Aachen: „Antirassistische Offensive“ macht mobil gegen Armut und Hassparolen

Aachen: „Antirassistische Offensive“ macht mobil gegen Armut und Hassparolen

Ihr Name soll einmal mehr Programm sein: Die „Antirassistische Offensive Aachen“ will am kommenden Samstag erneut Flagge zeigen gegen rechte Hetze, zunehmende Armut und Ausgrenzung jener, die seit Jahr und Tag oder auch erst seit kurzer Zeit im Schatten der Wohlstandsgesellschaft leben.

Ab 14 Uhr wollen rund 200 Gleichgesinnte aus unterschiedlichsten Initiativen vom Bahnhof Rothe Erde aus zum Protestmarsch Richtung City aufbrechen, um der vielzitierten Forderung nach Integration und Teilhabe Nachdruck zu verleihen.

„Es darf nicht sein, dass rechte Parteien und Gruppierungen in zunehmendem Maße das Elend in unserem Land instrumentalisieren, indem sie Betroffene gegeneinander ausspielen“, sagt Igor Gvozden, der die Demo mit seinen Mitstreitern Christian Walter und Mario Esser organisiert hat.

Nicht erst seit tausende Immigranten auf der Flucht vor Krieg, Diktatur und Hunger Asyl in der Region suchen, lebten zahlreiche Menschen auch in Aachen in sozialer Isolation und bitterer Armut, betonen die Initiatoren. Deshalb gelte es, Solidarität zu zeigen gegen populistische oder offen aggressive Versuche, einen Keil zwischen die Opfer eines verfehlten politischen Lobbyismus zu treiben, meint Walter: „Wir hoffen, dass sich uns auch viele Flüchtlinge anschließen, um auf Missstände aufmerksam zu machen.“

Zurzeit lebten fast 20 Prozent der Menschen in Aachen in Armut. „Wir wollen, dass in diesem Land alle ein gutes Leben führen können“, bekräftigt Gvozden. „Jeder hat Anspruch auf Bildung, eine vernünftige Wohnung und einen Job mit ausreichender Entlohnung.“

Nach wie vor aber trage auch die „etablierte“ Politik den rechtlich verbrieften Grundbedürfnissen bei weitem nicht im ausreichenden Maß Rechnung. Immer noch herrsche eklatanter Mangel an preiswertem Wohnraum, während ausgerechnet die Rüstungsindustrie glänzende Exportbilanzen aufweise.

Die Schere zwischen Armen und Reichen öffne sich derweil weiter, rechtsradikale Brandstifter witterten jetzt Morgenluft. Erst vor wenigen Tagen sei etwa ein „Stolperstein“ zum Gedenken an Aachener KZ-Opfer in der Augustastraße beschädigt worden. Der Staatsschutz ermittelt, wie die Polizei mitteilt.

„Gleichzeitig werden Menschen, die weggeworfene Lebensmittel aus Supermarkt-Containern herausholen, auch in Aachen vor Gericht gestellt“, kritisiert Walter. Zwei derartiger „Fälle“ lägen der hiesigen Staatsanwaltschaft vor. „Wir wollen, dass das Verfahren wegen vermeintlichen schweren Diebstahls fallengelassen wird“, betont Walter, der vor kurzem die Initiative „Containern ist kein Verbrechen“ ins Leben gerufen hat. Inzwischen habe man eine entsprechende Petition an die Staatsanwaltschaft gesandt, der sich bundesweit bereits fast 100.000 Menschen per Internet angeschlossen hätten.

(mh)