Aachen: Aktivisten besetzen RWTH-Gebäude am Muffeter Weg

Aachen : Aktivisten besetzen RWTH-Gebäude am Muffeter Weg

Es soll ein ganz konkreter Protest sein gegen die akute Wohnungsnot in Aachen, aber auch ein Zeichen setzen gegen die vielen Ungerechtigkeiten, die unsere Gesellschaft bestimmen — und das mit einer ganzen Reihe von Aktionen bis hin zu Dingen wie „anarchistische Gärtnerei“.

Was auch immer sich hinter Letzterem verbergen mag: Eine unbekannte Anzahl von Aktivisten hat am Samstagnachmittag ein leerstehendes Haus am Muffeter Weg besetzt und angekündigt, dort eine Aktionswoche zu veranstalten. Man wolle diese Woche und das Gebäude, zu dem auch eine Gewächshausanlage gehört, füllen mit „allerlei Aktivitäten und Raum bieten zum Treffen, Lernen, Ausprobieren, Vernetzen, Machen, Kämpfen, Quatschen, Lesen, Feiern“, schreiben die Hausbesetzer in einer Pressemitteilung und kündigen diverse „Workshops“ an — von der erwähnten „anarchistischen Gärtnerei“ bis hin zu Technologiekritik und Yoga.

Allerdings soll das Ganze keine reine Spaßveranstaltung sein. Dass man sich über die „Eigentumsverhältnisse, die unsere Gesellschaft bestimmen“ hinweggesetzt habe, sei legitim, schreiben die Besetzer. Denn eine Stadt sollte Raum für alle Menschen bieten, die dort lebten. Schließlich sei es „verdammt ungerecht, dass so viele Menschen in zu kleinen oder beschissenen Wohnungen leben oder gar keine Bude haben, während Häuser wie das am Muffeter Weg einfach ungenutzt bleiben und verfallen“, heißt es in der Erklärung.

Genutzt wurde das Haus zuletzt von der RWTH, Eigentümer ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB). Im Zuge der Erneuerung der Biologie, deren Institute im Bereich Melaten konzentriert werden, sei das Gebäude frei geworden, teilte RWTH-Sprecher Thorsten Karbach auf Anfrage mit. Die Entscheidung über die weitere Verwendung des Gebäudes obliege dem BLB.

Mit einer Eskalation ist am Muffeter Weg zunächst nicht zu rechnen. Bei der Polizei, die am Samstag zunächst wegen eines vermeintlichen Einbruchs alarmiert worden war, heißt es nach Rücksprache mit der RWTH, man sehe aktuell keinen Handlungsbedarf — schon gar nicht, was eine etwaige Räumung angeht. Und die RWTH zeigt sogar ein gewisses Verständnis für einen Protest gegen die Wohnungsnot, äußerst aber Zweifel, „ob diese Hausbesetzung ein probates Mittel ist, die Herausfforderungen und Wachstumsschmerzend der Wissenschaftsregion Aachen“ zu meistern. Man appelliere an die Aktivisten, so Karbach, das Gebäude nach der Aktionswoche wieder im vorgefundenen Zustand zu verlassen.

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