Aachen: Alemannia: Die ungeliebte Heimpremiere kann kommen

Aachen: Alemannia: Die ungeliebte Heimpremiere kann kommen

Ein bisschen lehnte sich Uwe Scherr dann doch aus dem Fenster: „Wer am Samstag zum Tivoli kommt, wird dies nicht bereuen.” Nun wird Alemannias Sportdirektor diese Aussage zum einen im Vertrauen auf die von ihm zusammengestellte Mannschaft gemacht haben, zum zweiten aber auch, weil er um den bisherigen Zuschauerzuspruch weiß.

Knapp 9000 Tickets waren am Donnerstag für die Drittligapartie gegen Burghausen am Samstag (14 Uhr) verkauft, und auch Geschäftsführer Frithjof Kraemer musste am Donnerstag seinen Optimismus taktischen Überlegungen unterordnen: „Hinterher heißt es wieder: Jetzt heben die schon wieder ab.” Aber zu einer vorsichtigen Schätzung im unteren fünfstelligen Bereich ließ er sich hinreißen.

Überhaupt war Donnerstag so etwas wie der Tag der ungenannten Zahlen. Man mag Verständnis dafür haben, dass er nicht die genaue Summe nennen wollte, mit der sich der neue Hauptsponsor Babak Geller am Tivoli einbringt. Man hat sich auf das Nennen einer „sechsstelligen Summe” verständigt. Und Kraemer sagte auch, dass sich das Engagement Gellers im Rahmen der erhofften Kalkulation bewege.

Für zwei Jahre wurde die Zusammenarbeit (vorerst) besiegelt. Das Unternehmen Geller übernimmt jetzt auch den Ordnungsdienst am Tivoli. Jetzt haben die Trikots mit dem Übergangsaufdruck „Klömpchenklub” endgültig leichten Kultcharakter. Die waren wohlweislich in limitierter Auflage bestellt worden, zieren aber nichtsdestotrotz den kleinen Fanartikel-Katalog, der in das erste Tivoli-Echo integriert ist.

Das Stadionheft gehört zu den Sachen, die sich im Gegensatz zur Klassenzugehörigkeit nicht verändert haben. Es bleibt nicht nur kostenlos, sondern ist in seiner ersten Version absolut lesenswert, weil wieder mit einem großen Statistikteil mit allen Tabellen und Spielern der Alemannia-Historie versehen. Hier will die Alemannia genauso Drittliga-Maßstäbe setzen wie bei der Tatsache, dass es weiter den Kommentator für Sehbehinderte geben wird. Identisch mit den vergangenen Spielzeiten ist auch das gastronomische Angebot an den Außenständen und im Stadionumlauf.

Neu einstellen müssen sich die Besucher auf veränderte Öffnungszeiten: Die Tore öffnen sich nicht wie bislang 120, sondern 90 Minuten vor dem jeweiligen Anpfiff. Und dann sind auch nicht alle Blöcke geöffnet. Bei sogenannten „Regelspielen” - wie zum Beispiel am Samstag - bleiben Abschnitte in den Blöcken Nord (N3-N5) und West (W3 und W4) geschlossen. „Das dient der effizienteren Stadionbetreibung”, erklärte Kraemer. Natürlich hofft er, dass man sich so schnell wie möglich vom Modell des „Regelspiels” wieder verabschieden kann, weil angesichts wachsender Nachfrage auch die sonst wegfallenden 7000 bis 8000 Plätze wieder gebraucht würden.

Wie bereits berichtet, haben alle Mitarbeiter des Drittligisten - derzeit sind dies 29 für die Alemannia GmbH und die Stadion GmbH - Gehaltseinbußen hingenommen. Der Personalstab wurde insgesamt um ein Viertel zurückgefahren.

Neu sind gewisse demokratische Abstimmungsmodalitäten: Zu welcher Musik Streit & Co ins Stadion einlaufen, wird via Facebook entschieden. Zwei Songs hat die Mannschaft ausgesucht, drei weitere stehen zusätzlich zur Auswahl. Und letztlich stimmen die Fans im sozialen Netzwerk im Internet über das Lied der Saison ab. Das Ergebnis kann man am Samstag im Stadion hören, kurz vor 14 Uhr. Hoffentlich wird auch damit Uwe Scherrs Erwartung bestätigt.

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