Aachen: Anne-Frank-Gymnasium ist nun „Schule ohne Rassismus“

Aachen: Anne-Frank-Gymnasium ist nun „Schule ohne Rassismus“

„Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage“: Diesen Titel darf nun das Anne-Frank-Gymnasium führen. Zu danken sei das vor allem der Lehrerin Marion Brögelmann und ihren Schülern, sagte Schulleiter Wolfgang Gurzan bei der offiziellen Verleihung des Titels. Damit verpflichtet sich die Schule, für ein angenehmes, offenes und tolerantes Klima zu sorgen und sich weiter mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Eine Welt ohne Rassismus? Die können sich die Schüler und Schülerinnen des Anne-Frank offensichtlich nicht vorstellen. Zu tief verwurzelt seien vielleicht die Vorurteile und die Vorbehalte. Aber sie zeigten während des Programms zur Auszeichnung in der Aula, dass sie gewillt sind, alles dafür zu tun, dass zumindest an ihrer Schule ein weltoffenes Klima herrscht. Und sie erhoben Michael Jacksons „We are the world“ zur Hymne ihrer antirassistischen Ausrichtung.

Verleihung „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage: In der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums wurde die Schülerschaft ausgezeichnet und erhielt vom Kommunalen Integrationszentrum die Urkunde. Foto: Ralf Roeger

„Deutschland hat viele Kulturen. Das macht Deutschland aus“, sagt eine Schülerin. „Und wer rassistische Gedanken hat, der soll sie für sich behalten“, sagt eine andere. In Sketchen und in einem Film zeigen sie auf, wie man mit Rassisten umgehen kann. „Mut haben und nicht still sein“, lautet die Botschaft, die sie ihren Mitschülern vermitteln.

Wie schwer es ist, sich in einem fremden Land und in einer fremden Sprache zurechtzufinden, zeigten die kurzen Beiträge Betroffener. Sich in ihre Lage zu versetzen, ist nach Meinung der Anne-Frank-Schüler ein wesentlicher Schritt, um rassistisches Gedankengut im Keim zu ersticken.

Alexander Gilson, Bezirksbürgermeister in Laurensberg und ehemaliger Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums, begann seine Gratulation mit dem so bekannten Zitat aus dem Grundgesetz: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Und obwohl dieser Satz doch so selbstverständlich sei, brauche es gerade in Zeiten wie diesen Auszeichnungen wie „Schule gegen Rassismus — Schule mit Courage“. Gilson ist gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Karl Schultheis Pate des Projekts.

„Es war eine Menge Arbeit, zu dieser Auszeichnung zu kommen“, sagte Schultheis in seiner Ansprache. 70 Prozent der Schüler mussten eine Erklärung unterschreiben, in der sie sich gegen Rassismus aussprachen. Wie verbreitet der ist, zeigten zu Beginn auch viele Negativ-Beispiele der Schüler. „Kauf dir mal ‚ne Tüte Deutsch“, gehört dabei zu den harmloseren Bemerkungen. „Nicht den Hass schüren, sondern die Liebe“, forderte er in Anlehnung an Nelson Mandela. Und abschließend lud er die Schüler zu einer „guten Zusammenarbeit für eine bessere Welt“ ein.

Marita Gülpen, Kommunales Integrationszentrum der Stadt Aachen, übergab den Schülern die Urkunde. „Insgesamt 1200 Schulen engagieren sich im Netzwerk gegen Rassismus“, sagte sie. Courage heiße „nicht wegsehen“ und wenn das gelinge, sei schon viel gewonnen. Die Schüler des Anne-Frank jedenfalls wollen auch in Zukunft ganz genau hinsehen. „Und das ist dann auch ganz im Sinne unserer Namenspatronin Anne Frank“, meint Schulleiter Wolfgang Gurzan.

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