Albert Borchardt kandiert für die Linken

Die Städteregionsrats-Kandidaten (3) : Künstler Albert Borchardt fordert mehr Kreativität

Das einstimmige Votum der Mitglieder für seine Nominierung war die endgültige Bestätigung, keine falsche Entscheidung getroffen zu haben. „Wir sind im Kreisverband ein ziemlich bunter Haufen“, erzählt Albert Borchardt.

„Deshalb ist es schon etwas Besonderes, wenn es keine Gegenstimmen gibt.“ Borchardt mag die bunte Vielfalt, was nicht nur daran liegt, dass das Malen sein Beruf ist. Die Städteregion aber hält er – politisch betrachtet – für zu eintönig. Deshalb tritt er bei der Wahl des Städteregionsrates am 4. November als Kandidat der Linken an.

„Es müssen viel mehr kreative Menschen in die Verwaltung, denn sie gehen die Dinge unorthodoxer an“, fordert der 56-Jährige. In Sachen Kreativität kann ihm kaum jemand etwas vormachen. Schließlich arbeitet der studierte Diplom-Designer seit Jahrzehnten erfolgreich als bildender Künstler. Bereits mit vier Jahren zog er mit seiner Familie von Eschweiler nach Weisweiler, wo der Single auch heute noch wohnt und in der früheren Kapelle von Haus Palant sein Atelier hat.

Angst vor der großen Verantwortung, die mit dem Amt des Städteregionsrates verbunden ist, hat Borchardt nicht: „Tim Grüttemeier war auch kein Verwaltungsmensch, bevor er Bürgermeister von Stolberg wurde.“ Und: „Dank meiner mittlerweile fast zehn Jahre im Eschweiler Stadtrat und der Mitarbeit im Fraktionsbüro weiß ich sehr wohl, wie Verwaltung und Politik funktionieren.“

Mit seiner Kandidatur will Albert Borchardt nach eigener Aussage auch andere dazu ermuntern sich einzumischen. „Für mich war das damals der entscheidende Grund, in die Politik zu gehen. Ich wollte nicht nur meckern, sondern auch etwas ändern.“ Sein Motto mit implizierter Aufforderung lautet: „Wir in der Städteregion.“ In diesem Sinne wünsche er sich, „dass die Menschen ihre Chance nutzen und in einer lebendigen Demokratie unsere schöne Städteregion mitgestalten“.

Linken-Kandidat Albert Borchardt im Fragenhagel

Das mit dem „schön“ kommt Albert Borchardt an diesem Tag im Übrigen besonders leicht über die Lippen: Die Herbstsonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel, als er zum Gespräch mit unserer Zeitung auf einer Terrasse am Blausteinsee sitzt. Für Borchardt hat dieser Ort gleich in mehrfacher Hinsicht symbolhaften Charakter. „Was gab es doch für verrückte Pläne. Von einem Hotel und einer Wellness-Landschaft war die Rede, auch mal von einem Kongresszentrum und von großen Investoren“, erinnert sich der Linke.

Am Ende aber habe die Stadt selbst die Initiative ergriffen und damit demonstriert, dass man sehr wohl sein eigenes Lebensumfeld gestalten könne. „Denn hier ist etwas geschaffen worden für die Leute aus unserer Region. Ein Naherholungsgebiet, in dem Mensch, Arbeit und Natur im Einklang stehen.“ Genau das sei es, wofür er eintrete, erklärt Borchardt, für den der Blausteinsee, gerade im aktuellen Kontext, auch noch für etwas anderes steht: „Er belegt eindrucksvoll, dass der Strukturwandel Chancen bietet und positive Seiten hat.“

Als Städteregionsrat will Albert Borchardt ein „Bewusstsein für die eigene Stärke schaffen, ohne in Verklärung zu geraten“. Und er will den Bürgern vor Augen führen, was die Städteregion ist und wo es die direkten Berührungspunkte gibt. Von einer Ausweitung der Kompetenzen hält der Künstler allerdings wenig. „Ich finde, dass die kommunale Selbstverwaltung ein hohes Gut ist. Die Aufgabe des Städteregionsrates ist, als Moderator dafür zu sorgen, dass die Räder besser ineinandergreifen und die Kommunen noch offener und intensiver zusammenarbeiten.“

Das schließe natürlich nicht aus, dass die Städteregion eigene Schwerpunkte setzt und die Initiative ergreift. Zum Bespiel im sozialen Wohnungsbau. „Ähnlich wie beim gemeinsamen Gewerbeflächenpool muss es ein abgestimmtes Handlungskonzept für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums geben“, fordert Borchardt. Dazu gehöre auch, „dass die Städteregion und die Kommunen wieder stärker in den sozialen Wohnungsbau einsteigen. Es reicht nicht, nur auf private Investoren zu setzen.“

Wie groß der Handlungsbedarf ist, habe er am Beispiel seiner Heimatstadt Eschweiler erfahren. „Hier hat fast die Hälfte der Bevölkerung Anrecht auf einen Wohnberechtigungsschein.“ Kommunale Investitionen dürften nicht nur unter dem monetären Aspekt gesehen werden. „Denn damit werden bleibende Werte geschaffen.“ Stark machen will sich der konsequente Nicht-Autofahrer, der nie den Führerschein gemacht hat, auch für einen Ausbau des ÖPNV-Netzes. „Das hat, genau wie das Wohnen, etwas mit Lebensqualität zu tun.“ Beides wiederum passt zum Anspruch des Linken-Politikers, „mich für jeden sozialen Fortschritt einzusetzen, der die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen verbessert“. Das will er auch in Zukunft tun – ganz unabhängig davon, ob er die Wahl gewinnt oder nicht.

Dass erstgenannter Fall nicht auszuschließen sei, bringt Borchardt mit tiefer Überzeugung zum Ausdruck und warnt davor, im Vorfeld vermeintliche Favoriten zu benennen. „2014 hat man das vielleicht noch machen können. Aber die politische Gemengelage ist heute längst nicht mehr so eindeutig.“ Vieles hänge von der Wahlbeteiligung und davon ab, „ob es gelingt, die eigene Klientel an die Urne zu bringen“.

Albert Borchardt ist da, was die Linken angeht, durchaus zuversichtlich: „Die bisherigen Erfahrungen im Wahlkampf sind wirklich sehr positiv. Die Menschen trauen mir offenbar zu, dass ich etwas bewegen kann.“