Aachen: Altstadtquartier Büchel: Stadt will kein Störfeuer in Sachen Antoniusstraße

Aachen : Altstadtquartier Büchel: Stadt will kein Störfeuer in Sachen Antoniusstraße

Wenn es um die hochfliegenden Pläne für das Altstadtquartier Büchel geht, will die Stadt jegliches Störfeuer im Keim ersticken. Niemand soll insbesondere im Bereich der Antoniusstraße auf die Idee kommen, eigene Pläne zu verfolgen. Deshalb soll nun eine sogenannte „Veränderungssperre“ her.

Dieses Instrument aus dem Baugesetzbuch soll verhindern, dass während eines Bebauungsplanverfahrens im entsprechend festgelegten Gebiet Projekte angegangen werden, die die Pläne für die Zukunft durchkreuzen oder deren Umsetzung sogar unmöglich machen würden.

Das soll die Ziele des in Arbeit befindlichen Bebauungsplans absichern. Beispielsweise auf dem verwaisten Grundstück Ecke Nikolausstraße/Antoniusstraße dürfte dann vorerst nichts passieren. Foto: Michael Jaspers

Im vorliegenden Fall soll diese Sperre den Bereich von der Ecke Nikolausstraße/Antoniusstraße bis zum Haus Antoniusstraße 22 auf der einen Seite und von der Antoniusstraße 3 bis zum Haus Nummer 29 umfassen. Hinzu kommt das Haus an der Ecke Mefferdatisstraße/Antoniusstraße. Das sind genau die Bereiche, aus denen den bisherigen — und durchaus umstrittenen — Masterplänen zufolge künftig die Prostitution herausgehalten werden soll.

Diese soll vielmehr in einem „Laufhaus“ im östlichen Teil der Antoniusstraße hin zur Mefferdatisstraße sowie in wenigen Häusern auf der gegenüberliegenden Straßenseite konzentriert werden. Die Verwaltung führt in ihrer Vorlage für die Politik aus: „Ziel des Bebauungsplanes ist es, das Gebiet städtebaulich neu zu ordnen, aufzuwerten und zu einem vollwertigen Teil der Innenstadt zu entwickeln.“

Neben besagter „Aufwertung und städtebaulichen Neuordnung des gesamten Quartiers“ solle „durch Schaffung einer kerngebietstypischen Nutzungsmischung mit einem hohen Anteil an Wohnungen die Prostitutionsnutzung gesteuert werden“.

Mehrere Eigentümer

Offenbar befürchtet die Stadt, dass für Gebäude in diesem Bereich alsbald Anträge für Bauprojekte oder Umbauten gestellt werden könnten, „die den Zielen des Bebauungsplanes entgegenstehen“. Tatsächlich gibt es längst nicht nur Zuspruch für die Ideen in Sachen Altstadtquartier. Und das bezieht sich ebenso längst nicht nur auf die massiven Sicherheitsbedenken der Aachener Polizei, die einem abgeschotteten „Laufhaus“ eine klare Absage erteilt.

So gibt es überdies in und nahe der Antoniusstraße nicht nur einen, sondern eine ganze Reihe Hauseigentümer, die nicht alle begeistert sind von den „Zielen des Bebauungsplans“.

Zu diesen Eigentümern gehören dem Vernehmen nach Bordellbetreiber ebenso wie ganz „normale“ Hausbesitzer, die ihre dortigen Immobilien vermieten. Ebenso gehören Altstadtquartier-Investoren in diese Reihe. Und mittlerweile auch die Stadt selbst. Unter anderem das Eckgrundstück Nikolausstraße/Antoniusstraße, auf dem früher die Stadtreinigung zu Hause war, gehört der Familie Falter. Helmut Falter, Seniorchef der Mayerschen Buchhandlung, war vor einiger Zeit aus der Phalanx der Investoren, die das Altstadtquartier dereinst entwickeln sollen, ausgeschert.

Gegenüber unserer Zeitung hatte Falter betont, er werde keine Millionensummen investieren, wenn gleich nebenan weiterhin die Rotlichtszene mit all ihren unschönen Begleiterscheinungen bleibe. Auch ihn wird die „Veränderungssperre“, so die Politik ihr zustimmt, treffen. Denn auch er wird dann für die Dauer des Bebauungsplanverfahrens keine eigenen Ideen auf besagtem Eckgrundstück verwirklichen können.

Bis der Bebauungsplan steht, wird es allerdings noch eine ganze Weile dauern. Seine Aufstellung steht noch im Anfangsstadium. In den nächsten zwei, drei Jahren ist wohl nicht damit zu rechnen, dass in dem Bereich zwischen Kleinkölnstraße, Großkölnstraße, Mefferdatisstraße, Büchel und Nikolausstraße — beginnend mit dem vor sich hinrottenden und bröckelnden Parkhaus Büchel — gebaut werden kann.

Mehr als vier Jahre gewartet

Dass die Stadt ausgerechnet jetzt auf den Trichter kommt, eine „Veränderungssperre“ erlassen zu wollen, ist dabei durchaus bemerkenswert. Laut Baugesetzbuch (§ 14) kann eine „Veränderungssperre“ ab dem Zeitpunkt erlassen werden, an dem die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen worden ist. Das war im vorliegenden Fall genau am 5. Dezember 2013. Also vor fast viereinhalb Jahren. Ob da jemand etwas läuten gehört hat?