Anwohner fordern Tempolimit für Lütticher Straße in Aachen

Kuddelmuddel auf der Lütticher Straße : Tempo 50 für Preuswald und Bildchen rückt näher

„Das ist absurd. Ein Schildbürgerstreich, ein wahrer Schilder-Bürgerstreich.“ Zustimmendes Lachen und Beifall bestätigte die Dame, die mit witzigem Wortspiel einen kuriosen Kuddelmuddel auf der Lütticher Straße beschrieb. Und dieser Kuddelmuddel war nun Thema im Bürgerforum.

Auf der Route Innenstadt-Belgien wechselt die zulässige Höchstgeschwindigkeit nämlich fortwährend. Mal dürfen es nur 50 km/h sein, mal 70, kurz darauf wieder 50, zig Meter weiter wieder 70 – ein merkwürdiges Hin und Her bis zur Grenze.

Das Bürgerforum befasste sich mit der verworrenen Lage. Die Bürgerinitiative Preuswald-Bildchen hatte den Ausschuss des Stadtrats um Hilfe angerufen. Weshalb das Forum – wie in den vergangenen Monaten erfolgreich praktiziert – wieder hinaus zu den Bürgern zog. Kapp 50 Zuhörer kamen zur Sitzung ins Gemeindezentrum Preuswald.

Seit mehr als vier Jahren fordern die Bürger von Preuswald und Bildchen, auf der Lütticher Straße entlang ihrer Wohnsiedlung und Häuser die zulässige Höchstgeschwindigkeit zur Verkehrssicherheit für alle, insbesondere aber für Kinder, Radfahrer und Senioren, auf 50 Kilometer pro Stunde zu senken. Denn ausgerechnet dort, wo viele Menschen wohnen und arbeiten, gilt Tempo 70. Das Kinderheim Maria im Tann, die Jugendberufshilfe der Stadt, der Kletterwald und demnächst ein großer Discounter liegen nahe.

Plakataktionen entlang der Straße, Eingaben an Behörden, das Einschalten des Öcher Ministerpräsidenten Armin Laschet – nichts und keiner konnte bislang helfen (unsere Zeitung berichtete mehrfach).

Denn das Recht sieht es anders, weil: Die Lütticher Straße ist zwischen Ortsausgang Aachen und Grenze Bildchen straßenrechtlich eine Bundesstraße und damit eine „freie Strecke“. Sie liegt in der Straßenbaulast des Landesbetriebs Straßenbau NRW. Außerorts gilt grundsätzlich die Höchstgeschwindigkeit 100 km/h, die allerdings auch wegen der vielen Einmündungen in die Lütticher Straße bereits auf 70 km/h reduziert ist.

„Es geht um Leben und Tod, warum hört man nicht auf uns?“ fragte Volker Siller als Sprecher der Initiative im Bürgerforum. Der freundliche 78 Jahre alte Herr, einst bekannter Kinderarzt, engagiert sich von Beginn an rührig und beharrlich für seine „lieben Bildchener, lieben Preuswälder“. Mit einer Power-Point-Präsentation zum „Tempo-Flickenteppich Lütticher Straße“ begeisterte er mit einer umfassenden Chronologie zu den Wünschen der Bürger auch im Forum.

Volker Siller und Mitstreiter wissen längst die Politik auf ihrer Seite. So hat der Mobilitätsausschuss schon im Januar 2017 beschlossen, „alle Möglichkeiten zu prüfen, um auf einem Teilstück der Lütticher Straße von der Waldschenke bis zur Grenze eine einheitliche Tempo-50-Regelung“ zu schaffen. Nichts geschah.

Die Verwaltung bewegt sich

Doch auch die Verwaltung bewegt sich jetzt. Dem Bürgerforum präsentierte Heike Ernst von der Unteren Straßenverkehrsbehörde einen verblüffend simplen Vorschlag. Den regte die Polizei an – schon vor zwei Jahren. Da die Bebauung auf 300 Metern zwischen den Hausnummern 509 und 529 schräg gegenüber Preuswald direkt von der Lütticher Straße erschlossen sei, liege straßenverkehrsrechtlich, so Ernst, eine „geschlossene Ortschaft“ vor. Die sei mit Ortstafeln auszuweisen. Folge: Innerorts gilt 50 km/h. Der Landesbetrieb Straßenbau stimmt dem zu unter der Bedingung, dass die Stadt für diesen Abschnitt die Straßenbaulast übernehme.

Das akzeptierte das Bürgerforum zwar als Minimallösung, ging ihm aber nicht weit genug. „Die Vorlage der Verwaltung erschließt sich mir nicht ganz“, meinte SPD-Ratsherr Manfred Bausch, weshalb er anregte, die Lütticher Straße über das Haus Nr. 529 „bis über den Kreuzungsbereich zum Preuswald hin“ zur geschlossenen Ortschaft zu erklären und Ortstafeln aufzustellen. Bausch: „Ich bin gespannt, wer das beanstandet. Auch die Bürger in Preuswald sind quasi Anlieger der Lütticher Straße.“ Ratsherr Simon Adenauer (CDU) setzte noch eins drauf: Der Mobilitätsausschuss möge darüber hinaus prüfen, den gesamten Abschnitt von der Grenze bis zum zukünftigen Discounter an der Einmündung „Unterer Backertsweg“ als geschlossene Ortschaft auszuweisen.

Das Forum folgte beiden Vorschlägen einstimmig. Die Bürger von Bildchen und Preuswald sehen sich ihrem Ziel nähergekommen. Sie bedankten sich mit viel Beifall.

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