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Aachen: Anwältin zockte Mandanten 700.000 Euro ab

Aachen : Anwältin zockte Mandanten 700.000 Euro ab

Lange hat es gedauert, bis die ehemalige Aachener Anwältin Maria B. (55) gesundheitlich wieder so weit hergestellt war, dass gegen sie in einem umfangreichen Betrugsverfahren verhandelt werden kann. Erste Erkenntnisse über ihre mutmaßlichen Umtriebe gab es bereits im Januar 2013.

Verhandelt werden kann allerdings momentan nur für wenige Stunden pro Verhandlungstag, so dass 35 Tage für diesen Mammutprozess vorgesehen sind.

Die dereinst angesehene Strafverteidigerin, die sich insbesondere mit der juristischen Problematik der Sicherungsverwahrung gut auskannte und entsprechende Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg führte, muss sich vor der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht in rund 100 Fällen von gewerbsmäßigem Betrug, Unterschlagung und Geldwäsche verantworten.

Laut der am Montag verlesenen Anklageschriften — es sind zwei an der Zahl — hat sie die ihr zur Last gelegten Taten, die meisten davon Betrugstaten, etwa ab Oktober 2007 und dann regelmäßig bis Januar 2013 begangen. Ab dann häuften sich die Anzeigen von Mandanten bei der Anwaltskammer, so dass polizeiliche Ermittlungen begangen. In deren Folge gab die von dem Aachener Strafverteidiger Osama Momen und einer weiteren Anwältin vertretene Juristin ihre Anwaltslizenz zurück.

Als Beruf gab Maria B. gestern auf Nachfrage von Roland Klösgen, dem Vorsitzenden Richter der Kammer, „juristische Assessorin“ an. Die Vorwürfe gegen B. wiegen auch deswegen schwer, weil beträchtliche Geldbeträge im Spiel sind, von der Staatsanwaltschaft wurde eine Schaden­summe von rund 700.000 Euro angeklagt. Davon habe die Anwältin, deren anscheinend schlecht laufende Kanzlei sich zunächst in der Theaterstraße und später in der Augusta-straße befand, etwa 330.000 Euro wieder zurückgezahlt.

Die Masche lief in Form eines Schneeballsystems ab. Des Öfteren habe sich Maria B. bereits vor ihren Mandatierungen von den Familien frisch einsitzender Straftäter erkleckliche Summen auszahlen lassen. Die würden, hatte die Anwältin dreist behauptet, unmittelbar für angebliche Kautionszusagen der Staatsanwaltschaft fällig. Die behördlichen Zusagen habe es jedoch überhaupt nicht gegeben, hieß es in der Anklage. Zusätzlich wurden Mandantengelder, die nach Verkehrsunfällen oder bei Schmerzensgeldzahlungen eingingen, nicht auf sogenannte sichere „Anderkonten“ gebucht, das Geld habe sie einfach über das normale Girokonto laufen lassen. Wenn empörte Rückforderungen kamen, vereinbarte sie so gut wie möglich Ratenzahlungen, die sie dann mit neuen „Einnahmen“ beglich.

So zockte sie auch Firmen in Belgien und den Niederlanden ab, es waren Einzelsummen von mal 20.000, 40.000 oder bis zu 100.000 Euro im Spiel.

Die Anwältin hat ein schillerndes Vorleben. Vor einigen Jahren heiratete sie im Knast einen wegen Betrugs verurteilten Häftling in Sicherungsverwahrung — und schaffte es, dass er wieder auf freien Fuß kam. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.