Anja Wiese als Försterin im Aachener Gemeindeforst tätig

Neue Revierleiterin : Anja Wiese kämpft gegen einen fiesen Käfer

Seit dem 1. August ist Anja Wiese als Försterin im Aachener Gemeindeforst im Einsatz. Die 24-Jährige ist zuständig für die Forstbetriebsbezirke Adamshäuschen und Münsterwald West. Und nicht nur der Borkenkäfer macht ihr und ihren Kollegen viel Arbeit.

Das ist eine Menge Holz: Anja Wiese wird in den nächsten Wochen dafür sorgen, dass im Bereich Adamshäuschen etliche 1000 Bäume aus dem Wald geschafft werden. Nach dem zweiten Extremsommer in Folge sind die Bäume vom Borkenkäfer befallen und müssen schleunigst gefällt werden. Anja Wiese, 24, ist seit dem 1. August als Försterin im Aachener Gemeindeforst im Einsatz. Als Revierleiterin kümmert sie sich um die Forstbetriebsbezirke Adamshäuschen und Münsterwald West. Den Kampf gegen den fiesen Käfer nimmt sie energisch auf.

Ihr Chef, Forstamtsleiter Gerd Krämer, ist froh über die Verstärkung. Denn die Stelle war zuvor anderthalb Jahre lang unbesetzt. Und im Öcher Bösch ist, vor allem infolge von Trockenheit und Schädlingsbefall, richtig viel zu tun. „Ich hoffe, dass in Adamshäuschen Anfang Dezember das letzte Holz seine Reise aus dem Wald antritt“, sagt Wiese.

Sie und ihre Kollegen haben aber das nicht unbedingt selbst in der Hand. Denn die Firmen, die mit großen Erntemaschinen das Holz aus den Wäldern holen, sind aktuell sehr gefragt und auf Monate ausgebucht. Anja Wiese hat ihren Job als Försterin in einer Zeit angetreten, in der der Wald mächtig angeschlagen ist. „Aber die Herausforderung nehme ich gerne an“, sagt sie.

Aufgewachsen ist sie im Sauerland, in Göttingen hat sie Forstwissenschaften studiert. Für den gehobenen Dienst, Voraussetzung für die Revierleitung, war dann noch eine einjährige Anwärterausbildung nötig. Erste Berufserfahrungen hat sie im Anschluss bei der Landesforstverwaltung gesammelt. Und nun ist sie als Försterin für 1200 Hektar Wald zuständig, eine Fläche von rund zwölf Quadratkilometern. „So ein Gebiet lernt man nicht an einem Tag kennen“, sagt sie. Aber sie habe sich schon einen guten Überblick verschafft. Schließlich musste Anja Wiese ab dem ersten Tag alle Aufgaben übernehmen, die der Job mit sich bringt. Schonzeit gibt es nicht im Forst.

Als Revierleiterin organisiert sie den Einsatz von drei Forstwirten in ihrem Bezirk. Sie legt fest, welche Bäume gefällt werden, wo neu angepflanzt wird oder wo der Wald verjüngt werden muss. Markiert sie einen Baum mit einem roten Strich aus der Spraydose, ist dessen Schicksal besiegelt: Kommt weg, heißt das. Die Jagd gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben, denn als Försterin kontrolliert sie auch den Wildbestand. Der Erwerb des Jagdscheins ist Voraussetzung für den Job.

Gemeinsam mit ihren Kollegen baut Anja Wiese am Wald der Zukunft. Was sie ab jetzt pflanzt, das wächst, wenn es gut geht, auch für die kommenden Generationen noch im Bösch. Überall in den Forstämtern macht man sich derzeit Gedanken, wie den Folgen des Klimawandels zu begegnen ist. Am Gemeindeforstamt an der Monschauer Straße warten derzeit 12.000 winzige Weißtannen darauf, in den Boden gebracht zu werden. „Wir arbeiten vermehrt mit Tannen“, erläutert Forstamtschef Krämer. „Es hat sich gezeigt, dass die nicht so sturmanfällig sind und auch besser mit der Trockenheit zurechtkommen.“

Bikepark und Kletterwald

Anja Wiese hat als Försterin nicht nur mit Bäumen und Tieren zu tun. Der Wald ist heutzutage auch Erholungswald, und für den Bereich Adamshäuschen gilt das ganz besonders. Der Kletterwald im Preuswald gehört ebenso zu ihrem Revier wie der Bikepark am Dreiländereck. Und zwischen den unterschiedlichen Nutzern des Waldes gab es in der Vergangenheit immer mal wieder Konflikte. Weil „ihr“ Wald so viele Besucher hat, rechnet Anja Wiese auch nicht damit, dass dort so bald ein Wolf auftaucht. „Dem Wolf ist es hier viel zu unruhig“, ist sie überzeugt. Für den Münsterwald allerdings, eher ein klassischer Wirtschaftswald, möchte Gerd Krämer gar nicht ausschließen, dass irgendwann ein Wolf auftaucht.

Ein anderer Vierbeiner steht bei der 24-Jährigen indes ganz oben auf der Wunschliste: ein Hund. Derzeit hat die junge Försterin nämlich keinen. Am liebsten hätte sie einen Wachtelhund. Die Rasse habe ein freundliches Wesen und sei als Familienhund geeignet, erzählt Wiese. Als Jagdhund stöbere er gerne, verfolge aber auch Fährten. Und das ist im Aachener Gemeindeforst immer mal wieder nötig. An den drei großen Ausfallstraßen Lütticher Straße, Eupener Straße und Monschauer Straße werde immer mal wieder Wild angefahren und flüchte verletzt in den Wald, berichtet Gerd Krämer. „Das müssen wir dann finden.“

Für den kommenden Winter haben Krämer und seine neue Revierförsterin derzeit eigentlich nur einen Wunsch: Regen, Regen, Regen. Die nassen Tage kürzlich hätten bei weitem nicht genug Feuchtigkeit in den Wald gebracht, sagen sie. Neulich hat Anja Wiese unter einem Fichtenbestand im Münsterwald ein Stück Moosschicht weggezogen. „Darunter war alles staubtrocken“, berichtet sie. „Im Unterboden ist noch nichts angekommen.“

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