine neue Kindertagesstätte und Sozialwohnungen bauen. Von einem ersten Entwurf, der 20 Wohnungen vorsieht, wird man sich aber vielleicht verabschieden müssen. „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit der Politik“, sagt Kalkan.