An heißen Tagen gibt es lange Schlangen vorm Hangeweiher in Aachen

Aachener Hangeweiher : Freibad bekommt Andrang nicht in den Griff

Schlangen wie die Netzpython, die bis zu zehn Meter lang wird und damit zu den größten Schlangen der Welt zählt, fühlen sich bei tropischen Temperaturen pudelwohl. Für die Schlange am Freibad Hangeweiher gilt das nicht. Und die ist auch noch deutlich länger. Oft länger als das 50-Meter-Becken im Innern.

Bis potenzielle Badegäste das kühle Nass erreichen, sind Geduld und Nerven gefragt. Und Durchhaltevermögen bei schweißtreibenden 37 Grad Celsius am Dienstagnachmittag. Der Grund: Die drei Kassenautomaten vor dem Freibad-Einlass können den Andrang nicht bewältigen. Da hilft es auch kaum, dass angesichts chaotischer Zustände vor den Bezahlautomaten „in extremen Stoßzeiten noch eine zusätzliche ,Handkasse’ aufgemacht wird“, wie Björn Gürtler vom städtischen Presseamt erklärt.

Die Wartezeiten sind lang, der Ärger groß. Sobald sommerliches Klima in Aachen herrscht, explodieren die Besucherzahlen. Während im Mai 2018 exakt 22.682 Badegäste im Hangeweiher gezählt wurden, waren es im zurückliegenden kühlen und eher verregneten Mai nur 5533. Bislang strömten in diesem Juni schon 22.723 Menschen ins einzige Freibad der Stadt, und eine Woche steht noch aus. Der komplette Juni 2018 landete mit 22.661 Besuchern in der Statistik; die Zahl wurde bereits übertroffen. Auch weil etwa am 2. Juni an einem einzigen Tag 4140 Besucher ein Ticket lösten; vergangenen Sonntag immerhin rund 3500. Dann wird’s nicht nur im Freibad-Gehege, sondern vor allem vor der Tür eng.

Warum die Aachener Stadtverwaltung dieses Problem seit Jahren nicht in den Griff bekommt, erklärt das Presseamt so: Schon vor knapp vier Jahren bemängelten Planer, dass der Eingangsbereich unattraktiv, die Wegeführung schlecht, Umkleiden und Duschen in dem betagten Betonkomplex veraltet seien. Es gebe viel ungenutzte Fläche in den maroden Altbauten, die am besten abgerissen und durch Neubauten ersetzt würden, hieß es.

Millionen Euro investiert

Zwar wurden zwischenzeitlich Millionen Euro in technische Anlagen – darunter Filter, Chlordosierungsanlage, Schwallwasserbehälter sowie die neuen Edelstahlbecken – investiert. Auch eine neue Breitrutsche und der neue Kinderbereich sind attraktiv. Die katastrophale Eingangssituation indes änderte sich nicht. 330.000 Euro sollten laut Politik erstmal in die theoretische Planung fließen. „Aber wann sich dort konkret etwas ändert, ist völlig offen“, sagt Gürtler. Das Presseamt empfiehlt deshalb in einem Rundschreiben vom Dienstag Schlangenlinien schon bei der Anreise zum Freibad – am besten mit Umwegen.

„Um möglichst schnell ins Wasser zu kommen und etwaige Warteschlangen an den Kartenautomaten am Eingang des Freibads zu umgehen, kann man sich eine Karte auch vorab in einer der städtischen Aachener Schwimmhallen holen oder seine Bonuskarte in Einzelkarten umwandeln lassen“, liest man da. Und weiter: „Also: Vorher in die Elisabethhalle, die Schwimmhallen Süd und Brand oder Ulla-Klinger-Halle, dort eine Karte für das Freibad kaufen oder umwandeln, ab zum Hangeweiher, Karte vorzeigen und schnell rein ins Vergnügen.“

Warten in der Hitze: Vor allem im Eingangsbereich muss mehr Geld in Bauwerke investiert werden. Foto: ZVA/Harald Krömer

Wenig erfolgreich laufen indes Aktionen, die mehr Personal ins Freibad lotsen könnten, wenn heiße Tage schon mit einigem Vorlauf dank Wetterprognose zu erwarten sind. Wofür das engagierte Team um Badleiter Torsten Liebl überhaupt nichts kann. Es liegt am Personalschlüssel. Nur zwei bis drei Aufsichtskräfte gebe es auch an Hochtagen im Freibad, dazu ein Mitarbeiter für die Einlasskontrolle und eine Reinigungskraft, teilt das Presseamt auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das war’s. Während der Sommerferien werde zudem Personal aus der dann geschlossenen Elisabethhalle im Hangeweiher eingeplant. Und zwar lange vorher.

Kurzfristige Personalplanänderungen angesichts bevorstehender Sonnentage seien eher nicht zu bewerkstelligen. Da fehle es an Flexibilität, so die Stadtverwaltung. Darum können auch keine zusätzlichen Kassen mit Personal bestückt werden. Obwohl vielleicht angesichts einer schnelleren und komfortableren Einlasssituation auch noch mehr erwachsene Badegäste gerne jeweils 3,50 Euro für die Eintrittskarte zahlen würden.

Solche Situationen kennt Björn Jansen, Chef der Carolus Thermen, nicht. Dort kostet der halbe Tag in der Badelandschaft an der Passstraße mit Sandstrand und Beachflair im Juli zwölf Euro. Beim Einlass gibt es kein Chaos, auch wenn rund 1000 Gäste pro Tag in die Thermen kommen und der Saunatempel dieses Jahr auf neue Rekordbesucherzahlen zusteuert. Apropos Sauna: Rund 200 saunierende Hitze- und Schwitzfans zählt Jansen allein im Saunabereich pro Tag – auch wenn das Außenthermometer längst die 30-Grad-Celsius-Marke geknackt hat. Die heißeste Sauna bringt es auf 100 Grad. „Und nebenan gibt es Kältebecken, immerhin an den heißesten Tagen mit frischen 14 Grad Wassertemperatur“, sagt Jansen.

Übrigens: Die kleinste Schlange der Welt misst zehn Zentimeter, ist dünn wie Spaghetti, lebt auf Barbados und gehört zu den Schlankblindschlangen. Motto: Augen zu und durch...

Mehr von Aachener Zeitung