Aachen: Alemannia-Präsident: „Mitglieder sollen wieder stolz auf den Verein sein“

Aachen: Alemannia-Präsident: „Mitglieder sollen wieder stolz auf den Verein sein“

Es ist einige Monate her, da ist Heinz Maubach mit leichten Herzproblemen zu seinem Kardiologen gegangen und hat ihn gefragt, ob er — aus medizinischer Sicht — für das Amt des Alemannia-Präsidenten kandidieren solle. Der Arzt gab ihm einen einfachen Rat.

Maubach solle eine Stunde durch den Wald gehen und seiner inneren Stimme folgen. Die Antwort ist klar: Maubach ist seit dem 13. März Präsident — und die Ärzte der kardiologischen Praxis gehören inzwischen zu den „Öcher Stammspieler“-Sponsoren. Ein gutes Omen? Heinz Maubach, der erste Alemannia-Präsident in der Zeitrechnung nach der Insolvenz, ist optimistisch, dass er und das ganze Team, das dem Verein jetzt vorsteht, den Klub wieder in sicheres Fahrwasser führen können. Im Samstagsinterview spricht er unter anderem von den vorrangigen Aufgaben, wie er sein Amt versteht und was die Alemannia für ihn bedeutet.

Kann man noch immer von einem Himmelfahrtskommando sprechen, das Sie übernommen haben?

Maubach: Inzwischen zum Glück nicht mehr. Der Anfang war nicht leicht, doch inzwischen wissen wir woran wir sind. Wir kennen die finanzielle Größenordnung und kennen die Summe, die fehlt, um die Saison zu Ende zu spielen. Die Summe kann allerdings zur Zeit noch nicht über Zuschauereinnahmen und Sponsoren aufgebracht werden.

Wie fühlen Sie sich denn gut einen Monat nach der Übernahme des Präsidentenamtes?

Maubach: Ich hatte keine schlaflosen Nächte. Meine Empfindung ist in erster Linie Dank dafür, dass die Mitglieder auf der Hauptversammlung dem ‚Team 2018‘ das Vertrauen geschenkt haben.

Wie kam es denn überhaupt zu Ihrer Kandidatur zum Präsidenten?

Maubach: Ich gehörte ja schon länger zum Verwaltungsrat und bin auch bewusst an Bord geblieben, als andere gegangen sind. Das meine ich nicht als Vorwurf, diese Entscheidung lag bei jedem ganz persönlich. Als die Frage an mich herangetragen wurde, ob ich als Präsident kandidiere, habe ich mich als Herzens-Alemanne dafür entschieden.

Wie haben Sie im Vorstandsteam zusammengefunden beziehungsweise herausgefunden, dass es mit Ihnen klappen könnte?

Maubach: Dieses Gefühl hat sich über mehrere Wochen entwickelt, auch wenn wir uns schon länger kannten. In vielen sachlichen, aber auch kontroversen Diskussionen ist eine wirkliche Nähe entstanden. Irgendwann mussten wir ja auch mit unserer Idee an die Öffentlichkeit gehen — und das Wir-Gefühl gab uns dafür die nötige Rückendeckung.

Wie definieren Sie Ihre Rolle als Präsident?

Maubach: Ich möchte ein Präsident für alle Mitglieder, für die Breitensportler sein. Ich habe nie das Scheinwerferlicht gesucht. Und auch das aktuelle Medieninteresse ist neu, aber das wird sich sicher bald wieder abflauen. Ich möchte in der Arbeit die Obleute der einzelnen Abteilungen viel mehr einbinden, Frauenfußball, Jugendfußball, Tischtennis, Leichtathletik, Handball, dem verbliebenen Volleyball und dem neuen Futsal Gehör verschaffen.

Andere Präsidenten saßen auch im Aufsichtsrat der Fußball-GmbH. . .

Maubach: Das will ich ganz bewusst nicht. Die so genannten geborenen Mitglieder des Präsidiums für den Aufsichtsrat (Tim Hammer, Oliver Laven, Thomas Deutz, Anm. d. Red.) haben einen ganz anderen wirtschaftlichen Background als ich. Ich bin Realist — aber Präsident, das kann ich. Sonst hätte ich ja nicht kandidiert.

Was bedeutet Alemannia Aachen für Sie?

Maubach: Alemannia ist ein Stück Aachen, ein Stück Heimat, ein Stück meiner eigenen Biografie. Ich möchte im Sinne des Vereinslebens auch wieder alte Ideale in der Alemannia verwurzeln. Die Mitglieder müssen wieder stolz sein, Alemannen zu sein. Wir reden hier über eine ganz tolle Tradition.

Und das nach diesen Chaosjahren?

Maubach: Gerade jetzt. Die Zäsur ist nach meiner Ansicht erfolgt. Viele Fans sind nicht von Bord gegangen. Im Gegenteil: Gerade jetzt kommt es darauf an, an Bord zu bleiben. Das gilt für die Fans genauso wie für die Mitglieder. Man darf doch auch nicht übersehen, was Alemannia im Moment immer noch ist: Der Klassenerhalt scheint gesichert, es gibt den Tivoli-Lauf, das sensationelle Dom-Springen. Und die Fußballerinnen können immer noch in die 2. Liga aufsteigen.

Wie oft sind Sie für verrückt erklärt worden?

Maubach: Die Reaktionen halten sich die Waage. Diejenigen, die mich besser kennen, haben mich — auf charmante Weise — für bekloppt erklärt. Ansonsten habe ich sehr viele positive Mails und viel Zustimmung erfahren. Nur Gegenwind hätte mich nachdenklich gemacht.

Wo liegen die Prioritäten für die nächsten Monate?

Maubach: Die Gespräche mit potenziellen Sponsoren sind ab sofort die Aufgabe unseres Geschäftsführers Alexander Mronz. Wir unterstützen ihn, wenn er das möchte. Ein wichtiger Aufgabenbereich wird die Aufstellung des Finanzplanes. Den kalkulierbaren Ausgaben müssen wir prognostizierte Einnahmen gegenüberstellen. Wobei Fragen bleiben: Wie hoch sind die Sponsoreneinnahmen, wie hoch sind die Einnahmen aus den Zuschauerzahlen? Wir müssen sehen, dass wir Ruhe ins Umfeld bekommen und eine seriöse Finanzplanung auf die Beine stellen.

Bei aller Liebe für die Abteilungen — Alemannia Aachens Perspektive liegt im Fußball.

Maubach: Es ist völlig klar: Aus dem Loch kommen wir nur über Erfolge auf dem grünen Rasen heraus. Die Priorität muss auf Spieler, Spieler und noch mal Spieler gelegt werden.

Sie müssen sich darauf einstellen, von den organisierten Fans kritisch „begleitet“ zu werden…

Maubach: Wir legen großen Wert auf einen regelmäßigen Austausch mit dem Vorstand der IG der Alemannia-Fans und Fanklubs. Ich bin davon überzeugt, dass der Vorstand der IG auch weiß, dass uns viel an diesem Austausch liegt. Wir werden sehen, dass wir ihn institutionalisieren.

Wann spielt Alemannia wieder in der 3. Liga?

Maubach: Wir können nur alle Weichen stellen, damit sich der sportliche Erfolg schnell wieder einstellt. Doch dazu gehören Geld, Spieler — und auch Glück. In der 4. Liga kann Alemannia ohne die Hilfe der Stadt nicht lange existieren.

Welches Ziel kann man denn für die neue Saison in der Regionalliga ausgeben?

Maubach: Ideal wäre es, wenn wir nicht unter den Strich rutschen würden und den Blick auch mal nach oben richten könnten. Ich bin davon überzeugt, dass bei einem Erfolg auch in der 4. Liga 10.000 Zuschauer kommen. Wir sind aber lange noch nicht aus dem Loch raus!

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