Aachen: Anwohner reagieren auf Flüchtlinge verschieden

Aachen: Anwohner reagieren auf Flüchtlinge verschieden

Stadtsprecher Bernd Büttgens stellte gleich zu Beginn klar: „Eine Grundsatzdiskussion über die Unterbringung von Flüchtlingen hier am ehemaligen Sportplatz Adenauerallee wird es nicht mehr geben.“ Im Juli ziehen rund 50 „schutzbedürftige Personen“ von der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne dorthin um.

Die Stadt hatte Anwohner und ehrenamtliche Helfer am Donnerstagabend eingeladen, sich über die Unterbringung in den 150 „Spaceboxen“ zu informieren, die nach rund einjährigem Leerstand nun zum Teil belegt werden.

Den Grund erklärte Manfred Sicking, Dezernent für Wirtschaftsförderung, Soziales und Wohnen: „Aktuell haben wir eine Anfrage der Bundeswehr, die Spaceboxen auf dem Kasernengelände für Seminar- und Schulungsteilnehmer zu nutzen. Mit dem Umzug haben wir eine ökonomisch und vor allem auch sozialpolitisch gute Lösung gewählt.“ Denn die Spaceboxen auf dem ehemaligen Sportplatz sind gekauft, aber bislang ungenutzt. Die Boxen auf dem Kasernengelände können an die Bundeswehr vermietet werden, zugleich aber auch kurzfristig für neu zugewiesene Geflüchtete wieder zur Verfügung stehen.

Anders als in Gemeinschaftseinrichtungen für Geflüchtete stehen den Bewohnern der Spaceboxen ein abschließbarer Wohnraum mit Kochnische und eigener Nasszelle zur Verfügung — immer noch kein Luxus, „aber wenn ich eine allein reisende Frau mit Baby frage, ob sie hier oder in einer Gemeinschaftseinrichtung mit Gemeinschaftsduschen wohnen möchte, fällt die Antwort eindeutig aus“, sagte Sandra Knabe, Abteilungsleiterin „Übergangswohnen“ im Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration. Neben dieser Zielgruppe gehören zu den „ausgesuchten“ Bewohnern auch einige Männer, die ebenfalls als schutzbedürftig gelten — etwa weil sie traumatisiert sind. „Wir gehen bei der Belegung sensibel vor und bringen hier ganz sicher keine allein reisenden jungen Männer unter“, versprach sie.

Für zusätzlichen Schutz sorgt eine 24-Stunden-Besetzung durch das Deutsche Rote Kreuz mit einem Mitarbeiter im Sicherheitsdienst und einer sozialen Betreuung zusätzlich zum Sozialdienst der Stadt. Zugleich rutschen die Bewohner näher an die Stadt und in ein Wohngebiet, „das eine bessere Integration ermöglicht“, wie Abteilungsleiter Rolf Frankenberger hoffte.

Die Besucher des Infoabends teilten sich in drei Lager: 1. ehrenamtliche Helfer in der Flüchtlingsarbeit, die nur Positives zu berichten wussten oder die eine Versorgung mit Sprach- und Integrationsangeboten weiterhin sichergestellt wissen wollten; 2. konstruktiv eingestellte Anwohner, die in erster Linie um ihre Nachtruhe besorgt waren; 3. Nachbarn, die höchst skeptisch auf das Containerdorf blicken und nicht nur Angst vor Ruhestörung haben.

Mit den Ehrenamtlichen ohnehin, aber auch mit der zweiten Gruppe wird die Stadt im Gespräch bleiben: In einigen Monaten soll es noch einmal ein Treffen geben, um sich über potenzielle Probleme mit Lärm und anderen Belästigungen auszutauschen. Die dritte Gruppe wird wohl auch weiterhin bei der Stadt kein Gehör finden, „denn Aachen übernimmt Verantwortung“, so Sicking.

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