Aachen: „Alice” in Aachen: Kinder spielen sich ins Herz der Stadt

Aachen: „Alice” in Aachen: Kinder spielen sich ins Herz der Stadt

Für zwei Wochen sind sie eingetaucht in die paradoxe Welt des verrückten Hutmachers, der Grinsekatze und der Herzkönigin: Rund 60 Kinder von drei Aachener Jugendeinrichtungen wurden zu „Alice”, den weißen Kaninchen und den sprechenden Eiern aus „Alice im Wunderland”.

Das Besondere: Das Projekt „Jugend macht Theater” bespielte die Innenstadt. Vom komplett gefüllten Hof nahmen die jungen Schauspieler ihr Publikum direkt mit - in Richtung Münsterplatz, Elisenbrunnen und Theater.

In den Herbstferien feilten Kinder aus den Offenen Türen Tal-straße und Alfonsstraße und dem Spielhaus am Kennedypark an ihren Schauspielkünsten. Zum Abschluss machten sie die Innenstadt zur Bühne für Alice und ihr Wunderland. Es war ein kunterbuntes Spektakel, in das die neugierigen Zuschauer ganz bewusst eingebunden wurden. Zehn Tage hatten die Kinder und Jugendlichen dafür fleißig geprobt. Es hat sich gelohnt: Es wurde eine beeindruckende Performance, die an allen Spielorten - Hof, Puppenbrunnen, Münsterplatz, Elisengarten und Theaterplatz - für große Begeisterung und natürlich viel Applaus sorgte.

Nach der Parade ging es zur Talkrunde in das Spiegelfoyer des Theaters, moderiert von Udo Rüber, Verwaltungsdirektor und Geschäftsführer des Theaters Aachen. „Die gemeinsame Arbeit hat erstaunlicherweise sehr gut funktioniert. Die Kinder haben sich darauf eingelassen und ihre anfänglichen Ängste überwunden”, erklärte Helmut Reuling, Leiter des Spielhauses am Kennedypark.

Zwischen den Kindern der drei Einrichtungen entbrannte kein Konkurrenzkampf. In sechs Gruppen erarbeiteten die Kinder je eine Figur. Theaterpädagogin Mira Loos erklärte: „Schwierig war dabei, dass die Kinder die ihnen fremden Plätze in der Innenstadt als ihre Bühne begreifen mussten.” Grietje Hansen, Gruppenleiterin der Figur „Alice” verteilte gute Noten: „Die Kinder haben gut in der Gruppe zusammengearbeitet. Schwierig war aber auf jeden Fall die Konzentration. Wir haben immer wieder Auflockerungsübungen gemacht.”

Für die Kinder war der Weg ins Wunderland auch eine spannende Reise in die eigene Stadt. Nicht alle kannten vorher Hof und Münsterplatz. Sie entdeckten ihre Heimat neu und bekamen gleichzeitig eine Aufmerksamkeit, die ihnen im Alltag nur selten zuteil wird. Auch in dieser Hinsicht erwies sich „Jugend macht Theater” als großer Erfolg.

Das Projekt entstammt einem früheren Geburtstagswunsch von Stadtdirektor Wolfgang Rombey. Dieser hatte zu seinem 60. Geburtstag im Jahr 2008 ausdrücklich nicht um Geschenke, sondern um Spenden für die kulturelle Bildung gebeten. Der Fachbereich Kinder, Jugend und Schule und das Theater Aachen entwickelten dann gemeinsam das Theaterprojekt für Kinder aus Aachen-Ost und Aachen-Nord.

Da noch Geld aus dem Topf übrig geblieben ist, erhalten alle drei Einrichtungen noch jeweils 1000 Euro für ihre Arbeit. Verwaltungsdirektor Rüber freute sich bei der abschließenden Talkrunde im Theater schon schmunzelnd auf eine Fortsetzung: „Ich hoffe, dass wir noch viele gemeinsame Geburtstage feiern können”, sagte er zu Stadtdirektor Rombey. Der antwortete zur Begeisterung des Publikums: „Das war ein wunderbares Projekt. Im nächsten Jahr werde ich 65 Jahre alt. Dann kann ich ja mal wieder sammeln.”

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