Geld oder Gesundheit? : Anwohner fordern neuen Asphalt auf der A4 zur Lärmreduzierung

Geld oder Gesundheit? : Anwohner fordern neuen Asphalt auf der A4 zur Lärmreduzierung

Was ist wohl höher zu bewerten: Geld oder Gesundheit? Auf nichts Geringeres als diese Frage spitzte sich die Diskussion über den Punkt Lärmsanierung der Autobahn A4 in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Richterich zu.

Denn schon in der Bürgerfragestunde führte die Seniorenrätin Marlene Beaujean den Bezirksvertretern, vor allem aber der Vertreterin des zuständigen Landesbetriebs Straßenbau, die „krankenmachende Lärmsituation“ in Richterich vor Augen. „Und daran gewöhnt man sich auch nicht.“

Unterstützung erhielt sie von Anwohnerin Elisabeth Thesing-Bleck, die daran erinnerte, dass den Richterichern bereits vor 40 Jahren ein wirkungsvoller Lärmschutz versprochen worden war. 2008 habe man dann die Errichtung von Lärmschutzwänden mit halber Höhe mitgetragen, weil binnen zwei Jahren ein lärmreduzierender Asphalt folgen sollte. „Und nun warten wir schon wieder zehn Jahre“, klagte sie an und forderte zugleich: „Jetzt verdienen wir einen besseren Lärmschutz als Ausgleich für die lange Wartezeit.“

Doch dieser Wunsch wird nicht erfüllt. Das hatte das Landesverkehrsministerium den Bezirksvertretern bereits vorab in einem ausführlichen Schreiben mitgeteilt. Demnach werde — wie schon mehrfach in den Sitzungen der Richtericher Bezirksvertretung diskutiert — auf der A4 zwischen dem Autobahnkreuz Aachen und dem Grenzübergang Vetschau ein lärmmindernder Asphalt aufgetragen, der die Lärmbelastung um zwei db(A) verringert.

Die Kombination aus den bereits bestehenden Lärmschutzwänden, dem Einbau einer neuen Lärmschutzwand als Lückenschluss an der Brücke Roermonder Straße sowie dem lärmmindernden Asphalt habe „eine vergleichbare Lärmschutzwirkung wie die Anwendung eines offenporigen Asphalts mit keinen beziehungsweise deutlich niedrigeren Lärmschutzwänden“, heißt es in dem Schreiben aus dem Ministerium.

Doch genau diesen offenporigen Asphalt, der eine Lärmminderung von fünf db(A) und mehr bringt, wollten die Anwohner haben. Eine Vertreterin des Landesbetriebs Straßenbau zählte vor Ort auf, warum das nicht geht: 1. Dieser Belag sei für so eine stark befahrene Autobahn nicht beständig genug und müsse nach maximal zehn Jahren wieder erneuert werden. 2. Die Entwässerung dieses Asphalts sei aufwendig und teuer. 3. Auf Brückenbauwerken sei es so gut wie unmöglich, den offenporigen Belag aufzubringen, und davon gebe es im Bereich Richterich immerhin drei.

Kurzum: „Der offenporige Asphalt ist in diesem Bereich nicht wirtschaftlich genug“, stellte die Vertreterin des Landesbetriebs fest.

Baubeginn 2019

Das rief dann die Bezirksvertreter auf den Plan. Horst Werner (SPD) warf schließlich ein: „Meines Erachtens ist die Gesundheit doch höher einzuschätzen als die Kosten.“ Das sollte man doch abwägen, fordert er. Doch die Vertreterin des Landesbetriebs entgegnete: „Das ist bereits das Ergebnis einer Abwägung.“

Besser — also ruhiger — werde es aber auf alle Fälle, versprach sie und kündigte zugleich an, dass die restlichen Lärmschutzwände an der Brücke Roermonder Straße sowie in Fahrtrichtung Köln 2019 errichtet werden und unmittelbar danach mit der Asphaltsanierung begonnen wird.

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