Alte Aachener Mülldeponie wird ein Fall für die Klimaschutzinitiative

Klimakiller oder Rohstoffquelle : Stadt Aachen will Deponiegase besser nutzen

Seit mehr als 30 Jahren ist die alte Hausmülldeponie Maria Theresia der Stadt Aachen schon geschlossen, doch noch immer gären und gammeln die alten Abfälle im Untergrund vor sich hin und produzieren klimaschädliche Gase, hauptsächlich Methan und Kohlenstoffdioxid. Jetzt wird die Deponie zwischen Bardenberg und Herzogenrath ein Fall für die Nationale Klimaschutzinitiative.

Was im Zeitalter der Mülltrennung schwer vorstellbar ist, war bis Mitte der 1980er Jahre in Deutschland noch gang und gäbe. Ob Kartoffelschalen oder Plastiktüten, Wohnzimmerschränke oder Fernseher – nahezu alles landete in den Deponien, von denen es bundesweit rund 4000 gab. Damals herrschte die Überzeugung vor, dass die organischen Stoffe in etwa zwei Jahrzehnten zersetzt seien. Heute weiß man es besser. Nicht zuletzt die brennenden Gasfackeln auf solchen Deponien zeugen davon, dass die Mikroorganismen immer noch allerhand zu tun haben.

Rund 5,4 Millionen Tonnen Hausmüll sind in den Jahren 1964 bis 1985 von Aachen in den ehemaligen Braunkohletagebau bei Herzogenrath gebracht worden. Heute ist die rund 36 Hektar große und begrünte Fläche zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Unter dem grünen Deckmäntelchen ist jedoch schon in den 1980er Jahren ein großes Gaserfassungssystem angelegt worden, das nach Angaben des Aachener Stadtbetriebs aus insgesamt 53 Gasbrunnen und drei Gassträngen besteht. 1988 nahm die Anlage ihren Betrieb auf, die bis 2014 zuverlässig auch ein Blockheizkraftwerk mit Gas versorgt und damit einen Beitrag zur Stromproduktion geliefert hat.

So habe das Gas bislang „umweltschonend“ verarbeitet werden können, erläutert Annika Huppertz vom Stadtbetrieb, die dort für Entsorgungssysteme zuständig ist. Inzwischen ist jedoch die verwertbare Gasmenge deutlich zurückgegangen, was bei älteren Deponien durchaus normal sei. Vor allem in den tieferen Regionen der Deponie komme der Zersetzungsprozess oftmals zum Erliegen, weil dort die nötige Wärme fehlt, haben Wissenschaftler festgestellt.

Die Stadt Aachen, die dauerhaft auch für die stillgelegte Deponie verantwortlich ist, steht nun vor der Frage, wie mit den Ausdünstungen künftig umgegangen werden soll. Als Deponiebetreiberin muss auch sie die Methanemissionen eindämmen, um den Klimaschutzzielen gerecht zu werden. Eine sogenannte Potenzialstudie, die vom Bundesumweltministerium und der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert wird, soll nun neue Erkenntnisse bringen, was im Innern der Deponie eigentlich passiert und wie auch die Gaserfassung wieder verbessert und wirtschaftlich nutzbar gemacht werden kann. „Wir wollen schauen, wie wir das Gas optimal nutzen und umweltfreundlich verwerten können“, sagt Huppertz.

Foto: grafik

Rund 60.000 Euro sind für die Studie veranschlagt, die Hälfte davon wird der mit der Betreuung der Förderanträge beauftragte Projektträger Jülich (PTJ) tragen. Geprüft werden muss dann unter anderem, ob das über 30 Jahre alte Gaserfassungssystem überhaupt noch funktioniert oder ob womöglich Leitungen gebrochen sind. Geprüft werden muss aber auch, ob der Zersetzungsprozess innerhalb der Halde nochmals angefacht werden kann – etwa durch die Zufuhr von Sauerstoff. Die dann entstehenden Gasmengen könnten wieder zuverlässig zur Stromerzeugung genutzt werden.

„Wir wissen ja gar nicht, wie es in der Deponie aussieht“, erklärt Annika Huppertz, die daher große Hoffnungen auf die wissenschaftliche Untersuchung setzt. Eine Zustimmung der Politik zur geplanten Beteiligung des Stadtbetriebs an der Nationalen Klimaschutzinitiative gilt als Formsache. Der Beschluss soll am kommenden Dienstag im Betriebsausschuss für den Stadtbetrieb gefasst werden. Je nachdem, wie die „Potenzialanalyse“ ausfällt, könnten auf der Deponie dann weitere Investitionen nötig werden. Auch dafür gibt es Fördergelder von bis zu 450.000 Euro.

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