Altkleidercontainer in Aachen bereiten weiter Kopfschmerzen

Altkleidersammlung : Jetzt will die Politik vermitteln

Was die Verwaltungsspitze versäumt hat, will die Politik zügig nachholen: Auf der Suche nach einem neuen Konzept für die Altkleidersammlung sollen Verwaltung und gemeinnützige Sammler nun kurzfristig an einen Tisch geholt werden. Dies kündigte Michael Servos, Vorsitzender im Stadtbetriebsausschuss und SPD-Fraktionschef im Rat, an.

Servos äußerte sich am Dienstag besorgt über die jüngsten Entwicklungen rund um die Standorte für Altkleidercontainer. Wie berichtet, hat die Stadt sich Anfang des Jahres überraschend entschieden, keine Konzessionen für Stellflächen im öffentlichen Straßenraum mehr zu vergeben. Insgesamt 100 Sammelstellen am Straßenrand mussten daher kurzfristig geräumt werden.

Hauptsächlich stadtgestalterische Gründe führt die Stadt für diese Entscheidung ins Feld. Die Container selbst werden häufig verschmiert, oft werden die Stellflächen zudem als Ablageplätze für allerlei wilden Müll missbraucht. Ab sofort soll die Altkleidersammlung ausschließlich auf privaten Flächen abgewickelt werden, zudem verweist die Stadt auf karitative Einrichtungen wie Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser oder Wabe, in deren Kleiderläden ebenfalls getragene und abgelegte Kleidung abgegeben werden kann.

In Zusammenarbeit mit den Kirchen haben Wabe und Malteser zudem das Sammelsystem „Aachen Fairwertet“ aus der Taufe gehoben, das sich seit Jahren um Standorte für ihre Container bemüht. Trotz intensiver Bemühungen konnte sich die Organisation bisher gerade mal 36 Standorte sichern – viel zu wenig, um die Lücke zu schließen, die seit dem Rückzug durch die Stadt klafft. Zugleich aber fühlt sich „Fairwertet“ inzwischen zunehmend überfordert von dem Altkleideraufkommen, das an ihren Containern abgeladen wird.

Immer öfter sind nun auch diese Container überfüllt, immer mehr Müll muss auch dort weggeräumt werden. Mangels Vorwarnung durch die Stadt war man darauf auch personell gar nicht vorbereitet. Schon ist der Ärger so groß, dass nun auch die karitativen Sammler den kompletten Rückzug und Abbau ihrer Container erwägen, teilte Servos erkennbar verärgert im Ausschuss mit.

Man dürfe die Karitativen mit ihren Problemen nicht hängen lassen, erklärte er. Er wolle daher möglichst kurzfristig einen Termin für alle Seite vereinbaren, um ins Gespräch zu kommen und die Probleme zu lösen. Auch seitens der Grünen erklärte Kaj Neumann, dass die Stadt bei der Standortreduzierung der Container „sehr vorsichtig“ sein müsse.

Anders sieht das Ferdinand Corsten, CDU, der viel Verständnis für die Entscheidung der Stadt zeigte und forderte: „Die freien Träger müssen selbst in die Hufe kommen und etwas tun. Das kann nicht Aufgabe der Stadt sein.“

Auch Dezernent Markus Kremer, zuständig unter anderem für den Stadtbetrieb, forderte mehr Geduld bei der Durchsetzung des neuen Konzepts. „Man sollte die Idee nicht beim ersten Widerstand aufgeben“, sagte er. Es sei zu erwarten gewesen, dass es anfangs Probleme geben würde. Das Ziel aber sei nicht falsch, die bisherigen städtischen Containerstellflächen frei zu räumen, sauber zu halten und anders zu nutzen – etwa für Baumpflanzungen oder auch als Platz für E-Bike-Stationen. Kremer unterstützte zugleich Servos’ Forderung, endlich „mit denen zu reden, die das Angebot jetzt übernehmen sollen“.

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