Aachen: Altkleidersammlung durch die Stadt nimmt konkrete Formen an

Aachen: Altkleidersammlung durch die Stadt nimmt konkrete Formen an

Der Einstieg der Stadt ins Textilgeschäft nimmt konkrete Formen an. Der Stadtbetrieb hat jetzt eine Liste mit 100 Standorten vorgelegt, an denen Sammelcontainer platziert werden sollen. Schon bald könnte die Stadt somit die — zumindest derzeit — lukrative Altkleidersammlung starten. Am 3. März berät darüber die Politik im Betriebsausschuss.

Als Hauptargument für die Übernahme eines Teils der Sammlung nennt die Stadt die Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Bis Mitte 2020 müsse eine Recyclingquote für „Siedlungsabfälle“ von 65 Prozent erreicht werden. In Aachen sind es aber derzeit nur 59 Prozent. Ganz abgesehen davon kann man aktuell mit Alttextilien richtig gut Geld verdienen. Zwischen 300 und 400 Euro pro Tonne werden am Markt gezahlt. Bei einer Gesamtmenge in Aachen von rund 2400 Tonnen pro Jahr kommt man an einen Verkaufserlös von einer knappen Million Euro. Kein Wunder, dass seit 2012 bei der Verwaltung 26 verschiedene Sammlungen angemeldet wurden, davon sechs von karitativen Organisationen.

Von dem Kuchen will sich die Stadt nun aber auch ein gutes Stück abschneiden. Die Stadt berechnet, dass pro 1000 Einwohner ein Container sinnvoll ist — ergibt für Aachen also etwa 250 Container. 100 davon will die Stadt an Standorten platzieren, an denen bereits Altglas gesammelt wird. 62 Standorte sind im Bezirk Mitte, zehn in Laurensberg, sieben in Kornelimünster/Walheim, sechs in Brand und je fünf in Haaren/Verlautenheide, Richterich und Eilendorf geplant. Die Anschubinvestitionen halten sich dabei in Grenzen. Ein Container kostet 1300 Euro, ein Pritschenwagen zur Abholung der Kleider wird auf 48 000 Euro taxiert. Diese Summen wären rasch wieder „eingespielt“. Die Stadt würde selber einsammeln, die Verwertung soll ausgeschrieben werden.

Das Vorgehen der Stadt sorgt indes bei den Karitativen — in Aachen sammeln beispielsweise das DRK, die Malteser und die „Wabe“ — für wenig Begeisterung. Zwar sieht der Stadtbetrieb für die Karitativen noch „genügend Freiraum, um auf Privatgrundstücken im Stadtgebiet weiterhin Altkleider zu sammeln“. Aber dazu müssen die Organisationen erst einmal besagte Stellflächen auf Privatgrundstücken finden, auf denen sich bereits die Kommerziellen tummeln, wie Gerold Alzer von den Maltesern — sie betreiben 26 Container, davon 15 auf öffentlichen Flächen — auf Anfrage darlegt. Die Altkleidersammlung sei für die Malteser ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: „Von den Erlösen bezahlen wir zum Beispiel die Ehrenamtlerausbildung im Katastrophenschutz und Hospizdienst“, erläutert Alzer.

Ebenfalls auf Standortsuche ist die „Wabe“, die zehn Container hat. Deren Geschäftsführer Alois Poquett merkt kritisch an: „Ich war überrascht von den Plänen der Stadt. Ich finde es nicht besonders fein, nach 20 Jahren so mit seinen langjährigen Partnern umzugehen.“ Bei der „Wabe“ sind die Altkleider erstens wichtig für Beschäftigungsprojekte, in denen die Textilien gesammelt, sortiert und teils auch „restauriert“ werden. Zweitens werden die Kleider dann in den Sozialkaufhäusern an Bedürftige abgegeben. Alois Poquett glaubt auch nicht, dass sich die Sache auf Dauer für die Stadt rechnet: „Im Moment ist das so, aber wenn die Preise wieder fallen, dann wird das für die Stadt ein Zuschussgeschäft“, sagt er.

Immerhin: Die Sammelstellen der Karitativen will der Stadtbetrieb „im Rahmen der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten aktiv und öffentlichkeitswirksam“ unterstützen und bewerben — etwa im Internet. Dazu müssen allerdings erst einmal neue Standorte her.

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