Aachen: Alemannia: Der Abschied führt direkt in die Zukunft

Aachen: Alemannia: Der Abschied führt direkt in die Zukunft

Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Der Vorplatz ist schwarz-gelb vor Menschen, auf der Bühne werden die Neuzugänge präsentiert, die zwischendurch in mannschaftlicher Geschlossenheit ihre Autogramme verteilen. Kinder hüpfen in Plastikburgen, und bei Bier und Wurst lassen sich Saisonträume in den Sommerhimmel skizzieren.

Aber der zweite Blick offenbart: Es ist doch nicht alles wie immer. Denn die Saisoneröffnung der Alemannia findet definitiv zum letzten Mal auf dem Vorplatz des alten Stadions statt. Geschätzte 15.000 Fans stellen sich zum letzten Mal in dem Schotterfeld vor der überdachten Stehgeraden auf. Der letzte Akt der Tragikomödie „Abschied vom Tivoli” wird inszeniert.

Die neuen Spieler verneigen sich verbal vor ihrem künftigen Arbeitgeber. Aimen Demai in perfektem Deutsch: „Ein spannender Verein mit einem tollen Publikum.”

Babacar Gueye, von Demai aus dem Französischen gedolmetscht: „Sportdirektor Bornemann hat sich schon lange für mich interessiert, und ich habe viel Gutes über Alemannia gehört.”

Thorsten Burkhardt mit ganz feinem rheinischen Unterton: „Schon in der Jugend war es ein Traum, für Alemannia zu spielen. Ich habe hart daran gearbeitet, um hier in eine Führungsposition zu kommen.”

Später berichten die beiden Stadionvermarkter Thomas Korr und Erik Meijer von ihrem Engagement. Meijer: „Wir wollen die Leute davon überzeugen, dass wir sie beim nächsten Schritt der Alemannia brauchen.”

Es gibt süße Appetitmacher auf diesen nächsten Schritt, auf das Stadion, das zumindest architektonisch alle Voraussetzungen bringt, irgendwann auch eine Fußball-Kultstätte zu werden. Im Viertelstundentakt werden Besuchergruppen in den neuen Tivoli geführt. Sie können - eine terminliche Punktlandung - den neuen Rasen bewundern.

Der ist am Samstag verlegt worden. In einer bemerkenswerten Aktion, denn manch ein Hobbyhandwerker braucht länger, um sein Wohnzimmer mit Teppich auszulegen als die Experten der Firma Hendriks, um die 8000 Quadratmeter grünes Geläuf auszurollen.

So wie der Rasen im alten Tivoli, der nach 4,5 Jahren am Sonntagabend zum letzten Mal Profistollen aushalten muss. Beim Freundschaftsspiel Alemannia Aachen gegen Werder Bremen.