Aachen: Aktionskreis will Dialog statt Verweigerung

Aachen: Aktionskreis will Dialog statt Verweigerung

In einem halben Jahr ist es soweit, die kontrovers, und oft auch hitzig diskutierte Fusion von insgesamt 531 Pfarrgemeinden im Bistum Aachen tritt zum Jahreswechsel in Kraft.

Da mit der Zusammenlegung große strukturelle Umbrüche in der Verwaltung der einzelnen Gemeinden einhergehen und im November 2009 außerdem neue Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte gewählt werden, will der Katholikenrat der Region Aachen-Stadt den einzelnen Gemeinden kollegial zur Seite stehen. Zu diesem Zweck wurde im Mai das neue Aktionsbündnis „Kirche am Ort lebendig halten” gegründet.

„Wir wollen keine Totalverweigerung, sondern im gemeinsamen Dialog mit den Gemeinden und dem Bistum, Lösungen für die Probleme finden, die mit der Fusion einhergehen”, betont Holger Brantin, der sich gemeinsam mit Lutz Alexius, Edgar Jordans und Anita Zucketto-Debour in dem neuen Arbeitskreis engagiert.

Das Hauptproblem sieht der Katholikenrat darin, dass die Verwaltung der Großpfarren für die Ehrenamtlichen eine zu große Aufgabe wird. Bisher sei eine Kirchengemeinde mit 4000 Mitgliedern von einem achtköpfigen Kirchenvorstand und 14 Mitgliedern im Pfarrgemeinderat verwaltet worden.

Werden im Januar vier solcher Pfarrgemeinden zusammengelegt, stehen dieser Großpfarre nur noch 16 Mitglieder im Kirchenvorstand und noch einmal 16 im Pfarrgemeinderat zur Verfügung, wo vorher insgesamt 88 Ehrenamtliche tätig waren. „Die Verantwortung wird auf weniger Schultern verteilt”, präzisiert Anita Zucketto-Debour, die deshalb befürchtet, dass viele Ehrenamtlichen sich aus der Gemeindearbeit zurückziehen werden.

Weil auf diese Art die bisher bestehenden Strukturen in den Pfarrgemeinden wegbrechen, setzt sich der neue Arbeitskreis für die Einführung von Ortsausschüssen oder Gemeinde-Teams ein, die selbstverantwortlich und mit einem eigenen Budget über gemeindebezogene Aktivitäten, wie etwa Jugendangebote oder Seniorenarbeit entscheiden können.

Auch in Anbetracht der steigenden Zahlen von Kirchenaustritten sei die Stärkung der einzelnen Gemeinden ein wichtiges Mittel, so Holger Brantin. „Den vielen Austritten begegnen wir nicht, indem wir uns zurück ziehen, sondern vor Ort aktiv bleiben.”

Grundsätzlich will der Aktionskreis ein Podium bieten für alle Gemeinden in Aachen, um sich gegenseitig auszutauschen und Ideen zu sammeln. „Wir wollen allen Ehrenamtlichen das Signal geben, dass doch noch etwas erreicht werden kann”, sagt Holder Brantin.

In den nächsten Wochen werden die Mitglieder des Aktionskreises das Gespräch mit den einzelnen Gemeinden suchen, und auch die Vollversammlung des Katholikenrates am 29. September wird das Thema zum Schwerpunkt haben.