Aachen: Aquis Plaza: Kilometerlange Staus schon vor der Einweihung

Aachen: Aquis Plaza: Kilometerlange Staus schon vor der Einweihung

Kopfschüttelnd taucht am Montagmittag ein Lkw-Fahrer vor dem Tunnel vor dem gigantischen Einkaufszentrum Aquis Plaza auf. Zu Fuß. „Das totale Chaos“, sagt der Mann. „Weil da unten nur zwei Laderampen zur Verfügung stehen, kreisen hier stundenlang dutzende Lkw voll beladen rund um die Baustelle, bis wir irgendwann reindürfen zum Abladen“, ärgert er sich. Und schüttelt den Kopf.

„Das ist bestimmt super für Aachens Luft“, sagt er. An diesem Montag versinkt halb Aachen im Verkehrschaos. Zig Handwerkerautos, Zulieferer und Baufahrzeuge blockieren nahezu alle Wege rund um Aquis Plaza. Kilometerlange Staus in alle Richtungen sind die Folge. Das Ordnungsamt müht sich nach Kräften, zumindest einige Rettungswege für die Feuerwehr freizuhalten.

„Wir haben einen Plan“: Wie künftig die Verkehrsströme vor Aquis Plaza am Kaiserplatz fließen sollen, haben (v.r.) Hermann Paetz (Aseag), Oberbürgermeister Marcel Philipp, Heike Ernst (Stadt Aachen), Planungsdezernent Werner Wingenfeld und Regina Poth (Leiterin Straßenbau) gestern auf der Großbaustelle am Kaiserplatz erläutert. Foto: Michael Jaspers

Dabei steht die offizielle Eröffnung erst am Mittwoch, 8 Uhr, an. An diesem Tag erwarten Betreiber ECE und die Stadt neben dem Liefer- und Baustellenverkehr (denn die Mall wird mitnichten überall pünktlich fertig werden) noch bis zu 80.000 Kunden — ebenso an den darauf folgenden Tagen bis Samstag. Das sind pro Tag doppelt so viele Menschen wie an einem ausverkauften CHIO-Sonntag auf dem gesamten Reitturniergelände in der Aachener Soers Platz finden. Oder anders formuliert: mehr Menschen als in Bayern Münchens Allianz-Arena passen.

Dafür gibt es am Kaiserplatz vor Ort 600 Parkplätze in der Einkaufsmall und ab Mittwoch die ersten Buslinien, die Kundschaft an der Stiftsumfahrt ausspucken sollen. Eingestiegen wird um die Ecke. Denn der Zwei-Richtungsverkehr kann laut Aseag-Centerleiter Verkehr Hermann Paetz zwischen Willy-Brandt-Platz und Kaiserplatz erst ab Juni 2016 funktionieren. In einer ersten Phase werden deshalb erstmal „nur“ 40 Busse pro Stunde rund um St. Adalbert rollen, halten und abfahren — etwa 30 Linien (www.aseag.de).

Zwischen den roten Boliden werden natürlich noch Radfahrer, Fußgänger, Lieferfahrzeuge etc. unterwegs sein, wie Heike Ernst hinzufügt, die Leiterin der Abteilung Straßenverkehr und Sondernutzungen. Eigentlich ist die Stiftsumfahrt für den Individualverkehr — also Pkw — gesperrt. Wer aber eine der anliegenden Seitenstraßen ansteuert — zum Beispiel die Martin-Luther-Straße — darf trotzdem ganz legal durch, auch im Privat-Pkw.

Angesichts des erwarteten Ansturms spricht die Stadt von einer „Mega-Herausforderung“. Verkehrsexperten nennen die Situation indes „programmiertes Chaos“. Planungsdezernent Werner Wingenfeld fürchtet, „dass die Schadstoffmessstelle an der Wilhelmstraße einige Zeit mehr zu tun haben wird, weil einige tausend Autos mehr als vorher kommen“. Gleichwohl erinnert er daran, dass man das Aquis-Plaza-Parkhaus bewusst im Verhältnis zu den knapp 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche eher klein gehalten habe, um nicht zu viel Publikum von Einzelhändlern an anderen Innenstadtbereichen Aachens abzuwerben.

Wer als Autofahrer am Mittwoch noch vor Einbruch der Dunkelheit erst seine Karosse geparkt und dann Aachens neuen Konsumtempel besucht haben will, kommt an den anderen Einzelhändlern sowieso (nicht) vorbei. Denn nur wer dezentral weit entfernt parkt oder darauf vertraut, dass die Aseag nicht ebenfalls im Stau stecken bleibt, wird wohl motorisiert sein Ziel erreichen.

Oberbürgermeister Marcel Phi-lipp rät eindringlich, Apag-Parkhäuser im Umfeld zu nutzen. Auch wenn einige — zum Beispiel in der Adalbertstraße — in der ersten Stunde zwei Euro kosten und damit doppelt so teuer wie Aquis Plaza sind.

Kaum jemand glaubt, dass weniger Menschen kommen, weil viele Geschäfte zur offiziellen Eröffnung gar keine Kunden empfangen dürfen. Vielen fehlen noch Baugenehmigungen oder Nutzungsendabnahmen — oder gleich beides. Centermanagerin Kathrin Landsmann will dazu erst am Dienstag Auskunft geben. Ein anderer Auftrag ist indes sicher vergeben: Zehn Verkehrskadetten mit LED-Tafeln sollen bis zu 80.000 anreisende Kunden leiten. Als das der Lkw-Fahrer vor dem Tunnel am Montag hört, lässt die Reaktion nicht auf sich warten. Kopfschütteln.