Anwohner sehen illegalen Eingriff der Stadt Aachen in Luisenhöfen

Gehölzschnitt in Luisenhöfen : Anwohner drohen Stadt mit Anzeige

Der Vorgang lässt offenbar Spielraum für unterschiedliche Interpretationen. Unstrittig ist hingegen, dass die Aufregung bei einigen Mitgliedern der Bürgerinitiative Luisenhöfe groß ist, nachdem Mitarbeiter des städtischen Immobilienmanagements im Boxpark zu Säge und Heckenschere gegriffen haben. Sogar von einer Anzeige ist jetzt die Rede.

„Es kann doch nicht sein, dass sich die Stadt Aachen etwas erlaubt, das für jeden Bürger verboten ist“, ärgert sich Silvia Poth, nachdem sie auf dem städtischen Grundstück zwischen Südstraße, Mariabrunnstraße, Reumontstraße und Boxgraben eine „böse Überraschung“ erlebt hat. Obwohl das Naturgesetz zwischen dem 1. März und dem 30. September einen starken Rückschnitt von Bäumen, Hecken und Gebüschen untersagt, habe der städtische Trupp einen „radikalen Eingriff“ in diesem Teil der Luisenhöfe vorgenommen. „Da sind Sträucher massiv zurückgeschnitten und Bäume gefällt worden“, berichtet die Anwohnerin, die auch Mitglied der Bürgerinitiative Luisenhöfe ist.

Bei der Stadt Aachen will man das so nicht bestätigen: „Im Boxpark, der städtisches Eigentum ist, sind während des letzten Sturms einige Bäume umgefallen, unter anderem eine stattliche Magnolie“, erklärt Harald Beckers vom Presseamt auf Anfrage unserer Zeitung. „Mitarbeiter des Stadtbetriebs haben die Fläche inzwischen aufgeräumt, unter anderem aus Gründen der Verkehrssicherheit.“

Silvia Poth kann dieser Argumentation nicht folgen. „Es handelt sich ja nicht um einen öffentlich zugänglichen Raum. Also gibt es auch niemanden, der gefährdet werden kann“, findet sie und kündigt an, gemeinsam mit anderen Anwohnern weitere Schritte prüfen zu wollen: „Wir haben Kontakt zum Nabu aufgenommen und gehen davon aus, dass wir den Vorgang zur Anzeige bringen werden.“

Natürlich, so räumt Poth ein, spiele bei der Bewertung der Lage auch die Sorge mit, dass das Vorgehen der Stadt in einem Zusammenhang stehen könnte mit dem geplanten Bauvorhaben. Das aber weist Harald Beckers zurück: „Damit haben diese Aufräumabreiten wirklich nichts zu tun.“

Im Rahmen der „Quartiersentwicklung Luisenhöfe“ sollen in dem innerstädtischen Hinterhofareal mehrere viergeschossige Wohngebäude mit bis zu 200 Wohnungen, kleinere Gewerbeeinheiten, eine Kita und zwei Tiefgaragen entstehen. Realisiert wird das Projekt von der Luisenhöfe GmbH, in der sich die beiden Aachener Immobiliengesellschaften Landmarken und Aixact zusammengetan haben.

Die Bürgerinitiative Luisenhöfe setzt sich bereits seit 2016 unter dem Motto „Weniger ist mehr“ für eine geringere Verdichtung der Bebauung ein. Noch bis zum 12. April können Bürger im Zuge der frühzeitigen Beteiligung ihre Anregungen und Kritikpunkte einbringen. Im Herbst soll dann der überarbeitete Bebauungsplan offengelegt werden.