Aachen: Alltag zwischen schmutzigen Tellern und vollen Windeln

Aachen: Alltag zwischen schmutzigen Tellern und vollen Windeln

Über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern können die Erzieherinnen nur lachen. Doch das Lachen verstummt schnell, die Lage ist ernst. Am Freitag wird gearbeitet, aber nächste Woche weiter gestreikt.

„Uns bleibt nichts anderes übrig”, sagt Verdi-Sekretär Viktor Petje. Es geht den Gewerkschaften um einen Gesundheitstarif. Verdi fordert eine Kommission aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die verbindliche Vorgaben für die Kitas schaffen, die die Arbeitgeber nicht ablehnen können. Die Situation in den Einrichtungen sei verheerend:

Körperliche Belastung: „Ich trage seit 40 Jahren Kinder auf den Hüften, Eltern haben nach zehn Jahren die Kinder groß”, sagt Brigitte Bokermann, Kita Bayersbusch. „Es geht uns an die Gesundheit”, fügt Ulrike Timmers, Kita Franz-Wallraff-Straße, hinzu.

Kranke Kinder: Rotznasen sind Alltag. „Wenn Eltern sagen, ihrem Kind gehe es nicht so gut, dann übergibt sich das Kind eine Stunde später auf dem Teppich”, erzählt Ingrid Breuer-Schermuly, ehemalige Leiterin der Kita Weißwasserstraße. Kranke Kinder bedeuten zwangsläufig kranke Erzieherinnen und dann Personalsorgen.

Personalstand: „Wir haben zu wenig Personal”, sagt Kerstin Löhrer, Kita Weißwasserstraße. „Oftmals kommen wir nicht mal zur Toilette, weil uns immer ein Kind braucht”, so Timmers. Geregelte Pausenzeiten gibt es nicht. Die steigende Zahl von U3-Kindern bedingt weitere Arbeit, die Kleinen müssen gewickelt werden. Bei 16 U3-Kindern, die dreimal am Tag gewickelt werden, müsste eine Erzieherin acht Stunden täglich mit Wickeln verbringen. Bis zu vier Stunden pro Tag werden in der Küche verbracht. „Man muss sich nur 50 Kinder mit Bechern und Tellern vorstellen”, sagt Timmers. Gefordert wird Küchenpersonal.

Vertretungen: Timmers erzählt von einer kranken Kollegin. Seit sieben Wochen sei diese krank, nun habe es endlich eine Vertretung gegeben - für 20 Stunden. Die Kollegin sei aber eine 39-Stunden-Kraft. Die Erzieherinnen fordern einen Vertretungspool. Es gibt aber kaum Nachwuchs. „Wer macht diesen Job, wenn er so unterbezahlt wird?”, sagt Timmers.

Über die städtischen Verweise, das Thema Gesundheit sei im Blick, können die Erzieherinnen ebenfalls nur lachen. „Das Gesundheitsmanagement kommt bei uns nicht an. Dabei müssten wir Priorität haben”, so Timmers.