Aachen: „Alte Schätzchen“ sind besonders gefragt

Aachen: „Alte Schätzchen“ sind besonders gefragt

Der Aufschrei des Entsetzens war groß: Ruin für die Händler, Beschneidung der gewerblichen Freiheit, gar das Aus für die beliebten Flohmärkte. Als Ende der Woche die Pläne der rot-grünen Landesregierung öffentlich wurden, den Verkauf von Neuwaren auf Trödelmärkten zu verbieten, schlug dies bei den Händlern hohe Wellen.

Der Aachener Norbert Hermanns, selbst etablierter Veranstalter von Märkten und stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Deutscher Marktgestalter, sprach von „übersteigertem Schutz“ des Sonntags und „nicht zeitgemäßem Denken“ bei den Politikern.

Charakter unbedingt wahren

Passgenau fand am Sonntag in der historischen Aachener Altstadt der beliebte Trödelmarkt statt — eine ideale Gelegenheit, vor Ort nachzufragen, wie die Händler und die Kunden über die geplante Gesetzesinitiative denken. Und siehe da: Die meisten Händler eines stichprobenartigen Meinungsbildes denken eher wertkonservativ. Am besten, man trenne exakt Trödel- und Warenmärkte von einander, denn der nostalgische Charakter des Trödels und der antiken Schnäppchen sollte unter allen Umständen gewahrt bleiben.

Mit gemischten Gefühlen betrachtet zum Beispiel Elmar Zurhausen die Diskussion. Er hat antike Glaswaren in seinem Sortiment, findet den echten Trödel wie beim Öcher Altstadtmarkt viel interessanter. „Andererseits verdienen die Kollegen mit den Neuwaren auch ihren Lebensunterhalt.“ Witzig: Er baut gerade ein Eigenheim und konnte jüngst als Kunde auf einem Flohmarkt Baueisen deutlich günstiger erstehen als im Baumarkt. . .

Eine klare Position hat dagegen beispielsweise Nina Strauch, die eher gelegentlich ihre „Schätzchen“ auf dem Flohmarkt anbietet: Neuwaren stören und gehören definitiv nicht auf einen Flohmarkt — so ihre feste Überzeugung. Sie will alte Stücke zu entsprechenden Preise erstehen. „Das ist doch sonst so, als würde ich Käse beim Metzger kaufen.“

Gerda Büschges und Angelika Haack bieten selbst gefertigten Schmuck aus dem Segment des Kunsthandwerks an. Normalerweise stehen sie auf Kunsthandwerkermärkten, finden es aber richtig, dass die Neuwaren von den Trödelmärkten verschwinden sollen. „Wir beobachten konkret, dass der Anteil der Neuwaren immer größer wird, die Qualität aber stetig abnimmt. Oft werden dort Ramsch oder 2. Wahl angeboten.“

Seit 30 Jahren gehört Harald Klok zu den Beschickern echter Trödelmärkte, bietet in Aachen im Bereich des Hühnerdiebes gebrauchtes Spielzeug an. Inzwischen hat er sich ganz auf den Altstadtflohmarkt beschränkt, weil dort noch richtiger Trödelcharakter herrsche. Neuwaren geht er gezielt aus dem Weg: „Und echte Trödelkunden wissen auch die Qualität der angebotenen Waren zu schätzen.“ Die Anbieter von Neuwaren hätten unter der Woche ausreichend Gelegenheit, ihre Artikel anzubieten. In die gleiche Richtung denkt auch Stephanie Paffen. Ab und zu verkauft sie Dinge, ist aber selbst auch Kundin: „Und ich liebe es, zu verhandeln und zu feilschen.“

Eine Lanze für die Anbieter neuer Sachen bricht dann doch Eduard Merzenich. Er kauft schon mal Kleidung und Lebensmittel auf den Märkten. Und am Sonntag? Da hat er dann doch ein wunderschönes altes Ölgemälde erstanden. Im Endeffekt richtig alter Trödel. Wie es ihn vor 100 Jahren gab.

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